Die Megatrends der Personalgewinnung des nächsten Jahrzehnts: 2020-2029

Von Barbara Braehmer

Die Personalgewinnung der letzten Dekade hat riesige Sprünge gemacht. Auf der einen Seite ist die Toolbox so gefüllt, dass es schon schwierig ist, den Überblick zu wahren: Ganz neue Personalmarketing-Systeme, Algorithmen und eine fast unübersichtliche Zahl der Software-Tools für verschiedenste Arbeitsbereiche der Personalgewinnung haben Einzug gehalten. Gleichzeitig ist Active Sourcing kein Privileg der Dienstleister mehr und auch mit Retargeting Systemen haben sich völlig neue Prozesse etabliert. Fast überall ist der Fachkräftemangel in unterschiedlicher Form Realität und ist schon fast eine „normale tägliche“ Aufgabe geworden.  Ich wage einen Blick in die Zukunft und werde in diesem Blogartikel die Megatrends der Personalgewinnung der nächsten Dekade zusammenfassen.

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Die Veränderungsgeschwindigkeit und Disruption in der Personalgewinnung durch die Digitalisierung

Eine ganz besondere Entwicklung ist, wenn man die letzten 10 Jahre mit den Dekaden davor vergleicht, dass die VUCA-Welt (hier mehr) mit allen ihren Entwicklungen in die Personalgewinnung Einzug gehalten hat. Noch nie gab es so viele, so sprunghafte und so vielfältige Veränderungen in Tools, Methoden und Prozessen. Doch auffällig ist: Geändert hat sich an dem reaktiven und ad hoc Verhalten der Entscheider und Umsetzer wenig: Im Grunde funktioniert die praktische Personalgewinnung in den meisten Unternehmen ad hoc. Je größer die Unternehmen, umso eher gibt es Strategien, doch wenn man sie sich genauer ansieht: Die Budgets fließen nach wie vor hauptsächlich in das Personalmarketing.

Die Hoffnung stirbt zuletzt auch in der Personalgewinnung – der Entscheidungsdruck wächst.

Ich glauben nicht daran, dass die Kollegen trotz ihres kurzfristig reaktiven Handelns, nicht sehen, dass sie sich in einer Sackgasse befinden. Die Welt hat sich bereits in den letzten 10 Jahren jedes Jahr ein Stück schneller verändert. Der demographische Wandel, die gesellschaftlichen Veränderungen und die unübersichtliche Zahl der neuer Tools, Methoden und Prozesse haben gerade erst angefangen: Die dominante Boomer Generation ist noch da, das Post & Pray funktioniert noch leidlich (und bei den großen Labels immer noch super gut).

Doch, wir beschäftigen uns mit der Veränderung, noch ist Prokrastination angesagt

Dass ein Change im Gange ist, kann man in einem Trend zur „Euphemisierung“ erkennen, das heißt „Beschönigung der Situation (hier mehr), um sich nicht der Realität stellen zu müssen.“

Doch jeder Euphemismus ist der erste Schritt zur Veränderung, denn damit, dass man der Sache einen schönen Namen gibt oder so tut, dass es nicht problematisch sei oder versucht zu vereinfachen, bestätigt man nur die Existenz genau des Problems, das man gerade so sehr zu vermeiden versucht. Ich nenne das das Beethoven-Prinzip. Denn Beethoven hat 24 Sonaten geschrieben, indem er ein Hologramm des Sonaten-Schemas erstellte  – aber keine der Sonaten wurde nach dem reinen Schema geschrieben. Eine enorme Energie und Kreativität wird hier eingesetzt – aber leider nicht konstruktiv.

Beispielhaft zu nennen sind hier:

  • Die steigenden Budgets und Ausgaben im Personalmarketing, obwohl oft die eigenen Zahlen festhalten, das die beste Quelle der Einstellungen die Mitarbeiterempfehlungen waren.
  • Die Aussagen, wie gut Active Sourcing funktioniert, obwohl jeder durch die Stellenbeschreibungen sehen kann, dass es fast unmöglich ist, dass bei dieser Aufgabenflut der 360 Grad Recruiter Active Sourcing durchführen konnte.
  • Die ungeheuren Wachstumsraten der auf Erfolg arbeitenden Personalvermittlungen – während die Kunden wie Corporates und Mittelständler Culture Fit Maßnahmen durchführen.
  • Die Employer Branding Maßnahmen mit der Selbstdarstellung, wie hoch der digitale Reifegrad sei und man bereits agile arbeitet, während die Mitarbeiter in Wahrheit minimale Weiterbildungsbudgets erhalten.

Es kommt das Ende der Show und Ich-Zentrierung – jetzt geht es um Impact oder persönliche Freiheit (Individualisierung)

Solche Unvereinbarkeiten und Widersprüche kündigen nur an, dass eine große Veränderung kommen wird,  die sich augenblicklich aufbaut. In der nächsten Dekade wird es nicht mehr um die Selbstdarstellung gehen, ein Jahrzehnt der Nabelschau mit Selfies, des ich-zentrierten Personal Brandings und der schnellen Showeffekte mit Guerilla Marketing und Micro-Influencer geht zu Ende. Es wird immer weniger Superheros geben und Egozentrik ist dann nicht mehr salonfähig.

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