Rethinking Work-Live-Balance: Wie Fach- und Führungskräfte zufriedener im Job werden können

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Prof. Dr. Martin-Niels Däfler (Fotografin Monika Harling )

„Entspannt Karriere machen“ – das ist eines der Schwerpunktthemen von Professor Dr. Martin-Niels Däfler. Bei seinem aktuellen Buchprojekt schaut der Kommunikationsexperte auf Deutschland und seine Fach- und Führungskräfte. Sind sie glücklich in ihrem Beruf? Im Interview mit REthink gibt er sowohl erste Einblicke in die noch laufende Studie als auch ein paar Glücks-Tipps für die eigene Karriere.

Herr Professor Däfler, Sie arbeiten derzeit an Ihrem neuen Buch „Glücklicher im Beruf“. Wie kam es zu der Idee?

Auf Grundlage meines Buches „Karriereführerschein“ halte ich mit meinem geschätzten Kollegen Ralph Dannhäuser Vorträge. Er ist Social-Recruiting-Experte und kennt sich bestens mit Karriere-Netzwerken und Bewerbung aus. Da lag es nahe, unser Wissen zu bündeln und eine Antwort auf die Frage zu geben, wie man glücklich(er) im Beruf wird.

Worauf beruhen Ihre Erkenntnisse für das Buch?

Kernstück ist eine anonyme Online-Umfrage unter Arbeitnehmern und Führungskräften in Deutschland. Technisch unterstützt uns dabei Gerhard Kenk von Crosswater Job-Guide.

Können Sie und schon einige Ergebnisse oder Tendenzen aus der Umfrage verraten?

Bis dato haben über 1.000 Personen an der Kurzbefragung teilgenommen. Sie läuft noch, aber so viel kann ich schon sagen: Die Deutschen sind weder besonders unglücklich noch außergewöhnlich happy im Beruf. Die meisten behaupten: „Es passt schon irgendwie.“

Arbeitnehmer fügen sich also ihrem Schicksal?

Das ist menschlich. So lange es scheinbar mehr Risiken als Vorteile gibt, verharren wir in unserer Situation. Der wichtigste Grund für Unzufriedenheit im Job ist wohl ein schwieriges Verhältnis zum unmittelbaren Vorgesetzten. Das war erwartbar. Überrascht hat uns, dass viel mehr Berufstätige angegeben haben, unterfordert statt überfordert zu sein. In der öffentlichen Diskussion hören wir ja immer wieder, wie gestresst wir sind, hauptsächlich wegen Überforderung am Arbeitsplatz. Das passt nicht zu unseren Befunden.

Wie bewerten Sie das?

In den jährlichen Gesundheitsreports der großen Krankenkassen lesen wir vom kontinuierlichen Anstieg seelischer Leiden. Nur Stress und Druck dafür verantwortlich zu machen, ist zu einseitig. Es gilt, auch den vom Bore-out Bedrohten Hilfe anzubieten.

Wie können Arbeitgeber ihre Mitarbeiter glücklich machen?

Dazu ist gar nicht viel erforderlich, das belegen unsere Befragungsergebnisse. Lasst die Leute einfach in Ruhe ihre Arbeit machen, zeigt ernst gemeinte Anerkennung und behandelt sie nicht wie Kinder. Das ist nicht überraschend, scheinbar aber eine gewaltige Herausforderung. Dreh- und Angelpunkt sind die Führungskräfte. Konkret heißt meine Empfehlung für Unternehmen: Investiert viel mehr Aufmerksamkeit in die Auswahl eures Managements und schenkt euren Mitarbeitern mehr Vertrauen.

Wie können Führungskräfte diese Herausforderung meistern?

Wie immer im Leben sollte der erste Schritt darin bestehen, ernsthaft in den Spiegel zu schauen: Wie sehr vertraue ich meinen Mitarbeitern? Muss ich alles kontrollieren? Wie offen bin ich für die Vorschläge und Standpunkte anderer? Es ist sicherlich hilfreich, sich als Führungskraft der eigenen Fehlbarkeit bewusst zu bleiben und seine Sichtweisen immer wieder objektiv zu hinterfragen.

Können auch Mitarbeiter etwas tun, um ihr Glücks-Potenzial zu erhöhen?

Oh ja! Genau darum geht es ja in unserem Buch. Man kann nichts und niemanden ändern, nur sich selbst. Wer darauf hofft, der cholerische Chef oder der intrigante Kollege würde morgen wie verwandelt sein, irrt. Mitarbeiter haben etliche Möglichkeiten, ihre materielle und immaterielle Zufriedenheit zu verbessern – in unserem Buch geben wir dazu zahlreiche, ganz konkrete Anregungen und Tipps.

Welche zum Beispiel?

Wenn ich meine materielle Zufriedenheit verbessern möchte, sollte ich mich auf die nächste Gehaltsverhandlung gründlich vorbereiten und über einen längeren Zeitraum notieren, was konkret dafür spricht, mir mehr zu zahlen. Viele Arbeitnehmer argumentieren pauschal, im schlimmsten Fall mit der Begründung „Wir haben gebaut, ich brauche mehr Geld.“ Das überzeugt keinen Chef. Wer jedoch eine Liste mit erfolgreich abgeschlossenen Projekten vorlegt, punktet. Ein Beispiel zur immateriellen Zufriedenheit: Häufig belastet uns ein angespanntes Verhältnis zu Kollegen, und wenn es nur der Streit um die nicht weggeräumte Tasse in der Kaffeeküche ist. Dabei hilft es, einfach mal nach den Gründen zu fragen. Wer nicht gleich blökt, sondern fragt, „Warum ist dir das wichtig?“, der zeigt, dass er an einer konstruktiven Lösung interessiert ist.

Herr Däfler, vielen Dank für das Gespräch.

Hier geht es zur KURZUMFRAGE.

Zur Person

Professor Dr. Martin-Niels Däfler, Jahrgang 1969, lehrt im Fachbereich Kommunikation an der FOM Hochschule für Ökonomie und Management in Frankfurt am Main. Zudem ist er als Trainer und Redner tätig und hat im Spessart die bundesweit einmaligen Erlebnislehrpfade „KommunikationsWALD“ und „GlücksWEG“ errichtet. Däfler veröffentlichte 15 Bücher, vor allem zu den Themen „Stress reduzieren“ und „entspannt Karriere machen“. „Glücklicher im Beruf“ erscheint 2016 im Springer-Verlag.

Fotografin: Monika Harling

Quelle: Rethink – Der Recruiting Blog

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