Berufsbild Ghostwriter: für andere schreiben

Für die Beauftragung eines Ghostwriters gibt es viele Anlässe: Blogartikel, Sachbücher, Abschlussarbeiten, Reden oder Liebesbriefe. Wer sich mit dem Schreiben schwertut, aber gut geschriebene Texte benötigt, engagiert einen Ghostwriter für sein Vorhaben. Ob im akademischen Bereich oder für höchst private Zwecke – das Schreiben für andere ist ein Berufsbild zwischen Traumberuf und Plagiatsverdacht.

Ghostwriter, Texter oder Autoren verwirklichen die Ideen ihrer Auftraggeber mit passenden Worten

Der Beruf des Ghostwriters

Was macht diesen Beruf aus und worin unterscheidet er sich von anderen Texterberufen? Ein entscheidendes Attribut ist die Tatsache, dass ein Ghostwriter sein Werk nicht unter seinem Namen verfasst und sämtliche Rechte für den Gebrauch und die Veröffentlichung an seinen Auftraggeber verkauft. Er muss in der Lage sein, selbstständig nach den gestellten Vorgaben zu recherchieren, den Text aufgabengerecht zu verfassen und zudem den Stil seines Kunden zu treffen.

Ghostwriter werden im wirtschaftlich-technischen, politischen, kulturellen oder journalistischen Bereich eingesetzt. Schreibt ein Ghostwriter eine politische Rede oder eine Biografie, gibt es keine Zweifel an der Legalität seines Tuns. Es ist mittlerweile üblich, für solche Zwecke einen Ghostwriter zu engagieren. Für viele – privat genutzte – Bereiche des Ghostwritings sind vor allem Kreativität und Feingefühl gefragt. Wer Liebesbriefe oder persönliche Lebenserinnerungen verfasst, muss es schaffen, den Text so zu formulieren, als hätte ihn der Auftraggeber geschrieben. Empathie und Menschenkenntnis sind hierbei definitiv von Vorteil.

Für akademische Ghostwriter gelten besondere Anforderungen an die Qualität ihrer Arbeit. Die Berücksichtigung von wissenschaftlichen Standards, fachliche Qualifikation und höchste Sorgfalt müssen von Ghostwritern genauso eingehalten werden wie die Transparenz ihres Tuns.

Die verkaufte Autorenschaft

Diskretion und Verschwiegenheit sind für einen Ghostwriter genauso wichtig wie fachliche Qualitäten. Soll ein Ghostwriter mit seinem Namen im Hintergrund bleiben, dann ist das Teil des Auftrags und das Los vieler Texterberufe. Auch ein Texter verkauft in vielen Fällen die Urheberrechte an seinem Text. Für alle, für die das Schreiben eine Art Traumberuf darstellt, ist das nur kurzfristig befriedigend. Wer etwas auf sich und sein Talent hält, verwirklicht sich früher oder später als Autor seiner Schreiberzeugnisse und kann unter deren Veröffentlichung seinen Namen setzen.

Ghostwriter und Texter, aber auch Redakteure und Copywriter arbeiten häufig in freiberuflichen Verhältnissen und sehr viele von ihnen in Heimarbeit. Eine geregelte Ausbildung gibt es nicht. Der Weg zum erfolgreichen Ghostwriter führt häufig über andere Berufe im Medienbereich. Für das akademische Schreiben ist selbstverständlich eine entsprechende Ausbildung vonnöten. Eine Festanstellung für Ghostwriter gibt es selten, politische Redenschreiber haben dabei noch die besseren Aussichten auf ein Angestelltenverhältnis.

Bedarf und Vergütung von Schreiberzeugnissen

Honorare und Gehälter richten sich nach der Qualifikation des Schreibers und seiner Erfahrung. Ein gänzlich unerfahrener, aber leidenschaftlich gern schreibender Bewerber muss sich seine Schreibkompetenz erst hart erarbeiten.

Die Verdienstmöglichkeiten beim Ghostwriting steigen mit der Größe des Projekts, der Qualifikation sowie mit der Prominenz des Auftraggebers. Der Preis für das Verfassen einer Biografie von eher unbekannten Personen liegt meist zwischen 1.000 und 5.000 Euro, kann bei bekannteren Persönlichkeiten aber schon mehrere Zehntausend Euro betragen. In solchen Fällen sind Umsatzbeteiligungen am Verkauf üblich.

Wert und Wertschätzung des geschriebenen Wortes

Der Bedarf an Texten auf unzähligen Websites ist riesig und steigt beständig. Durch die Flut von potenziellen Verfassern werden Auftraggeber und Endkunden dazu verführt, die Preise für die Schreiberzeugnisse niedrig zu halten. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an hochwertig verfassten „einzigartigen Inhalten“. So lässt sich in den digitalen Medien immer stärker ein Trend zum Billigjournalismus beobachten. Sauber recherchiert soll der Artikel sein, originell und inhaltlich korrekt. Nicht besonders gut bezahlt und unter Zeitdruck sind Redakteure und Texter schnell dazu verleitet, Inhalte geschickt zu kopieren und bereits vorhandene Texte einfach miteinander zu verbinden.

Die meisten Ghostwriter und Journalisten bringen ein hohes Maß an eigenem Engagement und Liebe für den Beruf mit. Nicht nur die Medienlandschaft ändert sich, auch die Vermarktungs- und Verdienstmöglichkeiten. Viele freiberufliche Texter oder Ghostwriter versuchen sich als Blogger und betreiben über ihre eigene Plattform Affiliate-Marketing. Weitere Möglichkeiten sind, über eine eigene Website Onlinekurse und Webinare anzubieten sowie E-Books zu den eigenen Lieblingsthemen zu schreiben.

Selbstvermarktung ist Trumpf. Headhunter und Personalverantwortliche suchen heute selbstverständlich auf Social-Media-Plattformen wie LinkedIn und XING nach entsprechenden Talenten – somit lohnt es sich, auch in diesen Foren ansprechend zu schreiben.

Top secret: Viele Auftraggeber von Ghostwritern fordern höchste Verschwiegenheit über deren Tätigkeit

Plagiat oder brillant?

Was ist mit der Frage der Moral? Wer einen Ghostwriter beauftragt, schmückt sich mitunter mit fremden Federn. Das allein ist nicht unbedingt verwerflich und durchaus üblich. Nicht jeder hat die Fähigkeit oder das Talent, sich und seine Botschaften in einer überzeugenden Sprache zu vermitteln. Allerdings besteht auch eine riskante Grauzone, was die Plagiatsskandale rund um nicht korrekte Doktorarbeiten von Ex-Verteidigungsminister zu Guttenberg oder Ex-Bundesbildungsministerin Schavan vor einigen Jahren belegen. Der Verdacht auf unsaubere Methoden beim Verfassen der hoch dotierten Dissertationen hat seinerzeit die Betroffenen ihren politischen Posten gekostet.

Nach den aufgedeckten Bearbeitungsfehlern zwischen nicht einwandfreier Zitierweise und abgeschriebenen Textpassagen haben sich einige Plagiatsprüfsysteme und -plattformen wie PlagScan etabliert. Diese Software findet besonders häufig Anwendung in akademischen Einrichtungen und ist in der Lage, Milliarden von veröffentlichten Dokumenten mit dem eingereichten Text zu vergleichen.

Mittlerweile haben sich auch Online-Bewerbungsservices entwickelt, die mit professionellen Bewerbungsschreiben Kunden für sich gewinnen. Sind die Bewerbungen, was Inhalt und Form betrifft, qualitativ wirklich gut gemacht, profitieren davon der auftraggebende Bewerber und der Personalbearbeiter. Letztlich fungiert eine Bewerbung als eine Vermittlungsleistung. Wichtig ist dabei, dass die Bewerbung dem Bewerber gerecht wird. Schlecht ist, wenn seine Leistungen vom Bewerbungsservice angedichtet sind, denn das fällt meistens negativ auf. Kommt durch das optimierte Bewerbungsschreiben ein vielversprechender Kandidat in den Pool, dann können alle davon profitieren.

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