Social Media Recruiting: Das Ende der Illusionen?

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Kaum ein anderer Recruiting-Kanal hat ein solch großes mediales Echo erzeugt wie Social Media Recruiting, die Kandidaten-Ansprache und Bewerbungen in Facebook & Co. Und bei kaum einem anderen Recruiting-Kanal klaffen Meinungen von der empirischen Faktenlage so weit auseinander wie bei Social Media Recruiting.

Eine Analyse der Ergebnisse der Jobbörsen-Kompass-Umfrage kommt nun zu einer eher ernüchternden Bestandsaufnahme. Ein Vergleich der Umfrageergebnisse (33.940 Bewertungen Stand 20.10.2018) zeigt die relative Zufriedenheit (auf einer Skala von 7=sehr zufrieden bis 1=überhaupt nicht zufrieden) der Bewerber mit den drei wichtigen Recruiting-Kanälen auf:

  • Jobportale: 4,53
  • Job- / Karrieremessen: 4,48
  • Social Media Recruiting: 3,12

 

Social Media Recruiting Zufriedenheitsanalyse

Ein detaillierter Blick auf die Zufriedenheit der Bewerber nach Altersgruppen ergibt folgendes Bild:

 

Die Analyse der Zufriedenheit nach Berufsstatus zeigt folgendes Diagramm:

Schlussfolgerungen

Bewerber sind mit den Recruiting-Kanälen Jobportalen und Job- /Karrieremessen durchschnittlich zufrieden (auf einer Skala von 7=sehr zufrieden bis 1=überhaupt nicht zufrieden). Der Social Media Recruiting Kanal wird von den Umfrageteilnehmern insgesamt mit 3,12 unterdurchschnittlich bewertet. Eine Detailanalyse nach Altersgruppen zeigt die Tendenz auf, dass jüngere Bewerber in den Altersgruppen 19 – 30  Jahre eher zufrieden sind als ältere Bewerber.

Auch die Analyse nach Berufsstatus bestätigt dieses Bild: Studenten, Absolventen und Young Professionals haben eine höhere Zufriedenheit als andere Bewerber.

Jedoch zeigt sich, dass der Abstand der  Zufriedenheitsquote zu den anderen Recruiting Kanälen wie Jobportale oder Jobmessen erheblich ist und insgesamt unterdurchschnittlich ausfällt.

 

Flaggschiff Facebook in stürmischer See

Ohne Zweifel nimmt das soziale Netzwerk Facebook eine führende Rolle insgesamt ein, obwohl Facebook im Recruiting erst seit einigen Monaten aktiv ist und – bezogen auf die Monetarisierung – hauptsächlich als Digital Advertising Engine wahrgenommen wird.

Jedoch durchschreitet Facebook seit einiger Zeit ein Tal der Tränen, weil Datenskandale um Cambridge Analytica und die mangelhafte Kontrolle der Fake-News-Posting Kratzspuren am Image des Social Media Portals hinterlassen haben.

 

Für Facebook sind die statistischen Zahlen der DAUs (Daily Active Useres) und MAUs (Monthly Active User) eine Schlüsselzahl zur Portal-Nutzung. Dabei zeigt sich, dass in den Regionen USA und Canada sowie Europa eine Sättigung der Nutzerzahlen eingetreten ist, als Wachstumsregionen verbleiben die Asien-Pazifik-Region und der „Rest der Welt“.

Auch die jüngste Initiative Facebook Jobs, die sich schwerpunktmäßig an mittelständische Unternehmen wendet, trifft auf eine höchst wettbewerbsintensive Situation bei den Jobbörsen. In Deutschland hat Marktführer Stepstone mit dem Liquid Design ein neues Konzept für die Publikation von Stellenanzeigen verwirklicht, in den USA hat die reichweitenstärkste Jobbörse Indeed den Wettbewerber Glassdoor übernommen (obwohl die Akquisition technisch durch Recruit Holdings Japan, der  Indeed Muttergesellschaft initiiert wurde).

Und Google hat trotz drittklassigem Marketing und schleppendem Produkt-Launch sein Produkt #Google4Jobs in den USA, in Großbritannien und anderen Ländern bereitgestellt, jedoch noch nicht in Deutschland. Für Innovationen und Wettbewerb ist also reichlich gesorgt.

Die Zukunft der Social Media Plattformen

Micheal K. Spencer publizierte eine wegweisende Analyse über den Stand der Social Media Plattformen in seinem Bericht „2018 is the End of Social Media as we Know It„. Er sagt den schleichenden Tod der Social Media Plattformen voraus:

Social Media is Dying

Michael K. Spencer

Brands are over-estimating “community” and “influencers”. Many of those communities and vanity metrics aren’t even real. Silicon Valley have made it a habit to boast about their user growth that may not even be factually accurate or specific-enough KPIs to be throwing around. This means the system has been gamed, is corrupt and consumers have caught on.

Two million people under the age of 25 will stop using the social network this year, research firm eMarketer predicted. For the first time, the majority of US internet users between the ages of 12 and 17 won’t use Facebook once a month this year.

Jobbörsen-Kompass: Der Umfrage-Steckbrief

Der Jobbörsen-Kompass mit den Umfragen für Arbeitgeber und Bewerber ist ein Not-for-Profit-Projekt von Crosswater Job Guide. Das Ziel ist es, empirische Grundlagen zu wichtigen Fragen im Recruiting aufzubauen und mit den online bereitgestellten Ergebnisse den Entscheidungsprozess über die Schaltung von Stellenanzeigen bzw. die Suche nach geeigneten Stellenangeboten in den richtigen Jobportalen zu unterstützen.

Seit April 2016 wurden insgesamt knapp 34.000 Bewertungen von Bewerbern abgegeben (33. 940 Stand 20.10.2018). Diese decken mit 1.092 bewerteten Jobbörsen einen hohen Anteil des Jobbörsen-Markts ab. 108 Jobbörsen erzielten mehr als 30 Bewertungen. Die am häufigsten bewerteten Jobbörsen sind Stepstone Deutschland (4.050 Bewertungen), Staufenbiel Institut (3.255) und Xing Stellenmarkt (2.519).

Die Zufriedenheits-Notenstruktur

Über alle Bewerberbewertungen hinweg zeigt die Analyse der Notenstruktur eine gesunde Verteilung der Zufriedenheitsnoten von 7=sehr gut bis 1=überhaupt nicht gut.

Verteilung der Zufriedenheitsnoten aller Bewerber-Bewertungen. Quelle: Jobbörsen-Kompass Stand 7. September 2018

Erweiterungen

Zusätzlich zu den Bewertungsfragen über die Nutzung von Jobbörsen wurde der Umfang der Bewerber-Befragung ausgeweitet:

  • Welche Karrieremessen wurden besucht und wie zufrieden waren die Bewerber mit den einzelnen Veranstaltungen?
  • Bei welchen Arbeitgebern haben sich Bewerber beworben und wie zufrieden waren sie mit dem Bewerbungsprozess?
  • Wie wurden Bewerber von Personalberatern oder Personalvermittlern unterstützt?

Ergebnisse 

 

Alle Ergebnisse der Umfragen sind öffentlich uneingeschränkt und kostenlos verfügbar. Mehr als 40 maßgeschneiderte Online-Analysen stehen zur Verfügung, um spezielle Aspekte der Umfrage zu erläutern. Mithilfe von Vergleichsfunktionen  können einzelne Aspekte zwischen zwei Jobbörsen bequem und schnell abgeglichen werden.

Umfrage-Partner

Die Jobbörsen-Kompass-Umfrage wird von einer Reihe von Jobportalen und Recruiting-Organisationen unterstützt, ohne damit Einfluss auf die Umfrage-Inhalte zu nehmen.

Dazu gehören beispielsweise

  • Absolventa
  • Azubyo
  • Freelancermap
  • Foodjobs
  • GULP
  • HORIZONTjobs
  • JobCOLLEGE
  • Jobmesse Deutschland
  • Jobstairs
  • Jobvector
  • Kimeta
  • LZ Jobs
  • meinestadt.de
  • Monster
  • Personalwirtschaft
  • Stellenanzeigen.de
  • Stepstone
  • T5-Karriere-Portal
  • UNICUM
  • women&work

Eine komplette Liste der Umfrage-Partner finden Sie hier. 

Die Crux der Monetarisierung

Bei anderen Umfragen zum Thema Jobbörsenbewertungen spielt die Monetarisierung eine wichtige, wenn nicht gar die dominante Rolle. Dabei werden die erteilten Gütesiegel mit zum Teil fünfstelligen Gebühren für die kommerzielle Nutzung freigegeben. Es kommt sogar vor, dass die Ergebnisse für kommerzielle Zwecke der Vermarktung von Anzeigenpaketen herangezogen werden und der Zugang zu den Bewertungen hinter einer Art Pay Wall gebührenpflichtig ist. Infolge dieser kommerziellen Interessen wird die Unabhängigkeit und Glaubwürdigkeit des Umfragebetreibers infrage gestellt. Bewerber erfassen mit ihrem eigenen Zeitaufwand kostenlose Jobbörsenbeurteilungen, die dann kommerziell und gebührenpflichtig ausgewertet werden können.

Über den Jobbörsen-Kompass
Der Jobbörsen-Kompass ist ein Bewertungsportal für Online-Jobbörsen im Internet. Unter www.jobboersen-kompass.de bringen die hier gesammelten Kandidaten- und Arbeitgeber-Bewertungen Licht in das Dunkel der richtigen Jobbörsen-Auswahl für Arbeitgeber und Jobsucher. Konzipiert als Dauerumfrage ist es das erklärte Ziel des Portals für mehr Transparenz in einem manchmal schwer überschaubaren Markt zu sorgen. Betreiber und Initiator des Jobbörsen-Kompass ist Crosswater-Job-Guide, eines der meist gelesenen HR-Fachportale im Internet. Die Teilnahme an diesen Umfragen dauert jeweils nicht länger als drei bis fünf Minuten und ist unter www.jobboersen-kompass.de/arbeitgeber-umfrage beziehungsweise www.jobboersen-kompass.de/bewerber-umfrage erreichbar.