Der recruiting-convent 2009: Eine Insidertagung für Personalmarketing und Recruiting der besonderen Art

Trotz Krisen-Populismus punkten Personaler

Professor Dr. Christoph Beck
Professor Dr. Christoph Beck

Nichts ist leichter in diesen Tagen der Finanz- und Wirtschaftskrise als sich mit Budgetstreichungen, Stellenabbau und sinnfreien Kostensenkungsmaßnahmen bei Controllern und Vorgesetzen populär zu machen. Da wird das Reisekostenbudget gnadenlos zurückgestutzt, Firmenvorstände werden bei Linienflügen von der First Class in die Business Class deklassiert, der Büromaterialverbrauch wird einer kritischen Prüfung unterzogen und die kostenlosen Getränke am Kaffeautomaten sind ein Relikt der Vergangenheit. Schwieriger wird es, wenn Personaler trotz Krisenhype eine antizyklische Personalarbeit betreiben wollen und Personalmarketing nach wie vor Thema im Überzeugungsk(r)ampf ist. Es zeigt sich, daß betriebswirtschaftlicher Populismus seine Grenzen hat und Personaler mit anti-zyklischen Strategien punkten können.

Die Crosswater-Redaktion sprach mit Professor Dr. Christoph Beck über dieses konfliktträchtige Thema.

Crosswater Systems: Nachdem die Finanzkrise in der Realwirtschaft angekommen ist, sind es nicht Wenige die behaupten, dass 2009 nicht unbedingt das Jahr für Personalmarketing und Recruiting ist. Schließen Sie sich dieser Meinung an?

Prof. Dr. Beck: Es wäre naiv zu glauben, dass die Finanzkrise sich nicht spürbar auf das Personalmarketing und Recruiting auswirkt, wenn auch sehr unterschiedlich. Es gibt Unternehmen und Branchen, die sehr stark von den Auswirkungen der Finanzkrise betroffen sind und mit Einstellungsstopps oder Personalabbau und nicht unerheblichen Budgetkürzungen zu kämpfen haben. Wiederum Andere sind zurzeit weniger davon betroffen und agieren aber sehr vorsichtig bzw. ängstlich. Unabhängig davon, zu welcher Kategorie von Unternehmen man selbst zählt, 2009 ist nach meiner Einschätzung das Jahr für Personalmarketing und Recruiting. Nie waren die Voraussetzungen zur Profilierung und Positionierung eines Unternehmens als Arbeitgebermarke besser und zu kaum einer Zeit waren die Chancen größer, sich vom Wettbewerb abzugrenzen und ein positives Arbeitgeberimage aufzubauen.

Crosswater Systems: Warum wird Ihrer Meinung nach 2009 das Jahr für Personalmarketing und Recruiting sein?

Prof. Dr. Beck: Der Bewerbermarkt ist aufgeladen und die Aufmerksamkeit gegenüber den Unternehmen sowie die Sensibilität für Arbeitgeberinformationen ist extrem hoch. Während die Professionals die Sicherung des Arbeitsplatzes – ggf. auch bei einem anderen Arbeitgeber- und nach weiteren Karrieremöglichkeiten Ausschau halten, suchen die bis vor vier Monaten noch so begehrten Hochschulabsolventen weiterhin nach Perspektiven und Einstiegsmöglichkeiten. Wer in dieser bewegten und zugegebener Maßen emotionalen Zeit aus dem Blickfeld der potentiellen Bewerber verschwindet, wird nicht nur nicht mehr wahrgenommen, sondern muss damit rechnen, dass ein größerer Imageschaden entsteht, der sich mittel- bis langfristig auswirkt. Wer aus kurzfristigen Überlegungen (teils vielleicht auch Notwendigkeiten) heraus Messeauftritte und Hochschulpräsenzen absagt und die Medienpräsenz auf Null fährt, verschwindet im besten Fall aus den Köpfen der relevanten Zielgruppe. Im schlimmsten Fall aber nehmen die relevanten Zielgruppen aber eine solche Inaktivität und Nicht-Kommunikation zur Kenntnis. Ich möchte damit sagen, dass in der heutigen Zeit die Sensibilität des Bewerbermarktes extrem hoch ist und dieser die Aktivitäten und Inaktivitäten der Arbeitgeber gleichermaßen zur Kenntnis nimmt. Unabhängig des gewählten Handlungsmusters steht fest, das die Nachhaltigkeit in den Köpfen der relevanten Zielgruppe groß sein wird.

Crosswater Systems: Bedeutet dies, dass das Personalmarketing und Recruiting in diesem Jahr eine besondere „Feuerprobe“ zu bestehen hat?

Prof. Dr. Beck: Ein eindeutiges „Ja“! Die besondere Herausforderung besteht für Personalmarketing und Recruiting auf der einen Seite darin, mit einem externen Bewerbermarkt in einer wirtschaftlich schwierigen Situation zu kommunizieren, auch wenn die Anzahl der konkreten Stellenangebote abnehmen sollte und auf der anderen Seite darin, das interne Personalmarketing weiter auszubauen bzw. zu stärken. Die Kunst wird darin bestehen, auch in diesen Zeiten proaktiv zu kommunizieren und zu handeln.

Crosswater Systems: Bedeutet dies auch, dass Personalmarketing und Recruiting 2009 selbst auf dem Prüfstand stehen?

Prof. Dr. Beck: Sicherlich wird dem so sein, da ein Verharren in Inaktivität irgendwann auch die Frage nach der Existenzberechtigung von Personalmarketing und Recruiting auslösen wird. Aber die Voraussetzungen und Chancen sind gut, vorausgesetzt man nutzt sie, denn es gibt viel zu tun.

Crosswater Systems: Wenn Sie sagen, es gibt viel zu tun, meinen Sie damit auch die Themen, die auf dem recruiting-convent2009 am 16. und 17.März im Schloß Bensberg auf der Agenda stehen?

Perspektivenwechsel

Prof. Dr. Beck: Ja! Der recruiting-convent2009 bietet ein exorbitant gut ausgewähltes Portfolio an hochkarätigen Erfahrungs- und Praxisberichten sowie Fallbeispielen zum Aufbau und der Entwicklung bzw. Führung von Arbeitgebermarken, dem Talentmanagement oder auch zum Aufbau und zur Pflege von Ehemaligen-Netzwerken (Alumni) auf der einen Seite. Auf der anderen Seite stehen hochqualifizierte Beiträge zum Motto „Perspektivenwechsel“ auf der Agenda. Es geht hierbei darum, dass Personalmarketing und Recruting „Von anderen lernen“ kann. Lange genug haben wir uns gerne mit uns selbst beschäftigt und wir denken immer wieder in gleichen Bahnen. Ich glaube das geht jedem so. Beim recruiting-convent2009 kommen einmal absolute Experten aus dem Bereich Produktmarketing, Communication und Internetökonomie mit ihren Beiträgen und Erfahrungen zu Wort, die unseren Denk- und Handlungshorizont mehr als nur erweitern können….

Crosswater-Systems: Es sind nicht Wenige in unserer Branche, die Sie Herr Prof. Dr. Beck nicht nur als einer der führenden Experten – dies ist unbestritten- , sondern auch als einer der Vorreiter und Querdenker im Bereich Personalmarketing und Recruiting bezeichnen. Wenn im Rahmen des recruiting-convents Personalmarketingund Recruiting Ihrer Ansicht nach von den Disziplinen Produktmarketing, Communication und Internetökonomie lernen kann, schließt sich automatisch die Frage an, ob dies dann auch die Zukunftsthemen sind, mit denen wir uns in den nächsten Jahren beschäftigen?

Professor Dr. Wolfgang Jäger
Professor Dr. Wolfgang Jäger

Prof. Dr. Beck: Ob etwas ein Zukunftsthema ist oder nicht, ist sicherlich auch davon abhängig, wo man selbst zurzeit steht. Fakt ist aber, dass für erfolgreiches Personalmarketing und Recruiting heute schon – und zukünftig noch mehr- die Zusammenarbeit mit den Bereichen Unternehmenskommunikation und Produktmarketing intensiver, nein sogar absolut notwendig sein wird. Und nachdem wir in den letzten Jahren gelernt haben, wie eine optimale HRM-Homepage grundsätzlich auszusehen hat, sollte man sich auch mit dem Thema beschäftigen, wie der User auf die Website kommt. D.h. das Wissen aus der Internetökonomie über Suchmaschinen, Blogs & Social Networks wird zur Erfolgsdeterminante. Neben diesen Themen wird auf dem recruiting-convent2009 aber auch Kollege Prof. Dr. Wolfgang Jäger Einblicke in eine Zukunftstechnologie gewähren, indem er nicht nur darüber spricht, sondern auch demonstriert, wie das Mobile Recruiting funktioniert, d.h. das Handy für Personalmarketing & Recruiting künftig eingesetzt werden kann.

Handlungsmuster für die Zukunft zu entwickeln heißt aber auch Bewährtes einmal anders zu machen. So stellt Frau Silke Leimser (Manager Personalmarketing Accor Hotellerie Deutschland GmbH) die klassische Personalauswahl auf den Kopf und berichtet über Ihre Erfahrungen mit einem Bewerber-Casting und dem Speed-Interview.

Crosswater-Systems: Der recruiting-convent2009 als InsiderJahrestagung für Recruiter zählt zwischenzeitlich zu den wohl hochkarätigeren Veranstaltungen dieser Art und mit dem Schloss Bensberg haben Sie sich ja auch eine außergewöhnliche Lokation ausgesucht. Hand aufs Herz: ist es eine Veranstaltung nur für Großunternehmen oder anders gefragt, wer trifft sich da jedes Jahr?

Prof. Dr. Beck: Die Veranstaltung ist sowohl für Vertreter von Grußunternehmen wie auch für den Mittelstand. So ist auch das Programm aufgebaut. Wir haben Beiträge von namhaften Großunternehmen, ebenso wie von ausgewählten hervorragend im Personalmarketingund Recruiting aufgestellten Unternehmen aus dem Mittelstand. Der Philosophie folgend, dass jeder von jedem lernen kann, macht die Veranstaltung vom Programm her so interessant. Aber entscheidend sind die Teilnehmer und Referenten des recruiting-convents. Sie teilen allesamt die gleiche Leidenschaft, nämlich Personalmarketing und Recruiting.

Crosswater-Systems: Wenn man mit Ihnen über den recruiting-convent2009 spricht, legen Sie immer sehr viel Wert darauf, dass es sich hierbei um eine Insider-Jahrestagung handelt. Warum ist das so bzw. warum legen Sie soviel Wert darauf?

Prof. Dr. Beck: Der Grund hierfür ist wahrscheinlich einfacher als Sie denken. Zwischenzeitlich gibt es nahezu eine unüberschaubare Anzahl von Tagungen und Kongressen. Der recruiting-convent2009 ist von A-Z eine Veranstaltung von Personalern für Personaler und hier von und für Experten des Personalmarketings und Recruitings. Die Teilnehmer genießen es, einmal unter sich zu sein und sich völlig ungezwungen auszutauschen, Networking zu betreiben und Recruiting-Kompetenz um sich herum zu spüren und zu erleben. Zwischenzeitlich kommen einige jedes Jahr wieder, weil man auch den kompetenten Austausch mit anderen Kolleginnen und Kollegen nicht nur sehr schätzt, sondern weil man sich auch darauf freut, sich in einem tollen Ambiente zu treffen und wiederzusehen. Auch wenn das Programm mit 16 Vorträgen sportlich ist, so bleibt dennoch Zeit für einen qualitativ hochwertigen Austausch.

Crosswater-Systems: Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Beck,  herzlichen Dank für das ausführliche Interview.

Weiterführende Links:
3. Recruiting Convent 2009 Schloß Bensburg

Veröffentlichungen von Prof. Dr. Christoph Beck

* Beck, C. (2008):
Attraction – Arbeitgeberattraktivität, in: Jäger, W. (2008): Talent-Management – Herausforderungen für die Zukunft? Wolters Kluwer Verlag (erscheint im Januar 2009)

* Beck, C. (2008):
Arbeitgeberimage-Energie, Eine Studie zur Energie-Branche, Koblenz

* Beck, C. (2008):
Unterschätzte Disziplin-Strategisches Personalmarketing als eine der entscheidenden Kmpetenzen von Unternehmen, in: Summer-School für Manager Wirtschaftswoche & McKinsey), in: Wirtschaftswoche, Nr. 36,
S. 08-81.

* Beck, C. (Hrsg.) (2008):
Personalmarketing 2.0. Vom Employer Branding zum Recruiting, Wolters Kluwer Verlag

* Beck, C. (2008):
Jobbörsen im Vergleich. Eine vergleichende Analyse von 100.000 Stellenanzeigen bei den Internet-Stellenmärkten, Koblenz 2008

* Beck, C. (2007):
Employer Branding: Entscheidend ist, wie man es tut, in: personalmagazin,
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* Beck, C. (2007):
Employer Branding: Das Produktimage übertragen – Praxisbeispiele Vodafone und neckermann.de, in: personalmagazin, 11/2007, S. 64-65

* Beck, C. (2007):
Crossmedia-Konzepte im Recruiting sind unumgänglich, in: Zeitschrift für Energiewirtschaft, H. 7, S. 75-76

* Beck, C. (2007):
Die Nutzer tragen zur Qualität bei, in: personalmagazin, 06/2007, S. 52-53
* Beck, C. (2007):
Jobbörsen im Vergleich. Eine vergleichende Analyse von 9.000 und 66.000 Stellenanzeigen bei den Internet-Stellenmärkten, Koblenz 03/2007

* Beck, C. (2007):
Kompetenz-Studie. Welche Kompetenzen fordern die Unternehmen von Bewerbern? -Ergebnisse-, Koblenz 01/2007

Veröffentlichungen von Prof. Dr. Wolfgang Jäger
2008

* Jäger, W. / Schön, M.: Der beste Arbeitgeber: Was Rankings, Wettbewerbe und Preise bringen, in: Wirtschaftspsychologie aktuell, Heft 3/2008, S. 35-37
* Jäger, W. / Böhm, S.: Junge Talente richtig „anbaggern“, in: HR Performance, Heft 3/2008, S. 12-16
* Jäger, W.: Übersicht: Interaktive Internet-Tools für das Personalmanagement, in: HR Today, Heft 7/8 2008, S. 25-28
* Jäger, W.: Die Zukunft im E-Recruiting: Web 2.0, Mobile Media und Personalkommunikation, in: Beck, C. (Hrsg.): Personalmarketing 2.0, Köln 2008, S. 57-65
* Jäger, W.: Von Mobile Media zum mobilen E-Recruiting, in: DGFP e.V. (Hrsg.): PraxisPapiere des Arbeitskreises Web 2.0, Ausgabe 3/2008, S. 67-70
* Jäger, W. / Porr, D.: Nutzenpotenziale des Web 2.0 im Personalmanagement, in: DGFP e.V. (Hrsg.): PraxisPapiere des Arbeitskreises Web 2.0, Ausgabe 3/2008, S. 13-25
* Jäger, W. / Meser, C.: Anspruch und Wirklichkeit, in: Personalwirtschaft, Heft 06/2008, S. 32-33
* Jäger, W. / Meser, C. (Hrsg.): Human Resources im Internet 2007/08 – Bewertung der HR-Websites bedeutender deutscher Arbeitgeber, Wiesbaden / Norderstedt 2008
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* Jäger, W. / Meser, C.: Präsenzchancen für Arbeitgeber steigen, in: Persorama, Heft 4 (Winter 2007/08), S. 28-33
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* Jäger, W.: Bewerber am Zug, in: PERSONAL Spezial, Mai 2007, S. 4
* Jäger, W. / Jäger, M. / Frickenschmidt, S.: Verlust der Informationshoheit, in PERSONAL 02/2007, S. 8 – 11
* Jäger, W. / Hormann, K. / Hesse, G.: Personalleiterstudie 2006 – HR-Praxis im Ländervergleich, in: HR-Today 1&2/2007, S. 48-49
* Jäger, W. / Frickenschmidt, S.: Aufbau und Struktur von erfolgreichen HR-Websites, in: Wollert, A. / Knauth, P. (Hrsg.): Human Resource Management – Neue Formen betrieblicher Arbeitsorganisation und Mitarbeiterführung, Düsseldorf 2007

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