Neues Tool für den Werkzeugkasten des Recruiters

Martin Gaedt
Martin Gaedt

Fachkräftemangel ist Einstellungssache. Der Mythos ebenfalls.

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

Martin Gaedt ist ein Mann der klaren Worte. Auch wenn er mit seiner Meinung gegen den Mainstream schwimmt. Das bewies er einmal mehr bei einer Autorenlesung in Frankfurt am Main, die im Rahmen der Veranstaltung „Recruiting Afterwork“ stattfand. Mythos Fachkräftemangel – das hallt wie ein Weckruf durch die Medien und die Bürostuben der Recruiter des Landes. Was es mit diesem Mythos auf sich hat und was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft – das sind Gaedts Herzensthemen.

Es sind die Auswahlverfahren, die dazu führen, dass ideale Mitarbeiter und ideale Unternehmen nicht zusammenfinden.

Kommen unbequeme Querdenker und kreative Changemaker überhaupt durch das Bewerbungsverfahren der Unternehmen? Eine heiße Spur liefert ein Experiment in der Personalabteilung bei IBM. Nachdem IBM Lotus Notes übernommen hatte, stellten die IBM-Verantwortlichen nach einiger Zeit enttäuscht fest: Lotus Notes, vor der Übernahme so ein kreativer Schuppen, wirkte inzwischen eher wie eine Behörde. Wo war der Erfindergeist geblieben? Ein Mann kam auf die Idee, einen Test zu starten: Was wäre, wenn sich die 16 Gründer von Lotus Notes bei IBM bewerben würden? Für alle 16 Gründer wurden aktuelle Bewerbungen geschrieben, die genau deren Lebensläufe und Fähigkeiten entsprachen. Zur Tarnung wurden die Namen geändert und das Alter angepasst. Diese fingierten Bewerbungen wurden unter die echten Bewerbungen an Lotus / IBM gemischt. Das Ergebnis war ernüchternd: Kein einziger der kreativen Gründer kam auch nur ins erste Vorstellungsgespräch, geschweige denn in die engere Wahl. IBM erkannte, dass ihr standardisiertes Bewerbungsverfahren ganz andere Fähigkeiten würdigte als jene, die Lotus Notes groß gemacht hatten. Das Auswahlverfahren bevorzugte Bewahrer- und Verwalter-Typen. ( Aus Gaedt: Mythos Fachkräftemangel)

 

Recruiting After Work mit Ina Ferber und Martin Gaedt
Recruiting After Work mit Ina Ferber und Martin Gaedt

Die erste Veranstaltung in der von Ina Ferber konzipierten „Recruing Afterwork“ setzte gleich die Zeichen: das Ambiente des Veranstaltungsorts bei der Werbeagentur DIE BRÜCKE in der Finkenhofstrasse in Frankfurts Nordend, ein Zeitrahmen, den Recruiter bequem in ihrer Work-Life-Balance und zwischen dem letzten Jobinterview im Büro und dem Abendessen im Familienkreis unterbringen können und natürlich dem Referenten Martin Gaedt, der ein brisantes Thema eindrucksvoll illustrierte.

„Hau bloß ab! Wir brauchen dich hier nicht.“

Klingt hart? Aber genau so fühlen sich die üblichen Absagen für Bewerber an.

Mit jeder Absage zerstürt der Personaler das teuer bezahlte Arbeitgeber-Image. Sagen Sie doch stattdessen: „Wir kümmern uns um unsere Bewerber, sogar nach einer Absage“. Das kommt bei Bewerbern gut an.

Seid nicht dumm, lasst Bewerber nie wieder gehen! Haltet Sie fest. Nutzt ihre Bewerbung, um ihnen ein unschlagbares Angebot zu machen. Drei von sieben emfpohlenen Bewerbern werden als neue Mitarbeiter eingestellt.

 

Martin Gaedt: Mythos Fachkräftemangel
Martin Gaedt: Mythos Fachkräftemangel

 

Basierend auf diesen Empfehlungen präsentierte Gaedt auch das neuartige Tool für altmodische Recruiter: Die Bewerbungstonne. Und dieser Grundgedanke zog sich wie ein roter Faden durch die Autorenlesung und die anschließende Diskussion. Haben wir in Deutschland wirklich keinen Fachkräftemangel? Wird er nur von den Medien, Berufsverbänden, Gewerkschaftsvertretern und Politik herbei geredet? Was tun wir konkret dagegen – außer Jammern?

Die Bewerbertonne
Die Bewerbertonne

 

Pflichtlektüre für Personaler, Politiker und Verbandsfunktionäre: Mythos Fachkräftemangel. Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewaltig schiefläuft. Das Sachbuch von Martin Gaedt erschienen im Wiley-VCH Verlag. ISBN: 978-3527507696.

Was im Bücherregal des Personalers nicht fehlen darf
Was im Bücherregal des Personalers nicht fehlen darf.

 Weiterführende Links

Martin Gaedt, Geschäftsführer Younect GmbH

Wiley-VCH Verlag

Ferber Personalberatung

Werbeagentur DIE BRÜCKE

 

 

 

1 Kommentar zu „Neues Tool für den Werkzeugkasten des Recruiters“

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