Zielkonflikt im Zickenkrieg der Politikerinnen: Gleichstellung der Frauen oder elitäre Frauenvorstandsquote?

von Gerhard Kenk (Crosswater Job Guide)

Doppelt gemoppelt: Bundesregierung schafft Verwirrung mit dualen Frauenquoten-Indizes

Kristina Schröder

Wer sich bei den gestaltenden Politikerinnen der derzeitigen Bundesregierung Fortschritte bei der Frauengleichstellung vorstellt, könnte sich eigentlich kein idealeres Dreamteam vorstellen als es die jetzige Besetzung vorgibt: Angela Merkel an der Spitze als Bundeskanzlerin, Kristina Schröder als Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, Ulrike von der Leyen als Bundesministerin für Arbeit und Soziales, Annette Schavan als Bundesministerin für Bildung und Forschung, dazu Sabine Leutheusser-Schnarrenberger für die Justiz  – eigentlich ein Team mit Erfolgsgarantie, wenn es darum geht, schwierige und nachhaltige Problemlösungen bei der Gleichstellung der Frau in Wirtschaft und Gesellschaft umzusetzen. Doch wie der gebannte Kaninchenblick auf die Schlange offenbart die Frauenführungsquote eine singulare Politik-Priorität auf ein einziges Themas, das landauf und landab für Aktionen und Aufmerksamkeit sorgt.

Dabei ist die geringe Präsenz der Frauen in den Elite-Positionen der Wirtschaft zwar ein beschäftigungspolitisches Manko, doch eine mittelfristige Lösung kommt in erster Linie den Elitefrauen zugute, die über Ambitionen, Ausbildung und Antrieb verfügen. Hingegen ist die strukturelle, langfristige Minderbezahlung der Frauen in fast allen Berufen ein Thema, das lediglich am Rande interessiert – dessen Lösung jedoch einem wesentlich grösseren Bevölkerungsanteil zugute kommen würde.

Ein aktuelles Beispiel für den Zickenkrieg, den sich weibliche Politikerinnen derzeit um die Deutungshoheit bei der elitären Frauenquote leisten, ist die Absicht, gleich mehrere statistische Frauenquoten-Indizes zu entwickeln. Frauenministerin Kristina Schröder legte mit einem kräftigen Griff in die Taschen des Steuerzahlers vor und sicherte die Finanzierung eines Index zur Messung der Frauenquote in Führungspositionen der Wirtschaft. Wie die WirtschaftsWoche berichtet, hat Bundesfamilienministerin Kristina Schröder für die Jahre 2012 und 2013 insgesamt rund 690.000 Euro zur Verfügung gestellt, um die Entwicklung eines „Frauen-Karriere-Index“ zu fördern.

Placebo-Effekt

Annette Schavan

Da Indizes ja auch etwas mit Statistik und Forschung zu tun haben, ist Forschungsministerin Annette Schavan nicht untätig: seit Oktober 2011 fördert sie den sogenannten „Mixed-Leadership-Index“, den Wissenschaftler der Hochschule Aschaffenburg erstellen. Sie analysieren die Frauenförderung in den 500 größten deutschen Unternehmen. Insgesamt 341.138 Euro hat Schavan dafür bewilligt, 187.625 Euro davon stammen aus dem Europäischen Sozialfonds.

So werden rund eine Million Euro an Steuergeldern – egal aus welchem Topf sie nun stammen – für die Argumentationshilfe der Frauenführungsquote ausgegeben, die Überlappung der Themen wird für beträchtlichen Leerlauf und Streitereien bei der Interpretation der Zahlen sorgen.

Immer noch machen die Politikerinnen eine großen Bogen um den heißen Brei der Lohngleichheit von Männern und Frauen. Dieses Ungewicht, auch als „Gender Pay Gap“ in zahlreichen Publikationen der Arbeitsmarktforschern und der OECD bezeichnet, existiert seit geraumer Zeit und wird ohne konkrete Anstrengung der Politik auch in Zukunft wohl nicht geringer werden. Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel auf der CDU-Klausur-Tagung am 4./5. Januar in Wilhelmshaven die Forderung nach „Arbeitsplätzen, die fair bezahlt werden“ erhob, dürfte es sich um ein sedidatives Placebo-Argument handeln, alle können diese Forderung abnicken, nichts wird sich bewegen.

Lohnspreizung

Dabei sprechen die Zahlen über die bestehende Lohnspreizung eine deutliche Sprache: Über fast alle Berufsgruppen hinweg werden Frauen gegenüber Männern schlechter bezahlt, obwohl sie im gleichen Beruf tätig sind.

 

Lohnspreizung bei durchschnittlichen Monatsgehältern 2010 (Quelle: FOCUS 45/2011, Grafik: Crosswater Job Guide)

Dieser Gehaltsvergleich aus dem Jahr 2010 basiert auf den monatlichen Durchschnittsgehältern von 150 Berufen, die nach Einkommensklassen unterteilt werden. Demzufolge werden Frauen in Berufen der unteren Einkommenskategorien durchschnittlich 13,2% schlechter bezahlt als Männer in den gleichen Berufen. In der mittleren Einkommenskategorie liegen Frauen beim Durchschnittgehalt noch mit 11,8% hinter den Männern, in den Berufen der höheren Einkommenskategorien vergrößert sich die Lohnspreizung auf 15,2%.

Auch die OECD fasst die Lage zum Gender Pay Gap zusammen: „Doch auch unabhängig von ihren familiären Verpflichtungen ist es für Frauen oft schwierig, auf der Karriereleiter aufzusteigen. Die Ungleichheit nimmt effektiv zu, je höher die Frauen auf der Gehaltsskala stehen: Während die Frauen im OECD-Raum im Durchschnitt  16% weniger verdienen als Männer, beläuft sich dieses Verdienstgefälle in der Gruppe der Spitzenverdiener auf 21%. Die sogenannte  „gläserne Decke“ existiert: Frauen sind bei der Besetzung von Entscheidungs- und Führungspositionen benachteiligt, und auf Ebene der Aufsichtsräte kommt nur noch eine Frau auf zehn Männer.“

Gleichstellungsgerechtigkeit sieht anders aus: Statistiken und Indizes sind im Überfluss vorhanden, konkrete Verbesserungsmaßnahmen bleiben ein Manko.

 

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