Fremdgänger: Jobbörsen-Beziehungsloyalität der Bewerber unter der Lupe

Von Gerhard Kenk

Wir kennen es vom Medienhype um die Social Media Giganten wie Facebook, G+, Twitter, LinkedIn oder Xing zur Genüge: Die Marketingstrategen sind nicht mehr zufrieden mit den reinen quantitativen Meßgrössen, immer mehr zählt auch die Kundenbindung, die Beziehungsloyalität der Bewerber zu den qualitativ wichtigen Key Performance Indicators (KPIs). Dies gilt auch für die Jobportale. Wieviele Seitenaufrufe erzielt eine Jobbörse, wieviele Besucher haben ein Stellenangebot in einem Karriereportal gesucht, wieviele dieser Besucher sind wieder gekommen als „Repeat Visitor“?

Jeder Search Engine Marketeer kann die Bedeutung dieser Meßzahlen noch vor dem ersten karnevalistischen Helau erklären, die Fallstricke dieser Meßverfahren schafft er im berüchtigten 30-Sekunden-Elevator-Pitch schon in der zweiten Etage. Aber dann wird die Luft dünn.

Fremdgänger und Mehrfachnutzung

Wer die Hintergründe des Bewerberverhaltens genauer ergründen will, sollte sich mit den Ergebnissen der Jobbörsen-Nutzer-Umfrage von CrossPro-Research näher auseinander setzten. Seit Herbst 2008 liefert diese Dauerumfrage wichtige Erkenntnisse, wie Stellensuchende die diversen Jobbörsen und Jobsuchmaschinen des Landes nutzen, mittlerweile liegen Stand Februar 2012 über 15.000 Bewertungen von Stellensuchenden vor.

Eine Erkenntnis über die Nutzerloyalität von Stellensuchende lässt sich aus den Zahlen der Mehrfachnutzung gewinnen. Die Bewerber wurden gefragt: „Wieviele zusätzliche Jobbörsen / Jobsuchmaschinen inklusive dieser gerade bewerteten Jobbörse haben Sie in den letzten 3 Monaten besucht?“. Die Zahlen zeigen es: viele Stellensuchende haben das Aldi-Gen im Blut. Als „Schnäppchenjäger“ möchten sie nur ungern eine interessante Karrierechance verpassen – denn es geht um den Einstieg in den Wunschberuf, den Ausstieg aus der Arbeitslosigkeit oder den Aufstieg auf der Karriereleiter.

Die Umfrageteilnehmer war nicht zurückhaltend und gaben bereitwillig Auskunft, mehr als zwei Drittel (10.845) der Bewerber legten die Karten offen: 93,1 Prozent der Jobbörsen-Nutzer gaben an, bis zu sechs Jobportale gleichzeitig zu nutzen, Tendenz gegenüber dem Vorjahr steigend. Für Bewerber zeigt sich deutlich, wie zeitraubend die Suche nach passenden Stellenangeboten ist, für die Marketing-Strategen der Jobbörsen scheint heute schon Aschermittwoch mit Kehraus zu sein: Trotz boomender Konjunktur und praller Portemonnaies bei den Werbebudgets kann zwar der Bekanntheitsgrad eines Karriereportals gesteigert werden, doch die Nutzer entpuppen sich nach wie vor als Fremdgänger. So bleibt zu konstatieren, daß die großen Karriereportale es (noch) nicht geschafft haben, ein Alleinstellungsmerkmal gegenüber den Wettbewerbsportalen zu erreichen.

Mehrfachnutzung von Jobbörsen. (Quelle: Crosspro-Research.com)

Brisant: Der hohe Überlappungsgrad

Eine besondere Brisanz gewinnt die Analyse der Mehrfachnutzung, wenn man den Überlappungsgrad zweier oder mehrer Jobportale betrachtet.  Die Auswertung des Nutzerverhaltens bezogen auf die grossen Karriereportale Monster und Stepstone zeigen auf, dass 50% der Monster-Nutzer auch zusätzlich auf dem Karriereportal von Stepstone nach passenden Karrierechancen sucht. Umgekehrt suchen nur 39% der StepStone-Nutzer auch nach Stellenangeboten auf dem Monster-Jobportal.

Nutzungsüberlappung Monster-Stepstone
Nutzungsüberlappung Monster – Stepstone

 

Hohe Streuverluste bei der Anzeigenschaltung

Das Beispiel des Überlappungsgrades von StepStone- und Monster-Nutzer macht deutlich,  daß die bei Medienagenturen und Recruitern so beliebte zeitgleiche Mehrfachschaltung von Stellenanzeigen bei mehreren Jobportalen sich als Placebo mit hohem Streuverlust entpuppen könnte.  Zu Risiken und Nebenwirkungen dürfen Personaler dabei nicht ihre Medienagentur oder den freundlichen Key-Accounter des Jobportals fragen – im Ernstfall sind diese  Zusammenhänge und Zahlen eher nicht bekannt.

Über CrossPro-Research

www.crosspro-research.com

Ziel des Projekts ist es, mithilfe einer Online-Umfrage unter Stellensuchenden deren Einschätzungen, Präferenzen und Bewertungen von Jobbörsen und Jobsuchmaschinen zu erheben. Dabei soll auch festgestellt werden, auf welche Funktionen und Nutzungsbereiche Stellensuchende Wert legen. Die Umfrage wurde im Oktober 2008 initiiert und ist eine Langzeitumfrage, um Trends in den Recruiting-Präferenzen zu ermitteln. Die Online-Umfrage wird als Gemeinschaftsprojekt von PROFILO Rating-Agentur GmbH und Crosswater Systems Ltd. durchgeführt. Beide unabhängige Unternehmen sind seit über 10 Jahren im Bereich der e-Recruiting -Marktforschung bzw.- Marktanalysen tätig.

Die bei Arbeitgebern und Bewerbern so ermittelten Qualitätsbeurteilungen der Jobbörsen werden vom Institute for Competitive Recruting in einer Meta-Analyse konsolidiert und um die wichtigen Messgrössen zur Reichweite und Besucher-Popularität ergänzt. “Die Besten Jobportale Deutschlands” zeigen auf, welches die beliebtesten Jobportale sind.

Recruiter, Arbeitgeber oder Personaldienstleister können die Ergebnisse hier beziehen: http://www.crosspro-research.com/recruiter.html Eine kostenfreie „Management Summary“ steht dort ebenfalls zum Download bereit.

 

1 Kommentar zu „Fremdgänger: Jobbörsen-Beziehungsloyalität der Bewerber unter der Lupe“

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