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Gen X, Y, Z: Das Ende des Schubladendenkens

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide.

Der Filterblasen-Hype um Gen X, Y oder Z geht nahezu ungebremst weiter. Es ist ein viel zu bequemes Gedankenmodell, Bewerber einfach nach ihrer Altersgruppe einzuteilen und daraus allerlei wohlfeiles Verhalten und Anspruchsdenken abzuleiten. Ganz selten – wenn überhaupt – machen sich die Protagonisten der Gen-Szene Gedanken, wie Beschäftigte der unterschiedlichen Generation in Betrieben zusammenarbeiten. Im Handwerk gibt es wenigstens die klassische Einteilung in Lehrling, Geselle und Meister – in der modernen Arbeitswelt ignorierte man mit Erfolg die Auswirkungen, wenn Vertreter der jeweiligen Generationen im Mix mit anderen, älteren Generationen zusammen arbeiten müssen. Es sei denn, eine Team-Einteilung in Praktikanten und Experten genügt den Ansprüchen.

 

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Hingegen blieben die Forschungsmodelle von Jane Loevinger lange Zeit im inneren Zirkel der akademischen Welt eingebunden. Dr. Jane Loevinger Weissman war emeritierte Hochschulprofessorin an der Washington University in St. Louis, Kansas (USA) und fokussierte ihre Forschungsarbeiten auf die verschiedenen Stufen der Ich-Wentwicklung.

Im Recruiting und der Eignungsdiagnostik versprechen die unterschiedlichen Stufen der Ich-Entwicklung wesentlich bessere Erkenntnisse als das plumpe Schubladendenken in den Kategorien der Gen X, Y, Z.

Loevingers Entwicklungsstufen

Tendenziell verschiebt sich die durchschnittliche Stufe der Ich-Entwicklung der Menschen zusammen mit deren Grad an Bewusstsein in den letzten Jahrhunderten mehr und mehr nach oben.

Entwicklungsstufe Hauptcharakteristika
E 3 Selbstorientierte Stufe Eigener Vorteil steht im Vordergrund, andere Menschen werden als Mittel zu eigener Bedürfnisbefriedigung gesehen, weniger als Wert an sich, opportunistisches Verhalten anderen gegenüber. Eher kurzer Zeithorizont, Focus liegt zumeist auf konkreten Dingen (weniger abstrakten Aspekten), Feedback wird meist zurückgewiesen, stark stereotypes Handeln, Auge-um-Auge-Mentalität, überwiegend externale Schuldzuweisungen.
E 4 Gemeinschafts-
bestimmte Stufe
Denken und Handeln sind vor allem an Regeln und Normen der relevanten Bezugsgruppen ausgerichtet, die eigene Identität wird durch diese definiert, Zugehörigkeit und Unterordnung unter deren Sichtweisen sind vorherrschend. Gesichtswahrung ist zentral, starke Schuldgefühle, wenn Erwartungen anderer verletzt werden, Konflikte werden vermieden, Kontakte sind eher oberflächlich, es wird vorwiegend in Entweder-oder-Kategorien gedacht.
E 5 Rationalistische Stufe Orientierung an klaren Standards, sehr rationales Denken und kausale Erklärungen herrschen vor. Motivation, sich abzuheben von anderen. Feste Vorstellungen, wie Dinge sind und laufen sollen. Beginnende Selbst-Wahrnehmung, Selbstkritik und Sehen verschiedener Perspektiven sowie Suche nach Motiven für Verhalten, eher enges fachliches Denken und Betonung von Effizienz statt Effektivität.
E 6 Eigenbestimmte Stufe Voll entwickelte und selbst definierte (eigene) Werte, Vorstellungen und Ziele (ausgebildete Identität). Starke Zielorientierung und Selbstoptimierung.Komplexität von Situationen wird akzeptiert, reiches Innenleben, Gegenseitigkeit in Beziehungen, Respekt vor individuellen Unterschieden (eigener Schatten der Subjektivität wird häufig nicht gesehen).
E 7 Relativierende Stufe Beginnendes Bewusstsein darüber, wie die eigene Wahrnehmung die Sicht auf die Welt prägt, stärkeres Hinterfragen der eigenen Sichtweisen (und der von anderen Menschen). Relativistische Weltsicht. Größere Bewusstheit gegenüber inneren/äußeren Konflikten und Paradoxien (ohne diese integrieren zu können), sehr individuelle/persönliche Art.
E 8 Systemische Stufe Voll ausgebildete Multiperspektivität, gleichzeitige Prozess- und Zielorientierung, systemisches Erfassen von Beziehungen (Zirkularität). Fähigkeit, sich widersprechende Aspekte und Meinungen zu integrieren. Hohe Motivation, sich selbst weiterzuentwickeln.Offene, kreative Auseinandersetzung mit Konflikten, hohe Toleranz für Mehrdeutigkeit. Hoher Respekt vor Autonomie anderer Personen und Aussöhnung mit eigenen als negativ erlebten Anteilen.
E 9 Integrierte Stufe An kein explizites System (Werte, Einstellungen, Praktiken etc.) mehr gebunden, Erfahrungen werden laufend neu eingeordnet und in andere Zusammenhänge gestellt („reframing mind“). In hohem Maße selbstaktualisierend. Kann Paradoxien integrieren, hohe Bewusstheit gegenüber eigenem Aufmerksamkeitsfokus, besonderes Gespür für Symbolik.
E 10 Fließende Stufe Bedürfnis, Dinge und Personen zu bewerten, wird aufgegeben. Verschmelzen mit der Welt, kein weiteres Festhalten, sondern sich auf den Fluss der Dinge einlassen.Spielerische Abwechslung zwischen Ernst und Trivialem, Ineinanderübergehen unterschiedlicher Bewusstseinszustände, Denken in Zeitzyklen und historischen Dimensionen, volles Akzeptieren von Andersartigkeiten und Menschen, wie sie sind.

(Quelle: Wikipedia)

Herausforderungen 

Die Herausforderungen im Recruiting bestehen demzufolge in der Analyse des Bewerberlebenslaufs und im Jobinterview um herauszufinden, in welcher Entwicklungsstufe sich ein Kandidat befindet – und ob unter dem Gesichtspunkt der Teamarbeit – diese Ausprägungen passen. Aus Cultural Fit wird so Development Fit – und der Mix im Team muss passen.

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