Social Media: Es ist Zeit für die Umsetzung

von Prof. Dr. Christop Beck, FH Koblenz

Prof. Dr. Christoph Beck, FH Koblemz
Prof. Dr. Christoph Beck, FH Koblemz

Koblenz. Im Morgan Stanley Internet Trend Report vom April 2010 wurde festgestellt, dass der Internet-User zwischenzeitlich mehr Zeit in sozialen Netzwerken verbringt als mit dem Lesen und Schreiben von Emails und dass die Anzahl der registrierten Netzwerk-Nutzer die von Emailpostfächern übersteigt. Social Media ist keine Welle, sondern ein Tsunami der anscheinend ohne Gesetzmäßigkeiten auch das Personalmarketing & Recruiting trifft.

Social Media ist der Liebling der schreibenden Zunft. Keine Publikation ohne Facebook, Twitter & Co. Die Monatsmeldungen über exorbitant steigende Mitgliederzahlen, Followers und Fans überschlagen sich und auch die HR-Community schreibt und diskutiert teils überschwänglich über die Einsatz- und Anwendungsmöglichkeiten und nennt hierbei auch Beispiele und Erfolge. Ein Schelm der Böses dabei denkt und nach dem Lesen unterschiedlicher Publikationen den Eindruck erhält, dass es immer wieder die gleichen (wenigen) Unternehmen und Beispiele sind.

Transparent und Viral

Die Vorteile von Social Media im Personalmarketing & Recruiting sind weitgehend transparent. Es sind dialogorientierte Kanäle mit dem Mehrwert zum authentischen und transparenten Dialog und zur Echtzeit-Kommunikation, verbunden mit viralen Effekten, dem Potenzial der spezifischen Ansprache von Zielgruppen (je Kanal), der Möglichkeit Botschaften zu senden, zu empfangen, zu kommentieren oder zu bewerten, Empfehlungen abzugeben und auf Trends schnell zu reagieren.

Social Media = Unwissenheit?

Dabei stoßen die HR`ler auf sehr viel Ungewissheit, da gerade Social Media der Inbegriff der Ungewissheit darstellt, da die „Masse“ bestimmt, was und welche Plattform gerade (oder gar in drei Jahren) „IN“ oder „OUT“ ist. Die Dynamik dieser Entwicklung scheint größer als alles Bekannte bisher und der Druck steigt, ebenso wie die Ungewissheit, ob die heutige IN-Plattform auch morgen noch wirklich von den Zielgruppen genutzt wird. Anders lässt es sich nicht erklären, dass auf den Social Media Kanälen nicht wenige „Accounts“ angelegt sind, jedoch bei genauerer Betrachtung der Kanal noch nicht für das Personalmarketing & Recruiting genutzt wird.

Zeitintensive Omnipräsenz

Social Media verändert das HR-Marketing und Recruiting, da es persönlicher, spezifischer und schneller wird (hin zum Social HR-Marketing und Social Recruiting), aber auch interaktiver und damit auch wesentlich zeitintensiver. Social Media Kanäle erfordern nahezu eine Omnipräsenz und schnelle Reaktionen. Sie fordern das heutige Personalmarketing & Recruiting heraus, denn Fakt ist, dass die Akteure dort sein sollten wo ihre Zielgruppen sind und kommunizieren.

Social Media: Welche Zielgruppe?
Social Media: Welche Zielgruppe?



Fakt ist aber auch, dass bei genauer Betrachtung bisher nur wenige Unternehmen Social Media ganzheitlich in ihre Personalmarketing und Recruiting-Strategie integriert haben. Nicht nur die Social Media Aktivitäten benötigen Zeit, sondern auch die Akteure im Personalmarketing & Recruiting. Die schreibende Zunft hat ihren Social Media Hype gehabt, jetzt kommt die Umsetzung. Vorher sollte jedoch ein professioneller Know-how-Aufbau stehen, der über das Know-how des „normalen“ Anwenders hinausgeht. Aber bei aller Dynamik muss man den Akteuren im Personalmarketing & Recruiting diese Zeit zum Know-How-Aufbau schon lassen.


Eine Möglichkeit des Know-how-Aufbaus bietet der Campus der Personalwirtschaft. Unter dem Titel Web 2.0 & Social Media im Personalmarketing & Recruiting erhalten die Teilnehmer des Praxis-Workshops am 20./21.Sept. 2010 aus erster Hand „Do it yourself Infos“ zu Arbeitgebervideos, Facebook, twitter, Blogs & Co. Infos unter http://campus.personalwirtschaft.de/?class=inc/ui/products/CProductShow&productId=233&productHierarchyId=12
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2 Kommentare zu „Social Media: Es ist Zeit für die Umsetzung“

  1. Erst kürzlich las ich von einem Vorstoß im Bundesfamilienministerium, dass man künftig (ähnlich wie das bereits – wenn auch nur mit Pilotcharakter in einigen anderen europäischen Ländern gehandhabt wird,) Bewerbungen komplett anonymisieren will. Das heißt: Es wird kein Geschlecht angezeigt, kein Alter, keine Religions- und Staatszugehörigkeit, kein Name. Nur die reine Qualifikation soll für die Auswahl des Bewerbers zum Vorstellungsgespräch ausschlaggebend sein.

    Wenn das wirklich Schule machen sollte und möglicherweise sogar per Gesetz vorgegeben würde, dann wäre das sicherlich erst mal das Aus für das Recruiting über Social Media.

    Deshalb sollte man diese Entwicklung ernsthaft beobachten. Ich will hier nicht Stimmung für oder gegen etwas machen. Dennoch: In einem solchen (noch hypothetischen) Fall würde es auch Twitter, Facebook & Co an den Kragen gehen. Zumindest, was deren Bedeutung für den zuvor erwähnten Bereich anginge…

    Es gibt ja bspw. bereits Softwareanbieter im Bereich Talent Management, (bspw. Cornerstone OnDemand, Intraworlds) und in anderen Bereichen (CRM), die derlei Tools in ihren Lösungen anbieten, um genau diese Wege im „Enterprise 2.0“ (schade, dass bisher offensichtlich niemandem eine bessere Bezeichnung einfiel) zu nutzen und so gezielt verwerten können.

  2. „Die schreibende Zunft hat ihren Social Media Hype gehabt.“ Social Media immer noch als Hype zu betrachten, ist meines Erachtens falsch. Social Media ist kein Hype, sondern fester Bestandteil des alltäglichen Lebens. Oder sind 10 Millionen Facebook-User allein in Deutschland (und die Zahlen wachsen weiter, auch die Generation 50+ entdeckt Social Media) nur ein Hype?
    Und ja, es gibt eine sich selbstbeweihräuchernde Szene und immer und ewig hört man die üblichen Verdächtigen über das Thema reden. Aber es gibt eben auch Beispiele von Unternehmen, vor allem aus dem Mittelstand, die Social Media erfolgreich als Personalmarketinginstrument oder Bestandteil ihres Employer Branding-Auftritts einsetzen. Und es sind eben nicht nur Bertelsmann, Otto, Bayer und wie sie alle heißen. Gerade für den Mittelstand bieten Social Media hervorragende Perspektiven. Und klar bedeutet das alles für jeden von uns einen Lernprozess, niemand weiß, was die Zukunft bringt und welche Maßnahmen was bringen. Es ist (noch) ein trial & error-Prozess – aber sollte man deswegen das Ganze als Hype abtun, Herr Beck?

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