Die Übernahme von JobScout24 durch CareerBuilder ist kein Kaffee-Kränzchen

JobScout24-Übernahme: CareerBuilder packt Muskeln drauf

von Gerhard Kenk

Tony Roy, CareerBuilder EMEA

Tony Roy, Präsident von CareerBuilder EMEA, wird wohl noch mehr Termine in Frankreich und Deutschland in seinen Kalender eintragen müssen, denn nach der im September 2011 angekündigten Übernahme von JobScout24 hat er noch etwas mehr zu tun. Wie sein Namensvetter, Bodybuilder Tony Roy, muss er in diesen europäischen Ländern noch mehr Muskeln zulegen, um die Übernahmen des größten US-Karriereportals CareerBuilder in Europa zu stemmen. Ein Blick auf die Situation in Deutschlands hartumkämpften Markt der Jobportale zeigt, dass weder Jobscout24 noch CareerBuilder zu den Platzhirschen zählen. Die lange Zeit kränkelnde Jobscout24-Jobbörse konnte unter neuem Management in jüngster Zeit wieder Boden wettmachen – CareerBuilder Deutschland leidet nach wie vor unter den fast klassischen Problemen einer US-Dependance: Hohe Fluktuationsraten im Management und der Sales Force verhinderten, dass sich CareerBuilder in Deutschland am Markt etablieren konnte. So könnte eintreten, was bei Unternehmensübernahmen häufig zu beobachten ist: Es kommt zu einem „Reverse Takeover“, die übernommene Geschäftseinheit hat auf dem lokalen Markt das Sagen.

Dabei geht es eigentlich nur um die konsequente Umsetzung der internationalen Strategie von CareerBuilder – wie sie schon seit einiger Zeit praktiziert wurde. In Singapur wurde der Marktführer JobCentral übernommen, in Frankreich wurde die IT-Spezialjobbörse LesJeudi aufgekauft – nun ist eben Deutschland mit JobScout24 an der Reihe. Business as usual? Mitnichten.

Muskelaufbau: Superstar und Profi-Wrestler Tony Roy ist seinem Namensvetter schon um einiges voraus

Bei der Umsetzung der Expansionspläne in Deutschland wird sich CareerBuilder wohl schwerlich nach dem Vorbild von Monster Worldwide orientieren. Monster hatte 2004 in einem vielbeachteten Deal den damaligen Platzhirsch Jobpilot für beachtliche 74.5 Millionen Euro von Adecco gekauft.  Trotz markiger Ankündigungen des US-Managements, Jobpilot rasch zu integrieren und danach alsbald die Marke vom deutschen Markt verschwinden zu lassen wurde dieses Vorhaben nie rigoros umgesetzt.

 

Zu stark war die Kundenidentifikation, die Benutzertreue und auch die Wertschätzung, die sich Jobpilot als Marktführer erarbeitet hatte – der Börsengang im Jahre 2000 kulminierte einen Lebenstraum von Gründer-Unternehmer Dr. Roland Metzger. Heute ist zwar die technische Integration mit der Monster-IT-Plattform vollkommen umgesetzt, die operativen Services sind längst in einer Hand gebündelt – und doch existiert www.jobpilot.de weiterhin im Netz – ein digitaler Zombie, ein „Untoter“.

 

Monster hatte in all den Jahren es eigentlich nie verstanden, das Karriereportal Jobpilot in einer sinnvollen Dual-Branding-Strategie am Markt zu positionieren – so dient es immer noch wie eine  „Investitionsruine“ als Mahnmal, wie man Übernahmen eigentlich nicht umsetzen sollte – die „Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Kirche“ in der deutschen Recruiting-Landschaft.

 

Ähnlich sind die Vorzeichen auch bei der Übernahme von JobScout24 durch CareerBuilder: Hier eine lang etablierte Jobbörse mit hohem Bekanntheitsgrad, die nach einem wie Mehltau lastenden Controlling-Regime in einen Dornrößchen-Dämmerzustand befördert wurde um nun vom „Märchenprinz“ Daniel Smuda zu neuem Leben erweckt und zumindest wieder auf den tugendhaften Weg der Profitabilität geführt zu werden. Dort, von der anderen Seite des Atlantiks, aus der „Windy City“ Chicago, kommt CareerBuilder, der die Eigner der Scout-Gruppe überzeugen konnte, eines ihrer Portale zu verkaufen um es künftig im Unternehmensverbund eines großen internationalen Karriere-Portals gedeihen zu lassen.

Wer die Pressemitteilung von CareerBuilder zur JobScout24-Übernahme gelesen hat, war eigentlich hinterher genau so schlau wie zuvor auch. Neben dem Hinweis auf die Übernahme und die bei diesen Anlässen üblichen Management-Floskeln finden sich keinerlei konkreten finanziellen Details – es darf also gemutmaßt werden, wie die Übernahme und die Neupositionierung in Deutschland gestaltet werden soll.

 

 

CareerBuilder schließt sich mit JobScout24 zusammen

Frankfurt, 13. September 2011 CareerBuilder hat bekannt gegeben eine definitive Vereinbarung eingegangen zu sein, um JobScout24 zu akquirieren. JobScout24 ist eine bekannte Jobbörse in Deutschland mit mehr als 3,36 Millionen Nutzern und über 250.000 Stellenangeboten. Die kombinierte Reichweite und die Ressourcen beider Unternehmen werden die Position CareerBuilders als einer der drei Top-Player auf dem deutschen Online-Recruiting-Markt festigen und die weitere globale Expansion vorantreiben.

Vor drei Jahren wurde CareerBuilder.de von CareerBuilder gelauncht und ist heute eine der am schnellsten wachsenden Online-Jobbörsen in Deutschland. Durch den Erwerb von JobScout24 wird CareerBuilder nicht nur seine Präsenz in der fünftgrößten Wirtschaft der Welt stärken, sondern Unternehmen und Arbeitsuchenden in Deutschland auch mehr Angebote und Möglichkeiten zur Bewerber- und Jobsuche zur Verfügung stellen.

 

JobScout24.de wird auf der technischen Plattform von CareerBuilder betrieben werden und so als eine weitere Anlaufstelle dienen, wo Arbeitgeber und Bewerber zusammenfinden können. Bestandteil der Transaktion ist auch der Erwerb von Jobs.de, eine weitere beliebte Website mit besonderem SEO-Wert(Search Engine Optimization).


Positionierung CareerBuilder im Heimatmarkt USA

CareerBuilder: starke Position im US-Heimatmarkt – Nachzügler der internationalen Expansion

Im Heimatland USA hat Careerbuilder eine erstaunliche Entwicklung demonstriert:

  • 1995 wurde NetStart Inc, der Vorgänger von CareerBuilder gegründet.
  • 1998 Umbenennung in CareerBuilder, Start mit 16 Interaktiven-/Medienpartnern
  • 2000 Lebenslauf-Datenbank verfügbar
  • 2000 Fusion mit CareerPath und Übernahme durch die Medienkonzerne Tribune und Knight Ridder
  • 2002 Zusammenschluss der Webseiten Headhunter und CareerBuilder.com, Gannett Co. Inc tritt als Eigentümer hinzu
  • 2003 Beginn der internationalen Expansion
  • 2005 Erweiterung der Netzwerk-Kooperationspartner auf über 800
USA: Anzahl Unique Vistors

Die Muttergesellschaft CareerBuilder LLC mit Hauptsitz in Chicago gehört den Medienunternehmen Gannett(50.8%), Tribüne (30.8%)  und McClatchy (14.4%) – Stand September 2008. Microsoft ist mit 4% an CareerBuilder beteiligt. Wer etwas Transparenz in die finanziellen Ergebnisse von CareerBuilder bringen will, steht zunächst vor einer Mauer des Schweigens. Erst ein Blick in die Geschäftsberichte von McClatchy oder Gannett vermitteln einige rudimentäre Zahlen – eine Gesamtdarstellung der CareerBuilder-Ergebnisse sucht man vergeblich.

Starke Heimat – Schwache internationale Präsenz

Die internationale Expansions-Strategie von CareerBuilder hat im Vergleich zum Wettbewerber Monster Worldwide eher den Charakter eines Nachzüglers.

  • Im Heimatmarkt USA hat Careerbuilder das lange führende Karriereportal Monster Worldwide eingeholt und liegt nun – gemessen an den Besucherzahlen (Unique Visitors) vor Monster.
  • Während Monster als eine reinrassige Aktiengesellschaft mit Börsennotierung in New York ist, wird Careerbuilder von drei Haupteigentümern kontrolliert: Gannett, McClatchy und Times.
  • Die Haupteigner von Careerbuilder entstammen alle der US-Medienwirtschaft. Einerseits kann dadurch Careerbuilder gute Synergie-Effekte in der Vernetzung von Online- und Print-Medien generieren (Siehe Affiliate-Programm mit über 2.500 vernetzten Micro-Sites), andererseits wirkt sich der krisenähnliche Umbruch der Print-Medien-Szene mit seinen finanziellen Konsequenzen auch auf das Investitions- und Expansionsklima bei CareerBuilder aus.
  • Monster hingegen ist in seinen strategischen Entscheidungen unabhängig von Hauptaktionären und hat eine internationale Expansionsstrategie schon viele Jahre früher als CareerBuilder begonnen und umgesetzt.
  • Monster Worldwide hat dabei konsequent sein eigenes Branding weltweit durchgesetzt. Dabei wurden auch andere lokale Jobbörsen übernommen (Jobpilot in Deutschland), die Priorität lag aber immer auf der Weiterentwicklung der Marke „Monster“.
  • Careerbuilder’s verspäteter Start in die internationale Expansion verhinderte einige „Market Opportunities“. Die Chance, während der weltweiten Finanz- und Wirtschaftskrise in den Jahren 2007 / 2008 schwach gewordene Karriereportale zu kaufen, wurde nicht aufgegriffen.  Nun haben sich die Konjunktur und die Lage an den Arbeitsmärkten (zumindest bis zum jetzigen Zeitpunkt) international erholt und in der Folge sind die Gelegenheiten für Zukäufe von Karriereportalen entsprechend gesunken.
  • Die Gründung von eigenen CareerBuilder-Landesgesellschaften standen zunächst unter einem ungünstigen Stern: Mit dem ureigenen amerikanische Credo „One Size fits all“ oder Henry Ford’s Prämisse „You can have a car in any colour as long as it is black“ konnte CareerBuilder international nicht richtig reüssieren. Zu groß sind die landestypischen Unterschiede im Recruiting, was in den USA als Erfolgsrezept gilt muss nicht unbedingt auch in anderen Ländern mit anderen geschäftlichen Präferenzen gelten.
  • Zu dem damaligen Marktauftritt in Deutschland:
    Trotz des holprigen Starts von CareerBuilder Deutschland sollte der Start des US-Ablegers vom Wettbewerb nicht unterschätzt werden. Auch wenn man über die Vorzüge von Stellenanzeigen im individuellen Layout des Arbeitgeber-Branding lange diskutieren mag, ist eines sicher: CareerBuilder demonstriert auf einzigartige Weise, wie erfolgreich eine Symbiose der Medienkonzerne in allen Bereichen ist und diese mehr und mehr ineinander übergreifen. Tageszeitungen, Zeitschriften, Fernsehstationen, interaktive Webseiten – sie alle gehören in den Mix der Medienkonzerne. Entscheidend ist nicht mehr, welchen physikalischen Bedingungen der Träger der Medien (Druckpapier, Fernsehgerät, PC Bildschirm, Smartphone oder Tablet-Computer)  unterliegen, sondern in welchem Maß deren fortschrittliche Eigenschaften genutzt und umgesetzt werden können um die Inhalte zum Konsumenten zu transportieren. Darüber hinaus gilt es, durch die Medienkombinationen die Reichweite der „Message“, also des redaktionellen Inhaltes oder einer Stellenanzeige zu optimieren.
    (Quelle: Mit der Nonchalance des Novizen:  US-Jobbörse CareerBuilder will in Deutschland Fuß fassen)

Pfadfinder sollen auf die verschlungenen Wege des Erfolgs führen

Die Übernahme von Jobscout24, den Pfadfindern zum Job, verfolgt CareerBuilder nun die zweite Stufe der internationalen Expansionsstrategie. In der ersten Stufe wurde zunächst eigene Landesgesellschaften gegründet und nahmen den Jobbörsen-Betrieb mit einer 1:1-Umsetzung des US-Karriereportals auf, trotz nachträglichen Anpassungen an die landesspezifischen Bedingungen blieb der Erfolg eigentlich überschaubar. In der zweiten Stufe der internationalen Expansion verfolgt CareerBuilder nun eine Kaufstrategie: Es werden gezielt etablierte lokale Jobportale aufgekauft, wie z.B. LesJeudi in Frankreich, Karriera in Griechenland oder JobCentral in Singapur – oder als jüngste Akquisition Jobscout24 in Deutschland.

Anzahl Stellenanzeigen Verteilung USA - International

 

Quelle: CareerBuilder.com (Stand Oktober 2011)

 

CareerBuilder International: Anzahl publizierte Stellenanzeigen nach Land

Anzahl Stellenanzeigen International

Quelle: CareerBuilder.com, Jobscout24.de (Stand Oktober 2011)

Gemessen an der Verteilung der Anzahl Stellenanzeigen wird Deutschland mit der Summe von Careerbuilder und Jobscout24 ein Drittel des internationalen Anzeigengeschäfts repräsentieren, gefolgt von Polen (24%) und Großbritannien (16%). Überraschend in dieser Aufstellung ist einerseits die starke Position in Polen, andererseits ist CareerBuilder in den großen europäischen Volkswirtschaften Frankreich, Italien oder Spanien schwach vertreten.

 

Fakten und Zahlen

 

Key Facts CareerBuilder.de Jobscout24.de
Geschäftsführung Alex Green, Kevin Knapp Daniel Smuda
Standort Solmsstr. 4
60486 Frankfurt
Dingolfinger Str. 1-15
D-81673 München
Anzahl Stellenanzeigen 

Preis pro Monat

20.223
Euro 500.-
39.950
Euro 295.-
Reichweite Alexa-Rank 70.152 17.179
Bewertung Arbeitgeber  PROFILO-Umfrage
(Skala 7=sehr gut bis 1=sehr schlecht)
–          Gesamtnote n/v 4,89
–          Qualität der Stellenanzeigen n/v 4,07
–          Kundenbetreuung n/v 5,44
–          Weiterempfehlung 

–          Anzahl Bewertungen

n/v 4,98
48
Bewertung Stellensuchende
Crosspro-Research-Umfrage
 

(Skala 1=sehr gut 4 = sehr schlecht)

–          Zufriedenheitsgrad 1,97 2,04
–          Suchqualität 2,08 2,35
–          Anzahl Bewertungen 36 489

 

 

Marktpositionierung

Zur Einschätzung der relativen Markt- und Wettbewerbspositionierung werden folgende Kriterien herangezogen:

  1. Verteilung der Stellenanzeigen nach Unternehmensklassen
  2. Kundenbetreuung
  3. Weiterempfehlungsrate
  4. Handling
  5. Preis-/Leistungsverhältnis
  6. Aktualität der Bewerberdatenbank
  7. Qualität der Bewerberdatenbank
  8. Quantität der Stellenanzeigen
  9. Qualität der Stellenanzeigen
  10. Resonanzrate der Bewerberdatenbank
  11. Gehaltsstruktur der Stellensuchenden
  12. Berufsstatus der Stellensuchenden
  13. Bildungsstatus der Stellensuchenden
  14. Mobilität der Stellensuchenden

Methodik des Vergleichs

Für die Analyse der Marktposition wird auf diverse verfügbare Daten aus Jobbörsen-Umfragen bzw. unabhängigen Analysen zurückgegriffen. Allerdings sind solche Daten für Careerbuilder Deutschland nicht verfügbar, deshalb ist ein direkter Vergleich zwischen Jobscout24 und CareerBuilder Deutschland nicht möglich. Als Ergänzung wird die Marktposition von Jobscout24 im Vergleich zum Marktdurchschnitt gegenüber gestellt.

Verteilung der Stellenanzeigen nach Unternehmensklassen

Die Analyse der Stellenanzeigen nach Unternehmensklassen verschafft wertvolle Hinweise über die Kundensegmentierung und Zielrichtung des Vertriebs einer Jobbörse. Die Datenbasis entstammt der Studie „Jobbörsen im Vergleich 2011“ von Prof. Dr. Christoph Beck, Fachhochschule Koblenz. Die publizierten Stellenanzeigen der Jobbörsen wurden nach folgenden Kundensegment bzw. Unternehmens-Größenklassen analysiert:

–          Aktiengesellschaften, die im DAX-Index vertreten sind

–          Andere (Nicht-DAX) Unternehmen, Kleine und mittelständische Unternehmen

–          Zeitarbeitsunternehmen

–          Personalberatungen

Die Aufteilung ermöglicht eine Interpretation der Kundensegmentierung nach Zielgruppe Unternehmen und nach der Zielgruppe Agenturen (Zeitarbeit, Personalberatungen). Generell kann davon ausgegangen werden, dass im Vertrieb gegenüber Agenturen vermehrt Anzeigen-Pakete zu entsprechend rabattierten Preisen verkauft werden.

Stellenanzeigen nach Unternehmensklassen 2011

 

Quelle: Jobbörsen im Vergleich 2011 – FH Koblenz Prof. Dr. Christoph Beck
Konsolidierung nach Unternehmensklassen

Auffallend bei dieser Struktur-Analyse der Stellenanzeigen nach Unternehmensklassen ist die Tatsache, dass Monster einen überproportionalen Anteil bei Zeitarbeitsfirmen hat. Jobscout24 ist bei den Nicht-Dax-Unternehmen im Vergleich zu den untersuchten Wettbewerbern relativ schwach vertreten. Jobware hat bei DAX-30-Unternehmen mit Abstand die stärkste Marktposition der untersuchten Jobportale. Dies ist um so beachtlicher, da ja die DAX-30 Konzerne im Verbund mit anderen Großkonzernen mit Jobstairs.de eine eigene Jobbörse betreibt, die als exklusiver Arbeitgeber-Club doch den privatwirtschaftlichen Jobbörsen Konkurrenz machen sollte. Zumindest Jobware dürfte sich diesem Konkurrenzdruck entzogen haben, weil die Personaler der DAX-30-Unternehmen offensichtlich ihre Stellenanzeigen nicht ausschließlich bei Jobstairs.de publizieren.

 

Jobbörsen-Beurteilungen aus Sicht der Arbeitgeber

  • Kundenbetreuung
  • Weiterempfehlungsrate
  • Handling
  • Preis-/Leistungsverhältnis
  • Aktualität der Bewerberdatenbank
  • Qualität der Bewerberdatenbank
  • Quantität der Stellenanzeigen
  • Qualität der Stellenanzeigen
  • Resonanzrate der Bewerberdatenbank

 

Arbeitgeber-Bewertungen PROFILO-Umfrage 2011

 

Quelle: PROFILO Rating Agentur GmbH, Hamburg (Online Umfrage August 2011)

Bei den Leistungskriterien Handling, Preis-/Leistungsverhältnis, Kundenbetreuung und der Gesamtnote positioniert sich Jobscout24 im Vergleich mit den Wettbewerbern auf Augenhöhe. Schwächer fallen die Bewertungen der Arbeitgeber für Jobscout24 bei der Aktualität, Quantität und Resonanz der Bewerberdatenbank aus. Demzufolge ist auch die Weiterempfehlungsrate für Jobscout24 niedriger als der Branchendurchschnitt der untersuchten Jobbörsen.

 

Marktpositionierung von Jobscout24 aus Sicht der Stellensuchenden

  • Bildungsstatus
  • Mobilität
  • Gehaltsstruktur
  • Berufsstatus

 

 

Marktposition nach Bildungsstatus

Quelle: Jobbörsen-Nutzer-Umfrage von CrossPro-Research.com Stand Oktober 2011

 

Marktposition nach Mobilität

Quelle: Jobbörsen-Nutzer-Umfrage von CrossPro-Research.com Stand Oktober 2011

Marktposition Berufsstatus

Quelle: Jobbörsen-Nutzer-Umfrage von CrossPro-Research.com Stand Oktober 2011

Marktposition nach Gehaltsstrukur

Quelle: Jobbörsen-Nutzer-Umfrage von CrossPro-Research.com Stand Oktober 2011

Zufriedenheit der Stellensuchenden

Marktposition nach Zufriedenheitsgrad der Stellensuchenden

Quelle: Jobbörsen-Nutzer-Umfrage von CrossPro-Research.com Stand Oktober 2011

Bei der Beurteilung der Stellensuchenden über die Zufriedenheit (Skala 1=sehr gut bis 4=überhaupt nicht gut) mit den genutzten Jobportalen (über 14.500 Bewertungen, Stand Oktober 2011) fällt auf, dass Jobscout24 unterhalb des Branchendurchschnitts bewertet wird. Lediglich die Jobbörse der Arbeitsagentur wird noch schlechter bewertet. Bei der relativ besseren Bewertung für Careerbuilder muss berücksichtigt werden, dass für diese Jobbörse lediglich 37 Bewertungen vorliegen und demzufolge die statistische Relevanz nicht prägnant ist.

Die Übernahme von Jobscout24 ist kein Kaffeekränzchen

Aus der Pressemeldung zur Übernahme von Jobscout24 lassen sich zunächst keine Rückschlüsse ziehen, wie die zukünftige Positionierung von CareerBuilder und Jobscout24 in Deutschland geplant wird. Aufgrund der Marktposition der beiden Jobportale lassen sich jedoch gewisse Rückschlüsse ziehen, die in der Form von „Hypothesen“ näher erläutert werden. Dabei ist jedoch anzumerken, dass Außenstehenden nur eine begrenzte Sicht der Dinge haben – letztlich werden die nächsten 18 bis 24 Monate zeigen, wie die Übernahme letztlich umgesetzt wurde.

Die Ausgangssituation der Übernahme ist eine Kombination einer Partnerschaft mit Stärken und Schwächen. Die Marktposition von CareerBuilder im Heimatmarkt ist ausgezeichnet, jedoch hat die bisherige internationale Expansion – verglichen mit dem Wettbewerber Monster – zeitlich zu spät begonnen und bisher eher bescheidene Resultate erbracht. Die Marktsituation ist Deutschland ist eher dadurch gekennzeichnet, dass eine in den USA stark positionierte Muttergesellschaft eine Jobbörse in Deutschland übernimmt, die unter den fünf wichtigsten generalistischen Jobbörsen rangiert, gleichzeitig kann die Deutschland-Dependance von CareerBuilder eher als Junior-Partner eingeschätzt werden.

Das Übernahme-Szenario wird als Hypothese für verschiedene Geschäftsaspekte dargestellt, wobei der „Grad der Einflussnahme“ (Degree of Influence) schematisch aufzeigt, welche Stärken / Schwächen die beiden Partner in die zukünftige gemeinschaftliche Organisation einbringen.

 

Leadership

Jobscout24 ist schon seit der Gründer-Phase des Jobbörsen-Markts in Deutschland aktiv und war Teil der Unternehmensgruppe Scout24 und gehörte damit zum Konzern der Deutschen Telekom.

Jobscout24 geriet während der Finanz- und Wirtschaftskrise in eine länger andauernde Kostensenkungsspirale die von einem stringenten Sparkurs und Personalfreisetzungen geprägt war. Obwohl das Management von Jobscout24 auch von gewissen Fluktuationen gekennzeichnet war, ist nach Eintritt des jetzigen Geschäftsführers Daniel Smuda ein erfahrener CEO an Bord, der die Jobbörsen-Betreibergesellschaft stabilisiert und – nach eigenen Aussagen – wieder in die Gewinnzone geführt hat.

CareerBuilder hingegen war seit der Gründung von einer relativ hohen Management-Fluktuation gekennzeichnet, die mit einer ebenfalls hohen Fluktuation im Vertriebsbereich einher ging. Die Anpassungen an die lokalen spezifischen Bedingungen des Personalbeschaffungsmarktes ging einher mit einer entsprechenden Lernphase – nicht alle Funktionen, Features und Prozesse, die im US-Heimatmarkt gut funktionieren, haben zu den landesspezifischen Merkmalen gepasst. Die Positionen in der Geschäftsführung wurden mit einem Legal Council und einem Chief Financial Officer von außerhalb Deutschlands besetzt. Der erste lokale Geschäftsführer von CareerBuilder, Severin Wilson, schied schon nach einer kurzen Zeit wieder aus.

Fazit: Das lokale Management von Jobscout24 wird in der künftigen Konstellation seine Erfahrungen und Kenntnisse des Markts in Deutschland einbringen und auf Management-Ebene einen wichtigen Einfluss ausüben. In diese Richtung zielt auch die Gründung einer juristischen Gesellschaft, CareerBuilder München GmbH, mit Geschäftsführern Daniel Smuda, Alex Green und Kevin Knapp.

Location

Am Standort München ist Jobscout24 erst vor kurzem in neue Büro-Räumlichkeiten umgezogen, während das Team von CareerBuilder Deutschland in Frankfurt domiziliert ist. Mittelfristig kann davon ausgegangen werden, dass die beiden Organisationen am Standort München integriert werden um dort gewisse Synergie-Effekte zu realisieren.

Salesforce

Es ist offensichtlich, dass die bestehende Verkaufsorganisation mit ihren Key Accountern und Telesales-Callcentern unter der Regie von Jobscout24 weitergeführt wird, mit punktuellen Ergänzungen der CareerBuilder-Deutschland Verkaufsmitarbeitern.

Customer Service

Die oben dargestellten Vergleich über die Marktposition von Jobscout24 im Vergleich zu den Wettbewerbern machen deutlich, dass der Bereich Customer Service durchaus auf branchenüblichem Niveau agiert und eingespielte Prozesse im Handling der Stellenausschreibungen nutzt.

Technology

Im Bereich der eingesetzten IT-Technologie, Datenbanken und Suchverfahren wird CareerBuilder nicht auf die Chancen der Synergie-Effekte verzichten und diese internationale IT-Plattform auch für das Geschäft von Jobscout24 nutzen. Jedoch dürften im Bereich der Suchlogik einige wesentliche Anpassungen an die lokalen Bedingungen (Sprache, Synonyme, Stellenbezeichnungen usw.) notwendig werden. Hier hat Jobscout24 erhebliche Vorleistungen und Investitionen erbracht, die auch für die CareerBuilder-Plattform nutzbar gemacht werden sollten.

Market Position

CareerBuilder wird sicherlich die Jobpilot-Übernahme durch Monster vor Augen haben und sehr sorgfältig abwägen, wie die Marktpositionierung der drei Portale CareerBuilder Deutschland, Jobscout24 und Jobs.de, eine Jobsuchmaschine, abgestimmt wird. Hier muss abgewartet werden, was die Integrations-Teams um Daniel Smuda letztlich entscheiden. Auf alle Fälle scheint sicher zu sein, dass zumindest eine Dual-Branding-Strategie verfolgt wird, denn CareerBuilder hat sich dem Vernehmen nach die Marken-Nutzungsrechte von Jobscout24 für die nächsten fünf Jahre vertraglich gesichert.

Schwieriger wird es, eine adäquate Rolle für die Jobsuchmaschine Jobs.de zu finden. Während die Jobsuchmaschine über modernste Technologie und Features verfügt, kränkelt diese etwas bei der Anzahl der gefundenen Stellenanzeigen. Etwa 400.000 Stellenanzeigen bei Jobs.de stehen den rund 1.6 Millionen bei Kimeta oder 2.18 Millionen bei iCjobs.de eher bescheiden gegenüber. Apropos Kimeta: Die Darmstädter Suchmaschinen-Experten praktizieren derzeit ein „White Label“-Geschäftsmodell, das auch für Jobs.de interessant sein könnte. Auf der Basis der Suchmaschinen-Datenbank segmentiert Kimeta spezielle Bereiche heraus und präsentiert diese dann in der Form eines „White Label“ Jobportals im Auftrag anderer Jobportal-Betreiber. Die Stellenanzeigen kommen von Kimeta, das äußere Erscheinungsbild wird den individuellen Anforderungen des Betreibers angepasst. Der Betreiber kann diesem Modell zufolge natürlich auch eigenständig  Stellenanzeigen von Arbeitgebern akquirieren und so sein Angebot mit Branchen- oder berufsspezifischen Jobangeboten anreichern.

Beispiele dieser White-Label Portale sind jobsterne.de und Juwista.de (dfv Verlag), Jobsuma.de, Jobmorgen.de oder auch recruitingsjobs.de von ICR Institute for Competitive Recruiting in Heidelberg. 


Social Media und Internationale Positionierung

In diesen beiden Gebieten hat CareerBuilder umfangreiche Erfahrungen gesammelt und insbesondere durch die Kooperation mit Microsoft wesentliche Stärken demonstriert.

 

CareerBuilder / Jobscout Akquisition Road Map (Assumptions) Grafik: Crosswater Systems


Nachzügler bei den Affiliate-Kooperationen

CareerBuilder hat im Heimatmarkt USA eine ganz erhebliche Wettbewerbsposition sich erarbeitet, indem über 2.400 Micro- bzw. Nichen-Webseites als Affiliate-Partner gewonnen wurden. Im Rahmen dieser Partnerschaft präsentieren die Affiliate-Partner CareerBuilder-Stellenanzeigen, die genau auf die Zielgruppe des Kooperationspartners zugeschnitten sind. Ein Beispiel hierfür ist die National Association of Professional Women, ein genderspezifisches Portal für Frauen in Fach- und Führungspositionen.

Eine Fortsetzung dieses Kooperationsmodells dürfte in Deutschland nur schwierig realisierbar sein. Traditionell werden solche Traffic-Kooperationen innerhalb der Verlagslandschaften in Deutschland abgeschlossen, so wie es beispielsweise Jobware mit über 300 Kooperationspartnern bei Fachzeitungen und Fachzeitschriften praktiziert oder Stellenanzeigen.de, die von den Verbindungen der Eigentümern Holtzbrinck, WAZ und Dr. Ippen in die deutsche Zeitschriftenlandschaft profitieren. Hier dürfte für CareerBuilder der Markt schon verteilt zu sein – übrig bleiben dann nur noch die Traffic-Kooperationen, wie sie z.B. Monster Deutschland mit Spiegel Online abgeschlossen haben. Diese Kooperationen werden zu relativ teuren Clickraten abgeschlossen – ob sie die gewünschten Ergebnisse in Bezug auf Reichweitensteigerung bringen, bleibt offen. So erzielt die Spiegel-Traffic-Kooperation für Monster gemäß Alexa-Analyse derzeit lediglich bescheidene Ergebnisse. Alexa’s „Where Visitors Go on Monster.de“ zeigt auf, dass lediglich 0,45% des Besuchertraffics von spiegel.monster.de generiert wird. (http://www.alexa.com/siteinfo/monster.de#)

Fazit

Es kommt Bewegung auf unter den Wettbewerbern der Jobbörsen in Deutschland – doch die derzeitige Konstellation und Marktpositionierung der Betreiber dürften sich nicht wesentlich verändern. Die Integrationsteams von Careerbuilder und Jobscout24 haben noch viel Arbeit vor sich – die Übernahme wird kein Kaffekränzchen.

Die Übernahme von Jobscout24 durch CareerBuilder ist kein Kaffekränzchen

Weiterführende Links

CareerBuilder.com www.careerbuilder.com

CareerBuilder.de www.careerbuilder.de

Jobscout24 www.jobscout24.de

Jobs.de www.jobs.de

Monster Worldwide www.monster.com

Monster Deutschland www.monster.de

Jobpilot www.jobpilot.de

Monster auf Schlingerkurs im Bermuda-Dreieck der unternehmerischen Risiken
http://www.crosswater-systems.com/ej_news_2007_08_0077_Monster_Dreieck.htm

Mit der Nonchalance des Novizen:  US-Jobbörse CareerBuilder will in Deutschland Fuß fassen

http://www.crosswater-systems.com/ej_news_2006_11_careerbuilder.htm

CareerBuilder Goes Greek, Acquires Kariera.gr
http://mashable.com/2007/10/16/career-builder-greece/

Internationale Jobbörsen: CareerBuilder übernimmt JobsCentral in Singapore
http://crosswater-job-guide.com/wp/archives/15832

Alexa.com www.alexa.com

Compete www.compete.com

CareerBuilder to expand brand in Europe

http://www.recruiter.co.uk/news/careerbuilder-to-expand-brand-in-europe/331971.article

Careerbuilder acquires French IT Job Board LesJeudis Group
http://en.online-recruiting.net/careerbuilder-acquires-french-it-job-board-lesjeudis/

Die Übernahme von Jobpilot durch Monster Worldwide bringt den Markt der Jobbörsen in Deutschland in Bewegung.  Während Adecco mit hausgemachten Problemen an allen Fronten kämpft, baut Monster Worldwide sein globales Karriere-Netz konsequent aus. Personaler müssen umdenken.
http://www.crosswater-systems.com/ej5003_e_monjob_1.htm

 


5 Kommentare zu „Die Übernahme von JobScout24 durch CareerBuilder ist kein Kaffee-Kränzchen“

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