Konkurrenz für #Google4Jobs: Das Alleinstellungsmerkmal ist perdu

Gerhard Kenk

Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Es hat gerade einmal etwa 12 Monate gedauert, bis das Alleinstellungsmerkmal von Google for Jobs (#Google4Jobs) verloren gegangen ist. Die Rede ist von Bing, Googles Suchmaschinenkonkurrent und von LinkedIn, beide Plattformen sind im Besitz von Microsoft. Das geht aus einem Bericht von Joel Cheesman hervor.  Der Vergleich der Layouts von Stellenanzeigen bei #Google4Jobs und Bing bzw. Linkedin zeigt Cheesman zufolge viele Gemeinsamkeiten auf, abfälliger als „abgekupfert“ formuliert.

Damit intensiviert sich der Technologie-Wettbewerb um eine moderne, revolutionäre Darstellung von Stellenanzeigen. Jobportale wie Indeed.com, Glassdoor, Stepstone mit ihrem neuen „Liquid Design“ oder Jobware setzen auf das neue Konzept des Split Designs. Dabei werden in der linken Bildschirm-Spalte die verfügbaren Jobangebote angezeigt, in der rechten, grösseren Spalte erscheint dann die eigentliche Stellenanzeige. Die Vorteile für den Bewerber liegen auf der Hand: höhere Benutzerfreundlichkeit und überschaubare Filtermöglichkeiten machen die Jobsuche übersichtlicher.

Zusatzinformationen, die dem Bewerber die Entscheidung für oder auch gegen eine Bewerbung unterstützen, werden in einem „digitalen Rahmen“ um die Stellenanzeige herum platziert. Dazu gehören – je nach Datenverfügbarkeit – Angaben über ähnliche Arbeitgeber, ähnliche Jobs in anderen Städten, Gehaltsvergleiche (sorry, die sind in Deutschland noch immer tabu) oder Arbeitgeberbewertungen  à la Kununu oder Glassdoor. (Eine ausführliche Analyse finden Sie hier:  Wohin führt die Revolution der Stellenanzeigen? Innovationen von Google, Glassdoor und Indeed)

So präsentiert sich die Jobsuche bei LinkedIn:

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Stellenanzeige Web Designer Berlin gefunden bei LinkedIn

Im neuen „Liquid Design“ präsentiert Stepstone Stellenanzeigen ebenfalls in der modernen Split View und bietet eine schnelle Filterauswahl nach Merkmalen wie Erscheinungsdatum, Kompetenzen, Berufsfeld, Branche, Region oder Berufserfahrung, um die Bewerber-Bedienerfreundlichkeit wesentlich zu verbessern. Bei #Google4Jobs werden diese Features „Link Tipp Containers“ genannt.

 

Stellenanzeige im liquid Design für Web Designer in Berlin gefunden bei Stepstone

Eigentlich ist zu vermuten, dass potentielle Zusatzinformationen auch angeboten werden können, die bereits jetzt in den Datenbank-Tresoren von Stepstone schlummern. Gehaltsvergleiche werden von Stepstone schon regelmässig publiziert, Arbeitgeber-Informationen werden im „Company Hub“ akkumuliert und Informationen zu Mietpreisen können von der Springer-Tochtergesellschaft ImmoWelt bezogen werden. Vielleicht ist es nur eine Frage der Zeit, bis diese Konzepte umgesetzt werden.

Joel Cheesmann fasst seine Einschätzung der Entwicklungen um Bing, LinkedIn & Co so zusammen:

Slowly but surely, Google, Microsoft, and Facebook are taking over the recruitment universe. This move by Microsoft isn’t as earth shaking as Google’s, but it’s significant and the forward motion continues.

Welche Gemeinsamkeiten lassen sich aus diesen Entwicklungen ableiten?

Im Kern geht es um den Aufbau oder die Akquisition von beruflichen „Communities“, die für Stellenanzeigen adressiert werden können.

  • Facebook Jobs kann Stellenanzeigen in den Timelines ihrer Mitglieder, weltweit sind es über 2,23 Milliarden MAUs (Monthly Active Users), in Deutschland nutzen 30 Millionen Facebook.
  • Die Übernahme von LinkedIn durch Microsoft bedeutet für den Software-Giganten eine Investition von über 26 Milliarden US-Dollar, LinkedIn verzeichnet über 504 Milliarden Mitglieder weltweit, in Deutschland, Österreich und der Schweiz  sind es 11 Millionen.
  • XING verzeichnet über 14 Millionen Mitglieder im deutschsprachigen Raum und hat mit der Übernahme der Jobsuchmaschine Jobbörse.com für über 6 Millionen Euro wesentliche Voraussetzungen geschaffen, um in das Geschäft mit Stellenanzeigen einzusteigen.
  • Mit der Übernahme von GitHub, einem professionellen Netzwerk der Software-Entwickler für 7,5 Milliarden US-Dollar verschafft sich Microsoft Zugang zu etwa 28 Millionen IT-Entwicklern weltweit
  • ResearchGate, ein soziales Netzwerk für Wissenschaftler ist ein deutsches Startup in Berlin und verzeichnet über 15 Millionen Wissenschaftler, darunter auch 68 Nobelpreisträger. Falls ResearchGate attraktiv für einen der weltweit tätigen Recruiting-Plattformen ist, könnten sich die Gründer um  Ijad Madisch, Sören Hofmayer und Horst Fickenscher schon einmal für Verhandlungen potentieller Investoren vorbereiten.
  • Klassische Jobbörsen, die keinen Zugang zu eigenen beruflichen Communities haben müssen sich auf den Aufbau von e-Mail-Listen mit Angeboten wie Jobs per Mail bzw. Job-Agenten konzentrieren.

Stellenanzeigen sind noch lange nicht tot, sie erfinden sich derzeit neu. Arbeitgeber, Recruiter, Jobbörsen, Agenturen und Softwarelösungsanbieter sind gut beraten, sich in diesen Entwicklungen auf dem neuesten Stand zu halten.

Stellenanzeigen erfinden sich neu.