Indeed-Arbeitsmarktkommentar September 2019: Anteil der Helfer*innen treibt Arbeitslosenquote hoch

  • Konjunkturelle Abschwächung ist mittlerweile auf dem Arbeitsmarkt zu spüren
  • Helfer*innen sind überdurchschnittlich häufig arbeitslos – besser qualifizierte Personen hingegen unterdurchschnittlich
  • Zugänge bei den Arbeitslosen stammen vor allem aus dem verarbeitendem Gewerbe

Der Handelskrieg zwischen den USA und China, der Brexit, politische Spannungen in Hongkong – die exportorientierte deutsche Wirtschaft muss derzeit einige globale Unwägbarkeiten hinnehmen, die nicht spurlos an ihr vorübergehen. Das zeigen aktuelle Zahlen des Statistischen Bundesamtes zur Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal 2019. In einigen Tagen werden wieder die neuen Arbeitsmarktzahlen der  Bundesagentur für Arbeit veröffentlicht. Wir wollen bereits jetzt einen Blick darauf werfen, wie der deutsche Arbeitsmarkt sich in den letzten Monaten entwickelt hat.

„Unterm Strich hält sich der deutsche Arbeitsmarkt bisher gut“, kommentiert Dr. Annina Hering, Economist bei Indeed. „Die allgemein niedrige Arbeitslosenquote täuscht aber darüber hinweg, dass es große Unterschiede gibt – abhängig von der Branche, dem Beruf, dem Qualifikationsniveau und auch der Region. So sind typischerweise Branchen wie die öffentliche Verwaltung, das Gesundheitswesen sowie Erziehung und Unterricht nicht so stark von konjunkturellen Schwankungen betroffen, andere Bereiche hingegen stärker.“

 

Ins Gewicht fällt vor allem die Qualifikation der Menschen. Die Bundesagentur für Arbeit bezeichnet dies als Anforderungsniveau und nutzt hierfür die offiziellen Kategorien Helfer, Fachkraft, Spezialist und Experte. Die Arbeitslosenquote für Helfer*innen ist in Ostdeutschland mit 20 % sehr hoch. Zwischen Fachkräften, Spezialist*innen und Expert*innen gibt es hingegen kaum noch einen Unterschied bei der Arbeitslosenquote. „Trotz der allgemein positiven wirtschaftlichen Entwicklung im Jahr 2018, treibt besonders die hohe Quote bei den Helfer*innen die Arbeitslosenquote nach oben“, so Hering. „Besser qualifizierte Erwerbspersonen im Jahr 2018 waren hingegen unterdurchschnittlich häufig arbeitslos. In Zeiten des Fachkräftemangels ist dies nicht verwunderlich.“ Der Unterschied zwischen West- und Ostdeutschland ist am deutlichsten auf dem niedrigsten Qualifikationsniveau (Helfer*innen) wahrnehmbar. „Die Arbeitslosenquote von Spezialist*innen und Expert*innen ist in Ostdeutschland zwar höher als in Westdeutschland, aber verhältnismäßig viel weniger durch den Standort beeinflusst als bei Helfer*innen. Das ist eindeutig auf den wirtschaftlich schwächer aufgestellten Osten zurückzuführen“, kommentiert Dr. Hering.

 

Insgesamt ist die Arbeitslosigkeit im Jahr 2019 bisher unabhängig von der Qualifikation weiter gesunken. Allerdings lässt sich seit April der Trend beobachten, dass die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vorjahr immer schwächer sinkt. Bei Expert*innen hat sich im Vergleich zum Vorjahr in den letzten Monaten sogar ein leichter Anstieg der Arbeitslosigkeit gezeigt.

Die Zugänge bei der Arbeitslosigkeit stammen dabei vor allem aus dem verarbeitenden Gewerbe, zu dem die Automobilhersteller mit allen Zulieferern zählen. Die Plätze zwei und drei Belegen Verkehr und Lagerei sowie Information und Kommunikation. Umgekehrt verzeichnen die öffentliche Verwaltung und auch der Bereich Erziehung und Unterricht einen Rückgang an neuer Arbeitslosigkeit.

Anmerkung

Als Helfer*innen gelten Menschen ohne formalen Bildungsabschluss oder nur mit einer einjährigen Berufsausbildung, während Fachkräfte über eine mindestens zwei- bis dreijährige Ausbildung verfügen. Spezialist*innen haben sich fortgebildet, z.B. durch einen Bachelorabschluss, Meister- oder Technikerabschluss, und übernehmen Planungs- und Führungsaufgaben. Unter Expert*innen versteht die Bundesagentur für Arbeit Menschen mit einer mindestens vierjährigen Hochschulausbildung, die hoch komplexe Tätigkeiten übernehmen.

 

Über Indeed

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