Die feinen Unterschiede im französisch-deutschen Cross-Border-Recruiting

Pierre Bourdieu, eine der Lichtgestalten der französischen Soziologie, hat in seiner wegweisenden Analyse der differenzierten französischen Gesellschaftsschichten auf die besonderen Merkmale hingewiesen. Sein Postulat „Dem Spiel der Kultur und Bildung entrinnt keiner!“ wird im Einzelnen analysiert. Bourdieu untersucht dabei insbesondere, welche engen Beziehungen zwischen dem Bildungskapital und der sozialen Herkunft bestehen und wie diese feinen Unterschiede sich auf die gesellschaftlichen und beruflichen Präferenzen auswirken.

Pierre Bourdieu
Pierre Bourdieu

Wer sich als HR-Praktiker mit dem französisch-deutschen Cross-Border-Recruiting beschäftigt, kommt um ähnliche Überlegungen nicht herum. Den komplexen Präferenzen, die sich aus der vielschichtigen soziologischen Struktur in Frankreich ergeben, stehen ähnlich komplexe Präferenzen der beruflichen Praxis in Deutschland gegenüber – und diese sind nicht immer deckungsgleich. Hinzu kommt, dass die Rollenverteilung (ein deutscher Bewerber führt ein Jobinterview mit einem französischen Personalchef, oder ein französischer Bewerber stellt sich bei einem deutschen Arbeitgeber vor) unterschiedliche Schwerpunkte haben und nicht nur von sprachlichen Kommunikationsproblemen bestimmt wird.

Wegweisend: Prof. Dr. Peter M. Wald auf der HR-Edge
Prof. Dr. Peter M. Wald

Im Vorfeld der Veranstaltung „HR-Innovation-Day“ am 28. Mai 2016 in Leipzig sprach Initiator Prof. Dr. Peter M. Wald mit Christine Reik über diese Herausforderungen.

Wald: Ihr Thema ist – bis auf Ausnahmen – nicht häufig Gegenstand von Veranstaltungen zu HR–Themen. Woran liegt dies aus Ihrer Sicht?

Reik: Für viele Unternehmen steht aktuell die Globalisierung im Fokus. Wenn ein Unternehmen den Schritt nach China oder Indien macht, weiß jeder, dass dort eine fremde Kultur und andere Rahmenbedingungen warten. HR muss sich mit seiner Arbeit entsprechend darauf einstellen. Deutschland und Frankreich gelten dagegen als vertraute Nachbarn, die sich seit vielen Jahren vermeintlich gut kennen und viele Ähnlichkeiten haben. Doch der Schein trügt, denn alle die im deutsch-französischen Kontext arbeiten, wissen, wie groß die Unterschiede tatsächlich sein können. Und dann ist HR doppelt gefordert.

Wald: Viele Leser meines Blogs werden bestimmt eigene Vorstellungen zu den Besonderheiten der Personalarbeit in Frankreich haben. Sie können auf lange Jahre praktischer Tätigkeit in Frankreich zurückblicken. Wo sehen Sie wichtige Unterschiede im Personalmanagement zwischen Frankreich und Deutschland?

Christine Reik
Christine Reik

Reik: Lassen Sie mich bei den Ursachen beginnen. Für mich sind es im Wesentlichen drei Faktoren, die zu Unterschieden führen: Zum einen differiert die politische und wirtschaftliche Situation in beiden Ländern derzeit deutlich. Deshalb werden die nationalen Prioritäten der Personalarbeit unterschiedlich gesetzt. Daneben gibt es kulturelle Unterschiede, die dazu führen, dass einige Themen von HR inhaltlich anders gestaltet werden. Vor allem das Thema „Leadership“ ist hier interessant zu vergleichen, denn die Vorstellungen was gute Führung ausmacht, divergieren in beiden Ländern erheblich. Und natürlich weichen auch die gesetzlichen Rahmenbedingungen deutlich voneinander ab, gerade was das Arbeitsrecht und die Mitbestimmung betrifft. Dies erfordert von HR natürlich unterschiedliche Vorgehensweisen in Deutschland und Frankreich.

Wald: Welche dieser Besonderheiten werden Sie in Ihrem Workshop besonders betrachten?

Reik: Wir werden in meinem Workshop einen Blick auf alle drei Faktoren werfen und uns die konkret daraus resultierenden Unterschiede anschauen. Einen besonderen Schwerpunkt werde ich auf die kulturellen Unterschiede legen, die vielfältigen Einfluss auf die Rolle von HR und die Inhalte der Personalarbeit haben. Und lassen Sie sich überraschen: es gibt natürlich nicht nur Unterschiede, sondern auch viele Gemeinsamkeiten!

Der HR Innovation Day 2016 findet am 28. Mai 2016 in Leipzig statt. In drei Keynotes und zwei Workshop-Runden wird breites Spektrum von Personalprozessen (Recruiting, Personaleinsatz, Führung – um nur einige zu nennen) abgedeckt. Dabei stehen sowohl Innovationen im Personalmanagement (vor allem neue Tools und Vorgehensweisen) als auch die klassischen Themen der Personalarbeit im Fokus. Das Programm ist hier zu finden: http://leipzig-hrm-blog.blogspot.de/2016/04/hr-innovation-day-2016-das-programm.html

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Anmelden können Sie sich hier: https://www.xing.com/events/hr-innovation-day-2016-1675373

 

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