Werd‘ doch Gärtner: Was bei der Berufsorientierung im Job-Supermarkt alles schief läuft

Möchten Sie gerne im Freien arbeiten? Dann werden Sie doch Gärtner!

Viele junge Menschen, die im Rahmen der Beruforientierung z.B. ins BIZ gehen, bekommen genau diese Empfehlung. Das hat nichts mit kompetenter Beratung zu tun, sondern mit Algorithmen. Ja doch, Gärtner arbeiten im Freien. Doch ist das der einzige infrage kommende Beruf?

Martin Gaedt: Mythos Fachkräftemangel.
Martin Gaedt: Mythos Fachkräftemangel.

Oft sind es die Berater, die nachsitzen sollten.

In einem der vielen Berufsinformationszentren der Agentur für Arbeit beobachtete ich eine Schulklasse, die wie eine Schafherde durch das Standard-Programm geführt wurde. Kurze Ansprache, Video anschauen, an den Computern surfen. Dazu ein Eignungstest, der zeigen sollte, ob die Zukunft eher in einer Ausbildung zum Einzelhandelskaufmann oder zum Mechatroniker liegt.

 

Was die Schüler genauso wunderte wie mich: Viele wurde der Beruf des Gärtners nahegelegt, obwohl der nicht mal zu den Top-10 der Ausbildungen gehört. Meine Nachfragen ergaben, dass kein einziger von diesen Schülern das jemals im Sinn gehabt hatt und es sich auch nicht vorstellen konnte. Gärtner? Wieso das denn? Was hab ich mit Pflanzen zu schaffen! Seit 10 Jahren habe ich viele Menschen gefragt, welchen Vorschlag sie im BIZ bekamen. Platz 1 aller Nennungen, der Gärtner.

 

Warum also spuckte der Computer gerade diese sehr spezielle Empfehlung zum Gärtner aus? Ganz einfach: Der Algorithmus des Programms war so geschaltet, dass immer Gärtner kam, sobald die Frage „Möchten Sie gerne im Freien arbeiten?“ bejaht wurde.

 

Noch heute bekommen Schüler Berufe meistens in alphabethischen Listen präsentiert. Alle 345 Berufe sortiert von A bis Z. Nicht nur im BiZ. Das ist so sinnvoll, als würde ein Supermarkt seine Waren nach dem Alphabet sortiert in die Regale stellen. A bis Z: „Den Joghurt von Alpenmilch finden Sie, liebe Kunden, gleich hinter dem Eingang. Direkt am Ausgang finden Sie das Konkurrenzprodukt von Z wie Zott“.

Quelle – Mythos Fachkräftemangel: Was auf Deutschlands Arbeitsmarkt gewältig schiefläuft. Das Sachbuch von Martin Gaedt erschienen im Wiley-VCH Verlag. ISBN: 978-3527507696

 

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