Übernahme der Jobsuchmaschine Jobrapido durch Symphony Technology

Vito Lomele
Vito Lomele

Lokale Präsenz lässt sich durch globale Technologie nicht ersetzen

von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

Das Rad der Übernahmen und Akquisitionen dreht sich weiter. Jetzt wird gemeldet, dass es bei der Jobsuchmaschine Jobrapido einen Eigentümerwechsel gibt. Jobrapido wurde 2006 von Vito Lomele in Mailand gegründet. Der bisherige Besitzer, die Daily Mail Group bzw. deren Division Digital Recruitment Business, auch als Evenbase bekannt, trennt sich von ihrem Jobaggregator. Neuer Eigentümer ist die Symphony Technology Group (STG), eine Private Equity Firma, die sich auf Software, Internet Services und Technologie-basierten Dienstleistungen spezialisiert. STG wurde 2002 gegründet und erzielt mit seinem Portfolio an Private-Equity-Investements einen Gesamtumsatz von US-$ 2 Milliarden mit mehr als 14.000 Mitarbeitern.

Wie immer bei solchen Gelegenheiten verlautbart wird, freuen sich alle Beteiligten:

“Jobrapido has built a global job search engine with phenomenal scale and reach, with more than 1.1 billion visits from over 100 million job seekers annually,” said STG Managing Director William Chisholm. “Our plan is to continue to enhance the global scale and quality of the Jobrapido platform to build longer lasting relationships across the entire recruitment value chain.”

“Symphony Technology Group is the ideal match for our business,” said Jobrapido CEO Edoardo Bounous. “Symphony brings fresh ideas, game changing innovation, operational excellence and a wealth of experience across multiple industries, which will allow us to serve our clients better than ever before.”

Auf internationaler Ebene sieht sich Jobrapido einem verschärften Wettbewerb durch den Jobsuchmaschinen-Giganten Indeed.com aus Austin (Texas) ausgesetzt. Indeed.com selbst wurde im September 2012 durch die japanische Recruit Co. Ltd. übernommen. Nach eigenen Aussagen sei Indeed.com die Nummer 1 der Jobsuchmaschinen weltweit. Im Vergleich mit Jobrapido (über 100 Million Jobsucher pro Jahr) erzielte Indeed.com ein Reichweitenwachstum von 40%, auf Monatsbasis wurde die Marke von 140 Millionen Unique Visitors überschritten.

In Deutschland ist Jobrapido zwar schon seit vielen Jahren vertreten, doch ohne Vertriebspräsenz in Deutschland hat die in Mailand ansässige Jobsuchmaschine einen schweren Stand gegen die lokalen Platzhirsche. Diese verfügen allesamt über mehr Jobanzeigen in ihren Datenbanken und erreichen auch eine höhere Reichweite unter ihren Nutzern.

Offensichtlich wird dies auch im Qualitätswettbewerb der Jobsuchmaschinen in Deutschland. Wie CrossPro-Research.com, Betreiber der Online-Umfrage über die Kundenzufriedenheit der Jobportalnutzer feststellte, ergibt sich ein aktuelles Zufriedenheitsranking (Stand 14.4.2014) auf einer Skala von 7=sehr gut bis 1=überhaupt nicht gut wie folgt:

  • Kimeta
    Durchschnittliche Nutzerzufriedenheit von 5,25 (1.116 Bewertungen)
  • ICjobs
    Durchschnittliche Nutzerzufriedenheit von 5,22 (467 Bewertungen)
  • Indeed.de
    Durchschnittliche Nutzerzufriedenheit von 5,19 (79 Bewertungen)
  • Jobrapido.de
    Durchschnittliche Nutzerzufriedenheit von 4,87 (276 Bewertungen)

Die Wettbewerbsintensität auf dem deutschen Jobsuchmaschinenmarkt ist hoch, wie die jüngsten Entwicklungen um die Jobsuchmaschine jobanova.de zeigen. Einst als Start-up durch den Computer-Linguistik-Professor Franz Günthner (TU München) gegründet, hatte Jobanova zu Beginn durchaus einen Technologie-Vorsprung, wie Günthner in seinem Interview mit der Computerwoche (http://www.computerwoche.de/a/jobsuchmaschinen-sind-technisch-eine-katastrophe,589386) ausführte. Doch was im Automobilbau insbesondere bei Audi („Vorsprung durch Technik“) gilt, lässt sich nicht so weiteres auf Jobsuchmaschinen übertragen. Mittlerweile ist die semantische Suche als Basis-Technologie im Recruiting weit entwickelt. Entscheidend sind jedoch der Bekanntheitsgrad der Jobsuchmaschinen bei Kandidaten und Arbeitgebern, verbunden mit einer hohen Reichweite und einem grossen Angebot an Jobinseraten – soll das fragile Geschäftsmodell Erfolg haben.

Auch Stepstone erkannte die hochentwickelte Technologie von Jobanova an und übernahm die Jobsuchmaschine kurzerhand. Mit einem Relaunch unter der Stepstone-Flagge sollte das Portal vor Jahresfrist neu lanciert werden (Jobanova mit neuem Auftritt: Mehr Jobs, mehr Technologie, mehr Services), Wie Insider, die mit dem Vorgang gut vertraut sind berichteten, verzichtete Stepstone allerdings darauf, den eigentlichen Technologiekern der Jobsuchmaschine mit seinen hochentwickelten Algorhitmen ebenfalls zu übernehmen.

Die Erfolge am Markt blieben aus, mittlerweile führt der Webauftritt von Jobanova auf die Jobbörsen Arbeiten.de, ebenfalls aus dem Hause Stepstone / Axel-Springer-Verlag.

Es bleibt abzuwarten, ob eine Übernahme durch einen Private-Equity-Investor für Jobrapido den großen Durchbruch im wettbewerbsintensiven Jobbörsen-Markt in Deutschland bringt. Lokale Präsenz – das haben u.a. Kimeta, iCjobs oder Indeed.de bewiesen – schaffen immer noch das Vertrauen der lokal ansässigen Kunden und Nutzer.

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