Den Recruiting-Markt verändern

Ein Interview mit dem neuen Deutschland-Chef von Indeed, Frank Hensgens

Frank Hensgens

Hinter den Kulissen des Internet-basierten Recruitings tobt ein Gattungswettbewerb zwischen Generalisten, Spezialisten und Jobsuchmaschinen. Dabei punkten Generalisten als allgemeine Jobbörse mit Stellenangeboten für alle Branchen, Berufe und Regionen vor allem durch ihren Bekanntheitsgrad bei Arbeitgebern und Stellensuchenden gleichermaßen. Spezialjobbörsen fokussieren sich auf Nischen-Angebote und bieten durch diese Konzentration auf einzelne Berufe oder Branchen einen niedrigen Streuverlust und erfreuen sich einer steigenden Zufriedenheit bei Bewerbern – sofern sie diesen gegenüber ausreichend bekannt sind. Jobsuchmaschinen hingegen verkörpern den „Maschinenraum des e-Recruiting“: Fast alles verläuft voll automatisch, die Stellenanzeigen werden entweder direkt von den Karrierewebseiten der Arbeitgeber oder von anderen Jobbörsen als „Traffic Booster“ platziert. Die hohen Zahlen an veröffentlichten Stellenanzeigen gekoppelt mit einem hohen Besucheraufkommen sind Erfolgsfaktoren im Gattungswettbewerb.

Ein Blick auf die Rangliste der Top-20 Jobsuchmaschinen in Deutschland (siehe Tabelle) macht deutlich, dass sich im Wettbewerb fast überwiegend Jobsuchmaschinen mit Heimatbasis Deutschland durchgesetzt haben. Dies liegt neben den üblichen Erfolgsfaktoren aus den Rezeptbüchern für Online-Marketing und Vertriebsstrategien aber auch an der Lösung eines spezifischen landesüblichen Problems: die semantische Suchtechnologie.

Dabei geht es darum, mit Hilfe ausgefeilter Analyseprogramme die Beschreibungen der Stellenanzeigen einer korrekten Tätigkeitsbezeichnung zuzuordnen oder die Geolokation für die Umkreissuche möglichst präzise zu ermitteln.  Klassisches Beispiel ist in diesem Zusammenhang der Sommelier, der u.a. auch als Wein-Ober semantisch verknüpft sein sollte.  Wer nach einem Job als Gastronom sucht, findest es nicht zum Lachen wenn die Jobsuchmaschine auch Stellenangebaute für Astronom als Treffer anbietet. Genau an dieser Herausforderung haben sich die in Deutschland basierten Jobsuchmaschinen gegenüber international tätigen Jobsuchmaschinen ausgezeichnet.  Doch nun drängt im Rahmen ihrer Internationalisierungsstrategie die US-basierte Jobsuchmaschine Indeed auf den deutschen Markt – angeführt von einem Veteran-Experten des e-Recruiting-Geschäfts.

 

Crosswater: Herr Hensgens, in welcher Funktion feiern Sie Ihr Comeback?

Frank Hensgens: Ich werde Indeed, eine der weltweit wichtigsten Jobsuchmaschinen, als Geschäftsführer mit einem eigenen Geschäftsmodell auf den deutschen Markt führen. www.indeed.de ist schon seit Jahren in Deutschland für Kandidaten erreichbar, die dort aus über  800.000 Jobs auswählen können. Nun gehen wir den nächsten Schritt mit einer Organisation, die mit eigenen Vertriebsleistungen und einer eigenständigen Kommunikation auf dem deutschen Markt agiert. Der deutsche Recruiting-Markt ist für uns strategisch sehr wichtig – entsprechend konsequent gehen wir vor.

 

Crosswater: Vielen Marktteilnehmern in Deutschland ist Indeed bisher als Metasuchmaschine bekannt. Was steckt hinter Indeed?

Frank Hensgens: Indeed ist weltweit die Nummer 1 unter den Jobsuchmaschinen. Nur ein paar Zahlen, die das unterstreichen: Weltweit 16 Millionen Jobs jeden Tag, 3 Milliarden Jobsuchen jeden Monat und 100 Millionen Unique Users monatlich. Indeed ist in mehr als 50 Ländern erfolgreich und mit der mobilen Indeed-App für iPhone und Android ein echter Vorreiter in der mobilen Jobsuche. In den USA hat Indeed mehr Reichweite als die führenden konventionellen Jobbörsen Monster und Career Builder zusammen.

Crosswater: Was sind Ihre Ziele mit dem Gang auf den deutschen Markt?

Frank Hensgens: Mit dem japanischen Unternehmen RECRUIT steht ein strategischer Investor hinter Indeed, der ehrgeizige Ziele verfolgt. Ich bin überzeugt: Indeed wird in naher Zukunft auch auf dem deutschen Markt eine führende Rolle spielen. Dazu versuche ich meinen Beitrag zu leisten.

Die Zeit ist gekommen, in der konventionelle Online-Jobbörsen ein moderneres Recruiting-Modell neben sich dulden müssen. Unser Ziel ist es, das Google der Jobsuche zu werden. Diesem Anspruch werden wir übrigens schon alleine durch die Performance unserer Seite gerecht: Indeed ist die zweitschnellste Suchmaschine der Welt – an manchen Tagen sogar die schnellste. Aber wir sind natürlich nicht nur schnell, sondern haben auch nahezu alle Jobs – und zwar an einem Ort. Kurz: die bestmögliche Plattform für alle Jobsuchenden und damit die optimale Recruiting-Plattform für ausschreibende Unternehmen.

 

Crosswater: Ist die Tatsache, dass Indeed schon seit Jahren auf dem deutschen Markt erfolgreich aktiv ist eine gute Basis für den Start einer eigenständigen Organisation in Deutschland?

Frank Hensgens: Ganz ohne Zweifel. Indeed ist schon jetzt eine der wichtigsten Job-Seiten in Deutschland. Was die Reichweite betrifft, zeigt der Bick auf das Alexa-Ranking, dass wir in diesem Bereich schon jetzt zu den meist besuchten Karriere-Webseiten in Deutschland gehören. Die Kandidaten nutzen unser Angebot schon zum jetzigen Zeitpunkt häufiger als das von vielen anderen konventionellen Jobbörsen. Und das Momentum ist klar auf unserer Seite. Denn alleine seit Anfang März diesen Jahres ist unsere Reichweite gemäß Alexa um 75 Prozent angestiegen. Year on year (April 2012 – April 2013) sogar um 150 Prozent laut Google Analytics. Kurz: Indeed ist bereits eine der meist genutzten Job-Seiten in Deutschland. Das ist eine phantastische Basis für unseren Start und gibt auch gleich die Richtung vor.

 

Crosswater: Welche Position soll Indeed im von den Jobbörsen dominierten deutschen Markt einnehmen?

Frank Hensgens: Der Recruiting-Markt in Deutschland ist im Grunde genommen seit Jahren unverändert. Die konventionellen Jobbörsen bestimmen ihn und andere Marktteilnehmer versuchen verzweifelt ihre Rolle darin zu finden. Bislang ist es aber keinem Geschäftsmodell gelungen, die Dominanz der Stellenbörsen zu durchbrechen. Soziale Netzwerke haben kaum eine Chance, spielen nur für den langfristigen Aufbau einer Employer Brand eine Rolle. Die Business-Netzwerke auf dem deutschen Markt befinden sich in einem aufreibenden Verdrängungswettbewerb untereinander und sind mittelfristig eher für das Segment der Direktansprache eine ernstzunehmende Option. Das einzige Modell, das meiner Meinung nach inhaltlich so aufgestellt ist, neben den etablierten Playern eine relevante Position einzunehmen, ist das der Job-Suchmaschinen. Sie bieten den Kandidaten alle Jobs an einem Ort und den Unternehmen die Chance, ihre Jobs fairer weil messbarer und über eine sehr hohe Reichweite zu platzieren – und zwar dort, wo die Wahrscheinlichkeit den richtigen Mitarbeiter zu finden, am höchsten ist.

 

Crosswater: Wo sehen Sie die größten Herausforderungen für den Start der deutschen Organisation?

Frank Hensgens: Das Thema Jobsuche ist aus Kandidatensicht ein hoch emotionales – ein „High-Impact“-Thema. Entscheidet sich ein Kandidat für einen neuen Arbeitgeber, stellt er die Weichen dafür, wo er zukünftig den größten Teil seiner Zeit und Energie investieren wird. Um dazu den passenden Job zu finden, ist es ihm letztlich relativ egal, wo er diesen findet. Das heißt für Stellenportale wie Jobsuchmaschinen: Die Qualität des Produktes geht vor der Bindung an die Marke! Genutzt wird die Seite, die die höchste Wahrscheinlichkeit bietet, den besten Job zu finden. Und genau hier haben Jobsuchmaschinen den entscheidenden Vorteil. Der Kandidat nutzt die beste Jobsuche, mit der er möglichst keinen Job verpasst. Das ist unser Wettbewerbsvorteil. Es liegt nun an uns, diesen bekannter zu machen. Der Bekanntheitsgrad von Jobsuchmaschinen ist gerade in Deutschland noch nicht hoch genug. Daran können wir mit einer eigenen deutschen Organisation nun gezielt arbeiten.

Tabelle: Die Top-20 Jobsuchmaschinen in Deutschland

Name Anzahl
Stellenanzeigen

Alexa
Traffic Rank

STA/R

Quotient *)

Kimeta

1.690.929

13.234

127,8

Indeed.de

803.125

7.815

102,8

Icjobs

2.252.436

74.171

30,4

Jobmonitor

1.270.333

60.084

21,1

CareerJet

1.522.403

108.104

14,1

JobisJob.de

468.961

47.373

9,9

Jobworld

400.000

57.844

6,9

Jooble Deutschland

797.545

132.000

6,0

Univillage

690.600

147.252

4,7

Jobrobot

503.023

108.142

4,7

Jobsuma

1.356.000

333.305

4,1

Jobijoba

271.798

69.282

3,9

Opportuno

261.163

78.583

3,3

Jobturbo

250.000

91.624

2,7

Backinjob

61.991

23.865

2,6

CESAR

187.092

73.452

2,5

Jobkicks

569.650

277.654

2,1

Jobanova

294.235

180.094

1,6

Jobanzeigen.de

294.000

205.075

1,4

Simplyhired

397.228

453.763

0,9

Quelle: Crosswater Job Guide 2013.
*) Der Crosswater STA/R Quotient ist ein Näherungswert, der die Jobportal-Leistungsfaktoren Stellenanzeigen und  Reichweite zueinander in Beziehung stellt

Crosswater: Das ist die Herausforderung für den Kandidatenmarkt. Müssen sich die Unternehmen auch umstellen, wenn sie mit Indeed zusammenarbeiten möchten?

Frank Hensgens: Nun – die meisten Unternehmen nutzen die Vorzüge unserer Plattform bereits, wissen aber oft nicht, dass sie es schon tun. Denn ihre Stellenanzeigen sind häufig bereits auf unserer Plattform, weil wir die Jobs auf deren Karriereseiten indizieren und den Kandidaten per Ergebnisliste anbieten. Das bedeutet: Oft kommt ein neuer Mitarbeiter bereits über Indeed in ein Unternehmen. Viele Arbeitgeber nehmen das aber nicht so wahr. Unsere Aufgabe ist es daher, das klarer herauszustellen.

 

Crosswater: Warum sollten sie das tun, wenn sie eh schon bei Ihnen gelistet sind?

Frank Hensgens: Weil sie durch die Schaltung direkt über uns („Sponsored Jobs“) ganz erheblich Geld einsparen und trotzdem mit bis zu sieben Mal mehr Zugriffen rechnen können. Zudem sind wir extrem transparent, was die Ergebnisse betrifft. Unser Abrechnungsmodell ist komplett darauf ausgerichtet. Indeed-Kunden vereinbaren mit uns ein Budget und zahlen im „Pay per Click“-Modell nur dann, wenn ihre Stellenanzeige auch angeklickt wird. Das ist zunächst neu für den sehr tradierten Recruiting-Markt in Deutschland, der Print wie Online bisher Anzeigenpreise nach dem „Pay-and-Publish“-Prinzip gewohnt war. Da bedarf es einiger Aufklärungsarbeit unsererseits. Das machen wir aber gerne, schließlich zwingen wir den Personaler mit diesem Modell zu seinem Glück. Das rein lesitungsorientiertes „Pay-per-Click“-Modell ist meiner Meinung nach zeitgemäßer als andere, da es die Möglichkeiten des Internet ausnutzt. Zudem ist es deutlich fairer, weil ergebnisorientiert und entspricht letztlich den Anforderungen der Unternehmen, die sicherlich bereit sind für Ingenieur-Stellenanzeigen mehr Geld zu investieren als für eine Assistenten-Position. Das bieten wir ihnen mit unserem Modell.

Zusammengefasst: Ausschreibende Unternehmen sollten Indeed nutzen, weil wir die Plattform der Zukunft und Gegenwart sind. Wir haben fast alle Jobs, sind schon jetzt eine der meist genutzten Job-Seiten und bieten ein leistungsorientiertes Vergütungsmodell.

Crosswater: Herr Hensgens, vielen Dank für das Interview.

 

Mehr finden Sie auch unter www.indeed.de/recruiting

 

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