Recruiting – Zurück in die Zukunft

picture_gone_fishingEin Gastartikel von Volker Frey

Was würden sich Leonardo da Vinci, Michelangelo oder der Naturschützer John Muir wohl denken, wenn sie plötzlich online wären?

Die Tech-Fraktion haut mächtig in die Tasten. Jedes neue Social Network „verbessert, verschönert oder rettet“ die Welt – mindestens. Das Marketing läuft auf Hochtouren, die Werbeerlöse sprudeln und selbst die zehnte Selfie-App wird noch als Revolution verkauft.

Im Recruiting (HR)-Kontext ist das besonders spannend. Dort geht jetzt plötzlich alles ganz schnell, einfach und per „one-click“ aus dem Bus oder der Bahn. Disruptiver Instant Coffee für die Talent Pipeline – ganz ohne bias. Die Top-Talente sind überall – man muss nur die richtige Technologie im Einsatz haben oder seinen Recruiting-Roboter von der Leine lassen, damit sich der überflüssige Recruiter endlich zum Angeln an einen See setzen kann. Während der Recruiter am See sitzt, geht dem Roboter ein HIPO ins digitale Fangnetz. Der Algorithmus schnappt zu und der „Bewerber“ wird in real-time eingeladen.

Von: Recruiting Center

Sehr geehrter Bewerber (w/m),

unser Algorithmus hat Sie anhand Ihres Xing-Profils und Ihrer beeindruckenden Twitter-Timeline als einer der Top-Kandidaten für die Vakanz des „Feelgood Managers“ in unserem Unternehmen identifiziert. Unser Recruiting-Roboter Matilda würde mit Ihnen gerne ein erstes Interview führen. Bitte finden Sie sich dazu um 7:30 Uhr in unserem Office ein und folgen der Beschilderung „HR Innovation Center“.

Wir würden uns freuen Sie kennenzulernen.
Ihr
HR-Bot Matilda

 

Von: Bewerber

Sehr geehrter HR-Bot, Hallo Matilda,

danke für Ihre Einladung. Ich habe mir erlaubt, Ihnen vorab einen Dropbox-Link mit einem kurzen Video und meinen Antworten auf die 10 am häufigsten gestellten Interviewfragen zu senden. Falls Sie das Video überzeugt, würde ich mich über eine Einladung in Runde zwei mit meinem zukünftigen Manager und dem Team sehr freuen.

Mein erster Flug geht um 6:30 Uhr. Ein persönliches Interview wäre ab 9:30 Uhr gut machbar, sonst müsste ich einen Tag früher anreisen. Übernehmen Sie die Hotelkosten?

Danke und viele Grüße
Ihr Bewerber

 

Nach diesem Mailverkehr hören beide Parteien nie mehr voneinander.

 

Gone Fishing

Vielleicht müssen wir gerade im digitalen Zeitalter den menschlichen Part wieder stärker in den Fokus rücken, uns mehr Zeit nehmen und über den sinnvollen Einsatz von Mensch & Maschine intensiver nachdenken, damit wir beides optimal kombinieren können.

 

 „Volker Frey ist seit 15 Jahren im HR Marketing und IT (Führungskräfte)-Recruiting aktiv. Davon acht Jahre bei der SAP Deutschland und die restlichen Tage auf Beraterseite in Berlin und Frankfurt am Main. Seit 2010 ist Volker bei der HRM CONSULTING GmbH am Standort in Heidelberg tätig.“

 

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2 Kommentare zu „Recruiting – Zurück in die Zukunft“

  • STRIKE! Sehr schön auf den Punkt gebracht, lieber Volker!

  • Andreas Müller:

    Genau so ist es. Menschen sind eben nicht digital! Und nur weil der Mensch bestimmte Skills besitzt, heißt das noch lange nicht, dass das entsprechende Umfeld ihn dazu befähigt/ermutigt diese auch gänzlich auszuschöpfen. Algorithmen werden das niemals erfassen können. Zum Glück auch!!!!

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