Lampenfieber im Vorstellungsgespräch: 5 Ursachen und 5 praktische Lösungen

Wladislaw Jachtchenko
Wladislaw Jachtchenko

Von Bewerbungs-Trainer Wladislaw Jachtchenko

Kein Zweifel: Fast jeder Bewerber ist bei einem Vorstellungsgespräch nervös. Und bei vielen geht das Lampenfieber leider so weit, dass es einen unsicher wirken lässt und damit die Chancen auf die Stelle drastisch reduziert.

In diesem Artikel geht es um die 5 häufigsten Ursachen für Lampenfieber beim Vorstellungsgespräch – und um 5 praktische Lösungen. Wladislaw Jachtchenko von der Argumentorik-Akademie zeigt Ihnen, wie man das Lampenfieber systematisch reduzieren kann.

Lampenfieber-Ursache #1: „Bin ich gut genug?“

Viele Bewerber fragen sich, ob sie nicht zu schlecht für die Stelle sind. Doch Moment: Wenn der Bewerber zum Vorstellungsgespräch eingeladen ist, dann heißt das doch, dass es zumindest von den formalen Qualifikationen her dem Arbeitgeber passt. Denn im Lebenslauf konnte sich der Arbeitgeber bereits ein ausführliches Bild von der Qualifikation (v.a. Bildungsweg und Berufserfahrung) machen. Wäre der Lebenslauf nicht ausreichend, würde man den Bewerber ja gar nicht erst einladen.

Mit anderen Worten: Eine Einladung bedeutet im Regelfall: Der Bewerber ist fachlich gut genug. Jetzt geht es meistens nur darum, ob es menschlich und zum Team passt. Natürlich ist auch das eine Hürde. Doch das Lampenfieber sinkt schon mal um ein paar Prozent, wenn man sich dieses vergegenwärtigt: „Ich habe einen sehr guten Eindruck gemacht. Sonst hätten die mich ja nicht eingeladen!“ Doch das ist natürlich nur der erste Schritt Richtung weniger Lampenfieber…

 

Lampenfieber-Ursache #2: „Wie soll ich mich selbst vorstellen?“

Fast in jedem Bewerbungsgespräch sagt der Arbeitgeber/Personaler relativ am Anfang: „Erzählen Sie etwas über sich!“ Und den meisten Bewerbern graut es vor dieser Aufforderung. Wie soll man sich bloß vorstellen? Wie lange? Soll ich mich loben? Wo soll ich anfangen?

Alles relevante Fragen, die einen erst einmal nervös machen. Die Lösung? Zu Hause die Selbstpräsentation üben. Das heißt: Vor dem Spiegel (oder noch besser: vor Kamera) sich selber 3min vorstellen. Wo man dabei anfängt und ob es am Ende 6min werden ist gar nicht so wichtig. Wichtig ist eine flüssige Redeweise, guter Blickkontakt und gute (aktive) Gestik.

Der große Trick ist es nun, diese Selbstpräsentation nicht nur einmal zu üben, sondern 10 Mal. Wenn nötig sogar 30 Mal. Einfach so häufig, bis alles so sitzt, wie Sie sich das wünschen. Diesen Aufwand machen sich nicht alle Bewerber. Doch mit einer guten Selbstpräsentation können Sie gleich viele Punkte sammeln – und fühlen sich gleich am Anfang des Gesprächs souverän und gut vorbereitet.

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Lampenfieber-Ursache #3: „Was für Fragen werden kommen?“

Nach der Selbstpräsentation kommen die vielen und häufig auch schwierigen Bewerbungsfragen. Und der Bewerber ist nervös: Was werde ich bloß gefragt? Und wie kann ich darauf was Gutes antworten? Und das auch noch spontan?!

Der große Trick hier ist, dass man sich die klassischen Bewerbungsfragen vorher anschaut und sich bereits im Vorfeld die Antworten darauf überlegt. Einfach mal bei Google eintippen: „Häufige Bewerbungsfragen“. Wenn man sich die ersten 10 relevanten Treffer anschaut, stellt man schnell fest, dass es so ziemlich die gleichen 20-30 Fragen sind, die immer wieder gestellt werden.

Diese einfach rausschreiben – und sich für jede Frage 5min Zeit nehmen. Das macht dann bei 30 Fragen einen Aufwand von 2,5 Stunden. Doch das Schöne ist: Man fühlt sich dann viel sicherer.

Und natürlich kann es immer noch sein, dass eine oder zwei Fragen drankommen, die man nicht vorbereitet hat. Doch wenn man 90% der Fragen gut beantworten kann (die haben Sie ja vorbereitet), macht man insgesamt doch einen sehr guten Eindruck. Und das Lampenfieber wird noch um ein paar Prozentpunkte weniger.

 

Lampenfieber-Ursache #4: „Muss ich alles ehrlich beantworten?“

Viele sind sich auch unsicher: Wo darf ich die Realität etwas schminken? Wo darf ich was verheimlichen? Muss ich was über mein Privatleben erzählen?

Und hier reduziert sich das Lampenfieber, wenn man schlicht die Antworten auf diese Fragen weiß. Erstens: Fragen zum Privatleben sind grundsätzlich „unzulässige Fragen“. Auf die muss man nicht antworten – und man darf hier sogar die Unwahrheit sagen.

Zweitens: Alles, was berufs- und ausbildungsbezogen ist, muss wahrheitsgemäß beantwortet werden. Ansonsten riskiert man eine Anfechtung des Arbeitsvertrages.

Drittens: Wahrheitsgemäß bedeutet aber nicht unbedingt, dass man Dinge negativ darstellen muss. Natürlich soll man immer die positiven Aspekte herausstellen. Kurzes Beispiel: Eine Lebenslauflücke von 4 Monaten. Vielleicht haben Sie gerade da Ihre Englischkenntnisse privat aufpoliert? Oder sich intensiv mit Ihren Zukunftsplänen beschäftigt und zu einem wichtigen Schluss gekommen? Nur so als Ideen…

 

Lampenfieber-Ursache #5: „Was ist, wenn ich nicht genommen werde?“

Und zum Schluss noch ein Klassiker: Viele Menschen sind auch deshalb nervös, weil sie Angst vor einer Absage haben. Was tun?

Der beste Weg gegen diese Angst ist es, gute Alternativen zu haben, sodass man auf diese eine Stelle nicht angewiesen ist. Das bedeutet: Sie suchen sich bereits im Vorfeld 5 oder 10 gute Unternehmen für sich heraus und denken sich: „Wenn es bei diesem nicht klappt, dann halt beim nächsten!“

Denn wenn Sie nur ein Unternehmen haben, dann ist der Druck natürlich viel größer. Und noch ein Tipp: Bewerben Sie sich nicht gleich beim Lieblingsunternehmen, sondern „üben“ Sie das Vorstellungsgespräch bei 2-3 Unternehmen, die nicht Ihre erste Wahl sind. Dort sind Sie dann automatisch entspannter und bekommen eine Routine, wie so ein Bewerbungsgespräch heute so abläuft.

Und wenn Sie alle 5 Tipps beherzigen, dann wird Ihr Lampenfieber im Vorstellungsgespräch spürbar reduziert sein. Garantiert!

 

Schlusswort

Wer mehr über das Thema „Sich professionell Bewerben“ wissen möchte, dem sei mein Online-Bewerbungs-Training empfohlen. Dort bekommt man noch mehr praktische (und auch rhetorische) Tipps rund um das Vorstellungsgespräch. Hier der Link: http://www.argumentorik.com/de/bewerbung-online-kurs.html

Über den Autor:

Wladislaw Jachtchenko ist Bewerbungs- und Rhetorik-Trainer & Speaker. Er ist seit 2007 Leiter der Argumentorik-Akademie in München. Er ist Experte rund um die Themen professionelle Rhetorik und überzeugende Argumentation. Mehr Infos finden Sie auf www.argumentorik.com

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