Startup schafft Symbiose von Stellenmarkt und Social Network

Sean Blagsvedt, CEO-Gründer Babajob.com
Sean Blagsvedt, CEO-Gründer Babajob.com

Auf dem Höhepunkt des Web 2.0 Hype gab es eigentlich zum Thema e-Recruiting nur eine Frage: Wann lösen Social Networks die Online-Jobbörsen ab? Schliesslich vermeldeten die sozialen Netzwerke wie Facebook, StudiVZ, LinkedIn oder XING immer neue, steigende Mitgliederzahlen, die Break-Even-Schwelle sollte vor allem über Bezahl-Services wie z.B. die kostenpflichtige Publikation von Stellenanzeigen erreicht werden. Auf solchen Überlegungen zur Monetarisierung der Besucherreichweite basierten dann Börsengänge (XING) oder Übernahmen (Facebook ), und auch die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck fand sich nicht zu stolz, um Millionenbeträge in Visionen wie StudiVZ zu investieren. Doch die Realität brachte auch eine gewisse Ernüchterung.
So hat das soziale Business-Net XING zwar viele Nutzer gewonnen und unter den Headhuntern Deutschlands ist XING als Fundgruppe von Geschäftskontakten zu einem der wichtigsten Werkzeuge der Recherche für Direktansprachen geworden. Doch eine erfolgreiche Integration des Social Network Konzepts mit einem leistungsfähigen Online-Stellenmarkt lässt noch auf sich warten.


Mit der Kombination von Web 2.0 Komponenten und der Einbeziehung eines Handy-basierten Kommunikationskonzeptes zeigt nun ein Startup-Unternehmen aus Indien, dass eine Symbiose zwischen Social Network und Online-Stellenmarkt durchaus Realität werden kann. Allerdings haben sich die Innovatoren von Babajob.com und Babalife.com auch neue Konzepte erdacht, die auf den ersten Blick eher als Einschränkungen empfunden werden.

• Regionale Fokussierung
Die Konzentration auf ein regionales Ballungsgebiet stellt für das zugrunde liegende Social Network der gemeinsame Nenner für die virtuellen sozialen Netzwerke dar. Die nahe räumliche Verbindung erhöht die Chance, daß aus virtuellen Kontakten auch reale Kontakte werden können daß der Überlappungsgrad der Kommunikationsbeziehungen in einem engen geographischen Gebiet besonders hoch sein kann.

• Konzentration auf ein spezifisches Arbeitsmarktsegment
Die Gründer von Babalife/Babajob haben sich auf den sogenannten Informalen Arbeitsmarkt konzentriert, also solche Beschäftigungsarten, die nicht nach formalen Kriterien (wie z.B. Ausbildung, Studium, Karriere-Stufen) und schriftlichen Referenzen wie Diplome oder Zeugnisse dominiert werden. Im Mittelpunkt der Informalen Arbeitsmarktes stehen also eher Beschäftigungen, bei der die Bewerberauswahl im wesentlichen durch persönliche Empfehlungen und auf einer Vertrauensbasis erfolgt. Hierzu gehören solche klassischen Beschäftigungen wie Babysitter, Haushaltshilfen, Pflegepersonal oder Chauffeure. Wer solche Dienstleistungspositionen zu besetzen hat, basiert Einstellungsentscheidungen nicht so sehr auf formalen Kriterien sondern eher auf persönliche Referenzen aus seinem eigenen Bekanntenkreis bzw. seinem virtuellen Social Network.

• Einfache Kommunikation
Der Zugang auf das Social Network Babalife wird sowohl auf klassischem Wege über das Internet ermöglicht als auch über eine moderne Mobiltelefone-Technologie SMS User Interface. Über das SMS User Interface können Blogs, Foto- und Video-Tausch und die Social-Networking-Funktionen kombiniert werden.

• Einfache Bezahlsysteme
Die Vermittlung von Jobs und Kandidaten wird durch ein finanzielles Anreizsystem gefördert, die Vermittlungszahlungen können als Gutschrift für das Handy-Gebührenkonto erfolgen.

Und so funktioniert Babalife

Angenommen, Kumar sucht für die Hilfe im Haushalt einen Koch. Er erstellt ein Stellenangebot auf babajob.com und fügt einige Personen aus seinem Bekanntenkreis hinzu, von denen er denkt, daß sie ihm bei der Suche nach einem Koch helfen könnten. Angenommen, seine Suche und seine Kontakte in seinem Social Network sind erfolgreich, so daß er entscheided, die Schwester des Chauffeurs, der bei seinem Onkel arbeitet, einzustellen. Falls alle diese Personen Mitglied im Social Network babalife.com sind, bekommen alle beteiligten Personen eine Vermittlungsgebühr, in etwa umgerechnet US-$ 2.50. Da nicht alle Personen, die durch babajob vermittelt werden könnten keinen Zugriff zu einem Computer oder einem Handy haben, könnten Bekannte oder Freunde für ihn ein Vermittlungskonto einrichten. In diesem Falle verdienen auch diese Bekannte eine  Vermittlungsprämie.

Keine neue Primzahl
Die Gründer von Babalife und Babajob haben eigentlich keine neue revolutionäre Entdeckung gemacht, keine neue Primzahl errechnet oder eine neue ferne Galaxie entdeckt. Sie haben – und das ist die eigentliche Neuerung – bestehende Technologien sinnvoll miteinander kombiniert und die besten pragmatischen Ansatzpunkte kombiniert und zu einer sinnvollen Symbiose zusammengeführt.

Das Samariter-Image
Noch steckt das Startup Babajob und Babalife in der Frühphase der Entwicklung. Der Gewinn des Mobile Peer Awards war für Gründer und CEO Sean Blagvstedt, einem früheren Microsoft-Research-Institute of India-Mitarbeiter, brachte willkommene Publicity. So schrieb MWC über die Preisverleihung: „Das indische Unternehmen räumte gleich zwei Preise der Mobile Peer Awards ab. Am gestrigen Montag vergab der Mobile Monday, eine globale Community von Mobilfunk-Enthusiasten, die Awards. Aus insgesamt 163 Startup-Unternehmen wählten die lokalen Chapter 20 Teilnehmer für die Endausscheidung aus. . Babajob gewann die Early-Stage-Preise der Jury und der Community. Das Unternehmen betreibt eine Jobbörse auf Handy-Basis, die Nähe, Qualifikation, Preis und soziales Netzwerk (mit der Partnersite Babalife.com) berücksichtigt. Die Orbster GmbH aus Karlsruhe, die Entertainment-Inhalte für GPS-Handys entwirft, gewann den Preis des Publikums.“

Und auch die US-Tageszeitung New York Times heftete den Gründern von Babajob das Imgae des Gutmenschen ans Revers und befand, daß sich  Babajob um die Ärmsten der Armen in Indien verdient gemacht hat:  „Babajob seeks to bring the social-networking revolution popularized by Facebook and MySpace to people who do not even have computers – the world’s poor. (New York Times)

Nach so viel Vorschußlorbeeren kann ja eigentlich nichts mehr schief gehen in der geschäftlichen Entwicklung von Babajob – zumindest an der Publicity-Front.  Doch auch das 12-köpfige Startup Team um Sean Blagvstedt muss sich früher oder später der Realität stellen.

Babajob.com im Überblick:

URL: www.babajob.com

Alexa Traffic Ranking: 291.597

Anzahl Stellenanzeigen: 3.800

23.2.2009/ghk.

2 Kommentare zu „Startup schafft Symbiose von Stellenmarkt und Social Network“

  1. Sicher nicht die schlechteste Idee und ein Beweis dafür, wie wertvoll gut gepflegte Business-Kontakte sein können, wenn man sie einmal praktisch benötigt. Wobei ich denke, dass Stellenanzeigen eher eine Randgeschichte bleiben werden, in erster Linie wird in dieser Richtung wohl der direkte persönliche Jobwechsel über das Networking vorbereitet. Was auch nicht unbedingt negativ ist.

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