Plattformen sind das beherrschende Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft

Dr. Holger Schmidt
Dr. Holger Schmidt

Von Dr. Holger Schmidt, Netzökonom

Der Plattform-Index der besten Internet-Aktien

Plattformen sind das beherrschende Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft. 5 der 10 wertvollsten Unternehmen der Welt und 7 der 10 höchstbewerteten Startups der Welt sind mit diesem Modell erfolgreich. Längst beschränken sich Plattformen nicht mehr auf die Konsumentenmärkte; auch im B2B-Geschäft sind Unternehmen wie GE und Siemens oder Startups wie Trademachines auf dem Weg in die Plattform-Ökonomie.

Als Vermittler zwischen Anbieter und Nachfrager haben mehrseitige Plattformen den Vorteil, die Transaktionskosten im Markt erheblich zu senken. War es früher aufwendig bis unmöglich, einen privaten Zimmeranbieter oder die Nummer der Taxi-Zentrale in einer fremden Stadt zu finden, nehmen Airbnb oder Uber uns heute diese Arbeit ab. Je fragmentierter und unübersichtlicher ein Markt ist, desto größer sind die Chancen einer Plattform, Transaktionskosten zu senken, damit das Marktvolumen zu erhöhen und als Plattformbetreiber an jeder Transaktion zu verdienen.

Wie Plattformen funktionieren

Entscheidend für das Funktionieren einer Plattform sind die indirekten Netzwerkeffekte: Mehr Anbieter (z.B. Taxifahrer) führen zu geringeren Wartezeiten für die Nachfrager (Fahrgäste), was sich herumspricht und mehr Menschen veranlasst, die Plattform zu nutzen. Mehr Nachfrage lockt wiederum mehr Taxifahrer an, weil sie dort bessere Geschäfte machen können. Die Kunst der Plattform-Betreiber liegt also darin, positive indirekte Netzwerkeeffekte zwischen den beiden Seiten der Plattform auszulösen (und negative Netzwerkeffekte zu vermeiden).

Um das Ziel zu erreichen, wird eine Marktseite (in der Regel die Konsumenten) subventioniert. Sie müssen nichts für die Inanspruchnahme der Leistung (zu deutlichen niedrigen Transaktionskosten im Vergleich zu früher) zahlen oder erhalten sogar noch Incentives. Diese Seite wird „Subventionsseite“ genannt. Dem gegenüber steht die „Geldseite“, also in der Regel die Produzenten, die einen Teil ihrer Marge als Vermittlungsleistung an den Betreiber zahlen. Im Beispiel des App-Stores von Apple zahlen die Entwickler 30 Prozent an den Plattform-Betreiber Apple, der damit Umsätze im zehnstelligen Bereich macht. Für die Ökonomen hier: Eine Plattform schöpft in der Regel Produzentenrente ab und erhöht die Konsumentenrente. (Auf die unterschiedlichen Formen der Plattformen gehe ich an dieser Stelle nicht weiter ein. Wer mehr wissen möchte, kann sich die Passage zu den Plattformen in meiner Vorlesung „Digitale Transformation“ an der TU Darmstadt anschauen).

Der Plattform-Index 

Denn nach dieser langen Vorrede kommt nun der eigentliche Inhalt dieses Beitrags: Wenn Plattformen das überlegene Geschäftsmodell der digitalen Wirtschaft sind, müssten sich die Kurse der börsennotierten Plattform-Unternehmen auch besser entwickeln als andere Aktien. Natürlich sind nicht alle Plattformen gleichermaßen erfolgreich: Große verdrängen kleine und einige Plattformen haben ihren Zenit schon überschritten (z.B. Ebay), weil eine andere Plattform (Amazon) einen besseren Job macht. Darüber hinaus sind viele Unternehmen Mischformen, bei denen der Anteil des Plattform-Geschäfts im Vergleich zu anderen Modellen eher gering ist (z.B. Apple). Kurzum: Aus der Vielzahl der vorhandenden Unternehmen mit diesem Modell habe ich zehn Plattformen in einen Index zusammengefasst, mit ihrer jeweiligen Marktkapitalisierung gewichtet und daraus den Plattform-Index gebildet. (Das Verfahren ähnelt dem Dax 30, allerdings wurde auf die Unterscheidung nach dem Streubesitz verzichtet).

In dem Index enthalten sind: Google/Alphabet (GOOG), Amazon (AMZN), Facebook (FB), Alibaba (BABA), Tencent (TCEHY), Paypal (PYPL), Linkedin (LNKD), Microsoft (MSFT), Zalando (ZLDSF) und Tesla Motors (TSLA), weil das Unternehmen ein Car-Sharing-Angebot aufbauen will (Masterplan, Teil 2).

Diesen Plattform-Index werde ich nun regelmäßig (geplant ist ein Wochenrhythmus) berechnen und mit anderen Börsenindizes (Dax 30, Dow Jones, Nasdaq, Nasdaq Internet und Tec Dax) vergleichen. Alle Indizes wurden am 23. Juli 2016 (Kalenderwoche 29/16) auf 1000 normiert, um einen einfachen Vergleich zu ermöglichen.

Plattform-Index KW 29-31: 2,8 Prozent Zuwachs

In der unteren Grafik ist nun das Ergebnis der ersten beiden Wochen (Kalenderwoche 29-31) zu sehen. Der Plattform-Index hat nach 2 Wochen einen Wert von 1028 erreicht, also 2,8 Prozent zugelegt – und sich in diesem Zeitraum besser als die zum Vergleich herangezogenen Marktindizes entwickelt. An zweiter Stelle folgt der Nasdaq Internet Index.

 

chart_Platform_Index_Netzoekonom_2016_08

 

Der Blick auf die Entwicklung der einzelnen Aktien in diesem Zeitraum zeigt besonders große Zuwächse bei Alphabet, Facebook und Tesla, während sich die beiden großen asiatischen Plattformen Alibaba und Tencent eher schlecht entwickelt haben.

Disclaimer: Dieser Index umfasst nur eine Auswahl der Plattform-Unternehmen, bildet das Segment also nicht repräsentativ ab und stellt KEINE Anlageempfehlung dar. Ich übernehme keinerlei Haftung für die Richtigkeit der Daten und falls jemand auf die Idee kommen sollte: Ohne meine Zustimmung dürfen keine Börsenprodukte auf Basis dieses Index angeboten werden.

Zum Beitrag auf Netzoekonom.de

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