Zukunft Personal: Führung kämpft mit Komplexität, Machtverschiebung, Kernschmelze

Köln. Was ein gut aufgestelltes Personalmanagement ausmacht, ist derzeit ein Hauptgesprächsthema in Köln: Als Seismograph für die Entwicklungen in der Arbeitswelt sorgt die Zukunft Personal, Europas größte Messe für HR-Management, für Diskussionsstoff. Besonders umstritten erscheint die Zukunft der Führung, wie die Pressekonferenz zum heutigen Messeauftakt zeigte: „Ich spüre eine starke Erzitterung der Macht“, verdeutlichte Prof. Dr. Peter Kruse, Geschäftsführender Gesellschafter von nextpractice, mit einem Starwars-Zitat, wie gravierend die Veränderungen sind. „Wir müssen Führung neu definieren.“

Prof. Dr. Peter Kruse
Prof. Dr. Peter Kruse

Kruse nannte mehrere Entwicklungen, die den Paradigmenwechsel forcierten. Zum einen die steigende Komplexität und die damit verbundene Abnahme von Planbarkeit: Führungskräfte könnten ihre Entscheidungen nicht mehr auf Analysen stützen, die alles nur noch komplizierter machten, sondern müssten eher auf Intuition und vor allem auf kollektive Intelligenz setzen. Hinzu käme die Verschiebung der Macht: Die Vernetzung erhöhe die Aktivität und die Beteiligung Einzelner. Eine Folge daraus sei, dass sich Menschen mehr über ihre Netzwerke als über ihr Unternehmen definierten – eine Entwicklung, die Kruse als „Kernschmelze“ bezeichnet. Führung sei vor diesem Hintergrund nicht mehr selbstverständlich.

Führung muss sich dem „Warum“ zuwenden

Um im neuen System einen Mehrwert zu schaffen, müssten Führungskräfte verstärkt Komplexität reduzieren und vor allem Einsichten generieren, warum etwas gemacht werde, meint Kruse. „Ich wünsche mir ein bisschen mehr Bescheidenheit im Tun und mehr Stärke im Verstehen.“ Derzeit seien allerdings noch längst nicht alle Menschen so weit. Neue Ergebnisse aus einer Befragung von nextpractice und der Gothaer Versicherung zeigten, dass sich selbst die als Entwicklungstreiber eingestuften Digital Natives in zwei Lager spalteten: 50 Prozent der jungen Leute wollten Führung, Stabilität und Sicherheit nach altem Muster, die anderen 50 Prozent wünschten sich Autonomie und Sinnstiftung. Ein weniger klares Bild fördere eine noch laufende Studie im Auftrag des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales bei den Führungskräften zutage: Die Befragten hielten Veränderungen zwar für nötig, könnten ihren „Sehnsuchtsraum“ aber noch nicht mit konkreten Vorstellungen füllen.

„Partnerschaftliche Führung“ bei Google

Frank Kohl-Boas
Frank Kohl-Boas

„Führung entsteht bei uns durch Reputation“, gab Personalchef Frank Kohl-Boas Einblick in die Praxis von Google Deutschland. Durch eine partnerschaftliche Führung, die auf die Macht des Argumentes und nicht auf Statussymbole setze, verdiene sich das Unternehmen die Loyalität seiner Mitarbeiter. Der Suchmaschinenbetreiber habe auch schon versucht, ganz ohne Führungskräfte auszukommen. Dabei habe man jedoch gemerkt, dass Menschen mit „Helikopterblick“ gebraucht würden, um Türen zu öffnen, die andere vielleicht nicht sehen. Der Umgang mit Veränderungen sei bei dem Suchmaschinenbetreiber angesichts des technologischen Fortschritts selbstverständlich.

„Wir leben gleichsam im Beta-Modus, müssen uns alle halbe Jahre an ein verändertes Umfeld anpassen“, erklärte Kohl-Boas. Für Innovationen sei jeder im Unternehmen verantwortlich; nicht nur die Abteilung für Forschung und Entwicklung, sondern auch die Personaler. Spezielle Aufgabe der Führungskräfte sei es hingegen, Entscheidungen zu treffen, die auch schmerzlich sein könnten. Sie sollten deshalb gut erklärt werden, um womöglich enttäuschte Mitarbeiter für nachfolgende Projekte an Bord zu halten. Letztendlich sei es auch in hierarchischen Strukturen möglich, Mitarbeitern die gewünschten Gestaltungsräume zu überlassen, betonte Kohl-Boas.

641 Aussteller in nunmehr vier Hallen

Die Zukunft Personal, Europas größte Messe für Personalmanagement, belegt noch bis Donnerstag, 19. September, mit 641 Ausstellern erstmals vier Hallen in der Koelnmesse. Das hochkarätige Begleitprogramm umfasst rund 220 Präsentationen und Diskussionen.

Zu den Programmhighlights am Mittwoch zählen die Beiträge von Keynote-Speaker Richard David Precht und Special Guest Rupert Lay. Am Nachmittag können die Besucher Prof. Dr. Peter Kruse als weiteren Hauptredner erleben. Am Donnerstag stehen unter anderem die Finalisten des HR Next Generation Award im hochverdienten Rampenlicht. In diesem Jahr haben vor allem fünf Powerfrauen die Jury überzeugt. Welche von ihnen zur endgültigen Siegerin gekürt wird, klärt sich heute Abend beim Netzwerkabend der Initiative Neue Qualität der Arbeit im Gloria-Theater.

Über die Messe Zukunft Personal
Vom 17. bis 19. September 2013 öffnet die Zukunft Personal, Europas größte Fachmesse für Fragen rund um das Thema Personal in Unternehmen, bereits zum 14. Mal ihre Tore. Der Veranstalter erwartet rund 16.000 Personalverantwortliche aus dem In- und Ausland, die sich in Köln über Strategien und Lösungen für das Personalmanagement informieren. Bekannt ist die Messe insbesondere für ihr umfangreiches Vortragsprogramm. Das Themenspektrum reicht von Recruiting und Retention über Leadership-, Weiterbildungs-, Arbeitsrechts- und Softwarefragen bis hin zur Zukunft der Arbeitswelt.

Weitere Informationen zu Europas größter Messe für Personalmanagement sind unter www.zukunft-personal.de erhältlich.

Über spring Messe Management GmbH
spring Messe Management veranstaltet Fachmessen für Personalmanagement, Professional Learning, Corporate Health, Job and Career und den Public Sector. Langjährige Messe-Erfahrung, thematische Expertise und nachhaltige Kundenorientierung machen die Veranstaltungen von spring zu etablierten Branchenplattformen. spring-Fachmessen sind Seismographen für neue Produkte, Ideen und Managemententwicklungen. Das Tochterunternehmen der Deutschen Messe AG ist in vier Ländern vertreten: Deutschland, Österreich, Ungarn und Russland.

Pressekontakt:

Stefanie Hornung
Pressesprecherin „Zukunft Personal“
Tel. +49 621 70019-205
E-Mail: s.hornung@messe.org

spring Messe Management GmbH
Güterhallenstraße 18a
68159 Mannheim
Internet: www.zukunft-personal.de

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