Monster Worldwide erleidet Quartalsverlust und kündigt Restrukturierung an

von Gerhard Kenk (Crosswater Job Guide)

Sal Iannuzzi, CEO Monster Worldwide (Foto: Monster)

Sal Iannuzzi, CEO von Monster Worldwide, durchlebt unruhige Zeiten. Seit Monaten sind die von ihm beauftragten Berater auf der Suche nach einem „Weißen Ritter“, einer Venture Capital Company oder einem anderen zahlungskräftigen Unternehmen, das das angeschlagene Karriereportal übernehmen könnte. Trotz regelmässigen Gerüchten in der Finanz- und HR-Blogger-Szene hat sich hier noch nichts Konkretes ergeben. Konkreter und in nackten Zahlen hingegen ist der Quartalsverlust, den Iannuzzi nun vermelden muss. Und es sind schlechte Zahlen.

Zwar hat sich die prekäre Umsatz- und Ergebnissituation schon seit einiger Zeit angedeutet, mit den Zahlen zum 30. September 2012 wird der anhaltende Abstieg fortgesetzt. Jetzt erfolgt der hoffentlich rettende Griff nach dem Strohhalm – umschrieben als „Corporate Restructuring“ – eine Reorganisation soll das schlingernde Schiff wieder auf Kurs bringen.

Gegenüber dem Vorjahresquartal haben sich alle wesentlichen Zahlen verschlechtert: Umsatzrückgang um 10,81% auf 221 Millionen US-$, Rückgang des Operating Income um 49,82% auf magere 14 Millionen und ein Quartalsverlust, der sich auf 194 Millionen addierte, während im vergleichbaren Vorjahresquartal noch ein Gewinn von 31 Millionen erzielt wurde. Dabei hat sich die Umsatzmarge auf 6,6% verringert.

Quelle: Monster Worldwide, Grafik: Crosswater Job Guide

Die China-Connection

Erschwerend kommt hinzu, daß in der Gewinn- und Verlustrechnung auch die Verluste aus „Discontinued Operations“ in Höhe von 223 Millonen zu Buche schlagen. Hierbei handelt es sich im Wesentlichen um die Tochtergesellschaft ChinaHR, die zum Verkauf steht und die daraus resultierenden Abschreibungen in die Verlustposition „Discontinued Operations“ eingeflossen sind.

Noch im Juli diesen Jahres hattr-Edward Lo, ChinaHR CEO, die damals vollendete Migration auf die Monster-Technologie-Plattform in überschwenglichen Tönen gelobt:

Edward Lo (left), executive vice-president of Monster China, and Xu Xin, chairman of ChinaHR

Monster is a leader in applying advanced Internet technology to the recruitment industry. The completion of this comprehensive platform upgrade will equip ChinaHR with Monster’s world-leading technology, bringing unprecedented efficiency and precision to recruiting in China, enabling both employers and job seekers to find the perfect match with less time and effort.

Rückblick: Im Jahr2005 hatte Monster Worldwide ihre Asien-Strategie durch eine Beteiligung an ChinaHR in konkrete Investitionen umgesetzt.

Wie Monster damals mitteilte, beteiligt das sich das New Yorker Unternehmen mit 40% am Kapital der ChinaHR.com Holdings Ltd., der Muttergesellschaft von ChinaHR. Die Beteiligung hatte einen Gegenwert von 50 Millionen US-$. Mit 480 Mitarbeitern und Niederlassungen in 10 Städten der Volksrepublik China galt ChinaHR als eine der führenden Online-Stellenmärkte im wichtigsten Personalmarkt Asiens. Etwa 280.000 Unternehmen und 3.2 Millionen registrierte Personen nutzen bereits heute die Online-Dienstleistungen für die Stellensuche.

Im Rahmen dieser Beteiligung erhielt Monster drei Sitze im siebenköpfigen Aufsichtsrat von ChinaHR.com sowie das Recht, innerhalb der nächsten 3 Jahre die Beteiligung auf 51% aufzustocken. Sollte es jedoch zu einem früheren Zeitpunkt zu einem Börsengang (Initial Public Offering) kommen, könnte Monster diese Option auch früher ausüben.

Im Oktober 2008 sicherte sich Monster Worldwide die komplette Kontrolle über ChinaHR und bezahlte $ 174 Millionen für die ausstehenden 55% der Anteile an ChinaHR.

Bloomberg fasste die Gesamtkosten der China-Connection zusammen:

  • 2005 Beteiligung 50 Millionen $
  • 2006 Aufstockung der Anteile 20 Millionen $
  • 2008 Komplett-Übernahme 174 Millionen $
  • Gesamtinvestment 244 Millionen $
  • 2012 Abschreibung auf den Goodwill 216 Millionen $

Bloomberg definiert den Goodwill so: „Goodwill is the amount above the fair vailue of net assets paid for an acquisition“.

Im Sommer 2012 schloß nun Monster Worldwide die technische Migration von ChinaHR auf die Monster-IT-Plattform ab – vollmundige Versprechungen folgten.

Mit den angekündigten Restrukturierungsmaßnahmen wird nun ein weiteres Kapitel der Korrektur früherer Management-Entscheidungen aufgeschlagen.

  • Verkauf von ChinaHR, dem Karrierportal für den wichtigen und zukunftsträchtigen Markt in Asien
  • Konzentration auf das Kerngeschäft in Nordamerika und ausgewählen Märkten in Europa und Asien
  • Kostenreduktion um 130 Millionen US-$ pro Jahr
  • Überprüfung der Tochtergesellschaften in Emerging Markets und eine signifikante Verringerung der dort erzielten Verluste

Was ist in den zwei Monaten zwischen der Ankündigung der IT-Integration von ChinaHR mit der Monster-IT-Plattform und der Management-Entscheidung zum Verkauf von ChinaHR, verbunden mit der Abschreibung auf den ChinaHR-Goodwill passiert? Wir wissen es nicht – hierzu können nur Vermutungen angestellt werden. So verbleibt im Licht der Öffentlichkeit der Eindruck, daß hektische Management-Entscheidungen langfristige Strategien umkehren angesichts der immer noch andauernden Suche nach einem finanzstarken Partner, der gewillt ist, Monster Worldwide komplett oder in Teilen zu übernehmen.

Weiterführende Links:

Monster Worldwide Financial Release 3rd Quarter 2012

Monster Worldwide Seeks Sale of ChinaHR in Restructuring

 

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