Echte Diversity einfordern

„Die Gleichheit ist eine sehr natürliche Sache, aber dabei doch das größte Hirngespinst.“  Der große französische Aufklärer Voltaire brachte das Dilemma der Gleichheit vor einigen hundert Jahren bereits unnachahmlich auf den Punkt. Aber ist es wirklich so ausweglos? Auf HR angewendet würde man weniger von Gleichheit als viel mehr von Diversity sprechen – als Gegenbegriff zu Diskriminierung, was die Dimension des Begriffes deutlich über die der Gleichheit hinaus hieft. Um genau jene Diversität – also um die Vielfalt in der Arbeitswelt macht sich derzeit truffls aus Berlin verdient. Mit einer kreativen Social Media Kampagne lässt das Startup derzeit aufhorchen. Truffls Mitgründer Matthes Dohmeyer im Gespräch zur Kampagne seines Unternehmens:

Matthes Dohmeyer, Truffls,
Matthes Dohmeyer

Crosswater: Ihr habt eine Kampagne zum Thema Diversity aufgesetzt. Wie funktioniert diese?

Matthes Dohmeyer: Im Grunde genommen ganz einfach: Alle, die ihre Stimme zu dem Thema erheben möchten, machen ein Foto von sich mit ihrer Faust vor dem Gesicht und schreiben auf diese, wofür sie nicht diskriminiert werden möchten beziehungsweise welcher Teil von Ihnen egal sein muss. Unter dem Hashtag #mussegalsein wollen wir auf allen bekannten Social Media Kanälen so viel Aufmerksamkeit wie möglich für dieses wichtige Thema erzeugen.

Crosswater: Wie waren die ersten Rückmeldungen aus der HR-Szene?

Matthes Dohmeyer: Die Kampagne war schon vor ihrem Start ein voller Erfolg für uns. Wir haben im Vorhinein schon einige Unternehmen darauf angesprochen und viele haben etwas geantwortet wie “ihr sprecht mir aus dem Herzen” oder “natürlich bin ich dabei, endlich bringt es mal jemand auf den Punkt”. Fast alle wichtigen Gesichter aus der HR-Szene haben ohne zu zögern zugesagt, an dieser wichtigen Aktion teilzuehmen und so ein Zeichen setzen. Natürlich hoffe ich auf die größtmögliche Aufmerksamkeit, denn auch wenn eigentlich Einigkeit herrscht, benötigt es aus meiner Sicht zu diesem Thema ein lautes Statement von vielen.

Crosswater: Wie wurde die Kampagne von Kandidaten aufgenommen?

Matthes Dohmeyer: Außerordentlich positiv. Es schreiben uns bei Instagram und Co. viele Menschen zum Thema Diskriminierung am Arbeitsplatz. Wir erhalten auch eine Menge motivierende und dankbare Nachrichten. Wir merken einfach, dass das ein sehr wichtiges Thema ist, bei dem jede*r persönliche Erfahrungen gemacht hat.

Crosswater: Wieso braucht es aus Eurer Sicht eine Kampagne zum Thema Diversity?

Matthes Dohmeyer: Bis vor wenigen Monaten wurden Bewerber*innen, die über truffls kamen, für Recruiter*innen anonymisiert dargestellt – das heißt: ohne Bild und Namen, nur mit den Qualifikationen. Erst nach der Freischaltung wurden Bild und Name sichtbar. Mit dieser Anonymisierung haben wir eigentlich einen Produkt-Workaround geschaffen für etwas, das die Gesellschaft noch nicht lebt, denn wenn hier nicht in erster Instanz diskriminiert wurde, dann eben in zweiter. Deshalb haben wir uns dazu entschlossen, die Anonymisierung abzuschaffen und es uns zur Aufgabe zu machen, Unternehmen zu zeigen, dass echte, gelebte Diversity nicht nur ein nettes Employer Branding Produkt ist, sondern zwingend notwendig – und viele positive Eigenschaften für die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens mit sich bringt. Ein lautes, eindeutiges Statement für Vielfalt und Toleranz als Job App zu setzen, ist aus unserer Sicht ein eindeutiges Zeichen an alle Unternehmen, die mit truffls nach Talenten suchen – und außerdem ein motivierendes Zeichen an alle Talente! Nur gemeinsam können wir eine bessere (Arbeits-)Welt erschaffen.

Crosswater: Truffls richtet sich in erster Linie an eine jüngere Zielgruppe. Ist aus Eurer Sicht das Bewusstsein für Chancengleichheit im Beruf dort weniger oder mehr ausgeprägt als in berufserfahreneren Zielgruppen?

Matthes Dohmeyer: Diese Frage kann ich so gar nicht beantworten. In dieser Kampagne geht es ja um jedes Individuum, von daher können wir zwar sagen, dass wir uns prinzipiell an (Young) Professionals richten, allerdings lässt sich aus meiner Sicht eine pauschale Antwort auf die Frage nach dem Bewusstsein nicht fällen. Es ist aber auf jeden Fall eine Tatsache, dass die Aufmerksamkeit für dieses Thema verstärkt besteht und auch in der Arbeitswelt immer mehr offen diskutiert wird – und das ist gut so.

Crosswater: Diversity und Inclusion nehmen vor allem im Zusammenhang mit der viel diskutierten New Work einen immer größeren Raum ein. Welche Chancen für eine zukunftsfähigere Arbeitswelt verbindet Ihr mit diesen beiden Themen?

Matthes Dohmeyer: Diversity und Inclusion sind nicht nur aus moralischer Sicht Pflicht, sondern bieten tatsächlich einige Vorteile – sowohl aus Unternehmer- als auch aus Talentesicht. In Unternehmen mit diverser Belegschaft erhöht sich die Motivation und
Arbeitszufriedenheit. Es gibt mehr Toleranz sowie Offenheit für Ideen. Das führt zu mehr Flexibilität. So gibt es mehr Kreativität, Meinungen und Perspektiven und es kommt zu keinem Gruppendenken. Dadurch kann eine diverse Kundschaft erreicht werden. Ich denke, an all diesen Gründen kann man bereits erkennen, dass Vielfalt nicht nur eine Chance für Unternehmen ist, sondern einer der wichtigsten Faktoren, um in der Zukunft zu bestehen. Um das Thema ganzheitlich zu denken – genau wie bei New Work – gilt es, schon im Recruitingprozess mit diesen Werten zu beginnen und dann durch die ganze Organisation hindurch zu leben. Wir nennen das New Recruiting und es ist praktisch der Grundpfeiler für alles, was mit New Work zu tun hat.

Crosswater: Werdet Ihr Euch in Zukunft noch mehr für das Thema einsetzen und worauf dürfen wir uns dabei freuen?

Matthes Dohmeyer: Wir haben und werden uns dauerhaft für dieses Thema einsetzen. Wir werden uns immer wieder Aktionen einfallen lassen, um weiterhin laut mehr echte Diversity zu fordern und so letztendlich unseren Beitrag leisten, diese auch zu ermöglichen. Was das konkret bedeutet, kann ich hier natürlich noch nicht verraten. 😉

Vielen Dank für das Gespräch.

Mehr: https://truffls.de/de/

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