Reichweitenwettbewerb: StepStone führt klar vor Monster

Die Traffic-Analysen von IVW und Alexa im Vergleich

von Gerhard Kenk

Till Kästner

Als Till Kästner, der frühere Monster-Marketing-Chef, im letzten Herbst eine Kampagne zur Steigerung der Transparenz im e-Recruiting initiierte und in der Folge die Besucherzahlen des Karriereportals Monster.de durch die offizielle Medien-Instanz IVW ermitteln ließ, schien die Jobbörsen-Branche einem Durchbruch in Sachen Transparenz entgegen zu streben.

Monster übernahm die Vorreiter-Rolle im Engagement um mehr Transparenz bei Deutschland Jobportalen – die Reichweitenmessungen durch die IVW (Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.v.) war der erste konkrete Schritt.

Das Karriereportal monster.de weist ab sofort monatlich IVW-geprüfte Reichweitenzahlen aus. Mit seinem Beitritt zur Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) übernimmt Monster eine Vorreiterrolle im Engagement für zuverlässige und vergleichbare Zugriffs- und Reichweiten-Zahlen im Online-Recruiting-Markt unter den national führenden Jobportalen. Ziel ist es, die Entscheidungsfindung der Unternehmen im Personalbereich mithilfe anerkannter Standards zu erleichtern und die Vergleichbarkeit der Anbieter zu gewährleisten.” (Quelle: Pressemeldung von Monster Deutschland vom 28.10.2010)

Das war im Oktober 2010 – was hat sich seither bei diesem Thema getan? Natürlich konnte Wettbewerber StepStone nicht untätig bleiben – und arrangierte ebenfalls die Mitgliedschaft im IVW und ließ fortan die Besucherzahlen bei StepStone.de durch das IVW-Messverfahren ermitteln und zertifizieren. Heute, ein knappes halbes Jahr nach StepStones Engagement, bleibt die Situation noch in hohem Maße überschaubar, was die IVW-Mitgliedschaft der Karriereportale betrifft, weitere Jobportale und Wettbewerber haben sich dem IVW-Verfahren seither (noch) nicht angeschlossen.

Klar überschaubar sind auch die Besucherzahlen für die beiden grossen privatwirtschaftlichen Jobbörsen, Monster.de und StepStone.de.

Im Reichweitenwettbewerb zeigen die IVW-Besucherzahlen für die Monate Februar bis April 2011 einen klaren Vorsprung von StepStone vor Monster. Im März 2011 erzielte Stepstone 6.8 Millionen Gesamt-Besuche gegenüber Monster.de mit 5.3 Millionen, in den anderen beiden Monaten war der Abstand zwischen den beiden Jobportalen ähnlich groß.

Besucher StepStone und Monster April 2011 (Quelle IVW)

Messverfahren mit öffentlich zugänglichen Zahlen

Für die Reichweiten-Analyse stehen den Recruitern und Mediaplaner in Deutschland zwei Verfahren zur Verfügung: Das IVW-Messverfahren und die Traffic-Analyse von Alexa.com. Beide haben ihre grundlegenden Vorteile und Einschränkungen – dies soll nun weiter untersucht werden. Und eine spannende Frage ist zu beantworten: Liefern denn beide Messverfahren vergleichbare, öffentlich einsehbaren Ergebnisse?

Ein Blick auf die bei IVW nun verfügbaren Reichweitenzahlen macht klar, daß die Betreiber der Recruiting-Portale zur Zeit noch Mitglieder in einem kleinen, exklusiven Club sind. Lediglich neun Online-Stellenmärkte lassen ihre Besucherzahlen zur Zeit nach dem IVW-Verfahren messen. Darunter sind reinrassige Karriere-Portale wie Monster.de, Jobpilot.de, StepStone.de die Spezial-Jobbörse Stellen-Online.de und die Jobsuchmaschine Jobanova.de. Anderen Betreiber von Stellenmärkten sind Teil eines Hybrid-Portals (Kalaydo.de, Markt.de, Meinestadt.de), d.h. der Online-Stellenmarkt ist nicht das alleinige Angebot, es werden zusätzliche Rubrikenmärkte wie z.B. für Autos, Immobilien, Freundschaften angeboten oder der Stellenmarkt ist Teil eines Business-Netzwerks wie Xing.de. Wie hoch deren Traffic-Anteil für die Rubriken “Stellenangebote” ist, lässt sich nur erahnen, da diese Messungen von IVW unter der Kategorie “E-Commerce” pauschal ausgewiesen werden – auf der Basis von Seitenabrufen.

Nach den Regeln des IVW werden die Besucherzahlen auf den einzelnen Seiten eines Online-Portals bestimmten Kategorien zugewiesen, die später getrennt ausgewiesen werden. Bei den Kategorien werden die Seitenaufrufe für Anzeigen-/Rubriken-Portale generell unter „E-Commerce“ zusammengefasst, eine weitere separate Auswertung für die Seitenzugriffe auf Jobportale (=Stellenanzeigen) ist nicht möglich.

Deshalb wird die Aussagekraft bei den IVW-Statistiken für Hybrid-Portale, also Anzeigen-Portale mit verschiedenen Kategorien (Stellen, Autos, Immobilien, Freundschaft usw.) stark verwässert. Verwirrend für Aussenstehende wird es beispielsweise bei den IVW-Messungen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Unter FAZ.net werden Besucherzahlen durch IVW gemessen, ebenso die Besucherzahlen von der Jobbörse der FAZ unter FAZjob.net. Doch diese Traffic-Zahlen werden nicht unter der Jobbörse FAZjob.net ausgewiesen, sondern pauschal unter der Kategorie e-Commerce bei der Dachmarke FAZ.

Die IVW-Kategorien im Überblick

E-Commerce

Diese Kategorie umfasst die Seiten eines Onlineangebots, die zum Ziel haben Handel mit gewerblichen oder privaten Kunden über das Netz zu treiben. Für die Zuordnung in die Kategorie E-Commerce ist es unerheblich, ob die Bezahlung ebenfalls online oder auf herkömmliche Weise erfolgt. Die Auslieferung der Ware kann sowohl online (nicht physikalisch z.B. Software) als auch offline (physikalisch, z.B. per Warenversand) erfolgen.

Unterkategorien

Homepage

Startseite / Homepage des Angebotes mit hauptsächlich E-Commerce-Inhalten.

Auktionen

Hierunter fallen Seiten, auf denen Waren und Dienstleistungen nach einem flexiblen Preisfindungsmechanismus angeboten werden.

Rubrikenmärkte/Kleinanzeigen

Die Unterkategorie Rubrikenmärkte / Kleinanzeigen beinhaltet alle Seiten, die, ähnlich den Anzeigenblättern oder Anzeigenrubriken bei Tageszeitungen etc., Inserate von Privatpersonen oder Gewerbetreibenden kostenlos oder gegen Gebühren im Internet veröffentlichen. Hierzu gehören z.B. Stellenanzeigen, Automarkt, Immobilienmarkt und Kontaktanzeigen. Unterschied zu Auktionen: Kein flexibler Preisfindungsmechanismus

Lotto und Wetten

Diese Unterkategorie umfasst die Seiten mit Charakter eines Glücksspiels mit Geldeinsatz, z.B. Lotto, Wetten und Glücksspiele wie Online-Casinos. In diese Unterkategorie gehören keine Gewinnspielaktionen.

Onlineshop

Die Unterkategorie Onlineshop beinhaltet den Internetshop eines einzelnen Unternehmens bzw. Händlers.

Shopping Mall

In die Unterkategorie Shopping Mall fallen die Seiten, die Händlern und Gewerbetreibenden für BtoC-Produkte einen speziell reservierten / gebuchten Handelsplatz für den Verkauf ihrer Produkte zur Verfügung stehen. Die Shopping Mall ist eine Art Einkaufszentrum, in dem verschiedene Onlineshops über einen fest „gemieteten“ Platz ihre Produkte anbieten. Zur Verkaufsabwicklung kann der Nutzer auch direkt auf den eigenständigen Onlineshop des Produktanbieters verwiesen werden – es muss kein direkter Handel auf der Shopping Mall stattfinden.

Quelle: IVW – Stand 30.10.2009

 

Peter Glotz

Werbungtreibende wollen wissen, ob sie ihr Geld gut angelegt haben, ob das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmt. Sie brauchen Leistungsdaten, also Auflagenzahlen, Zahlen von Filmtheaterbesuchern, Zahlen der Plakatanschlagstellen, Zahlen über die Zugriffe auf ein Internetangebot. Und sie wollen sich verständlicherweise nicht auf Eigenangaben der Medien verlassen, die tendenziös und im eigenen Interesse gefälscht sein könnten. Also hat sich unser Kommunikationswesen in der Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern, der IVW, eine eigene Institution geschaffen, die diese Leistungskontrolle als neutrale Institution wahrnimmt.” Peter Glotz, ehemaliger Bundesminister, Publizist und Kommunikationswissenschaftler

Reichweiten-Strategie als Erfolgsfaktor

Viele Karriereportale weisen darauf hin, daß die Reichweite bzw. die Besucherfrequentierung eines der wichtigsten Argumente ist, um Stellenanzeigen in diesem spezifischen Karriereportal zu publizieren. Denn eine hohe Reichweite – falls sie dann noch in einer präzise definierten Zielgruppe ohne grosse Streuverluste erzielt wird – schafft die Basis, daß die publizierten Stellenanzeigen auch gelesen werden und daraufhin bei entsprechendem Interesse der Kandidaten auch Bewerbungen initiiert wird. Diese strategische Positionierung des Jobbörsen-Publikationsmodells hat einige Schwächen: Erstens ist die Reichweite einer Jobbörse im Vergleich mit anderen Jobbörsen nicht ohne Weiteres ersichtlich; zweitens sind die Messverfahren, die die Besucherzahlen und Seitenabrufe messen, unterschiedlich. Und Drittens verfügt der Jobbörsen-Betreiber im allgemeinen nicht über aussagekräftige Statistiken, wieviele Bewerbungen auf eine Stellenanzeige denn überhaupt beim Arbeitgeber eingegangen sind.

Im Gegensatz zu dem mitgliedsbasierenden und kostenpflichtigen IVW-Verfahren bietet das Alexa-Traffic-Ranking (www.alexa.com) eine gute Alternative, weil im Alexa-Ranking alle Webseiten im öffentlichen Teil des Word Wide Webs erfasst werden – etwa 25 Millionen Webseiten weltweit. Darunter sind natürlich auch alle Jobportale – Jobbörsen, Metajobbörsen oder Jobsuchmaschinen.

Alternative Alexa

Das Alexa-Traffic-Tracking-Verfahren stand bei Webmastern und Datenschützern nicht in besonderer Gunst. Grund hierfür ist der Ansatz von Alexa, die Besucherströme mit Hilfe einer Browser-basierten Toolbar zu messen. Einige Spyware-Software-Hersteller „brandmarkten“ die Alexa-Toolbar als „Spyware“, was bei Datenschützer und Webmaster von Unternehmens-Webseiten Besorgnis hervor gerufen hat. Zudem wurde immer wieder kritisiert, daß die Alexa-Toolbar-Software nur für den Browser Internet-Explorer verfügbar wäre und das zugrunde liegende Tracking-Verfahren manipulierbar wäre.

Im Jahre 2008 wurde das Alexa-Messverfahren von Grund auf erneuert, seither werden nicht nur die über Browser-basierten Besucherzahlen gemessen, auch die Traffic-Daten aus „sonstigen Quellen“ wurden fortan einbezogen. Leider hält sich Alexa mit weiteren Informationen zu den „sonstigen Quellen“ bedeckt, es ist zu vermuten, dass Alexa die Traffic-Logs grosser Internet Service Provider mit einbezieht, um die Besucherströme noch detaillierter messen zu können. Hinzu kommt, dass für den Browser Firefox spezifische Plug-Ins für Alexa entwickelt wurden.

Die Unterschiede der Messverfahren von IVW und Alexa werden in der nachstehenden Tabelle im Überblick dargestellt.

Messverfahren im Methodenvergleich

Kriterium IVW Alexa
URL Hierarchie Messung auf URL Ebene Messung auf URL Ebene
Messverfahren Zähl-Pixel / Javascript-basiert.Webmaster des Seitenbetreibers fügt Zähl-Pixel (Javascript) auf jeder zu messenden HTML-Seite ein Browser-Toolbar sowie sonstige Quellen.Messungen erfolgen automatisch ohne Einwirkung eines Webmasters

 

Geographische Abdeckung Deutschland Weltweit
Messzahlen Besucher / Visitors
Inland, Ausland, Gesamt
Besuche / Visitors
Reach (Seitenaufrufe / Page Impressions)
Sub-Domains Ja Ja
Segmentierung Segmente können durch Webmaster zugeordnet werden, z.B. e-Commerce, User-generated Content Auf Second-Level-Domain-Ebene (Subdomain)
Kosten / Mitgliedschaft Mitgliedschaft kostenpflichtig, abhängig von den monatlichen Page Impressions der WebseiteJahresbeitrag-Beispiel

bis  1 Mio PIs  314,– €

bis 12 Mio PIs 627,– €

Kostenlos, keine Mitgliedschaft erforderlich. Webseiten des öffentlich zugänglichen Webs werden automatisch gemessen
Ranking / Vergleich Nein, nur sortierte Liste aller Werbeträger möglich Ja
Bounce Rate (Besuchsabbruch nach nur einem Seitenaufruf) nein Ja
Öffentliche Verfügbarkeit Ja Ja
Browser Plug-ins Nein Ja
Besucher-Audienz Besucherherkunft (Deutschland, International) Umfangreiche Besucher-Audienz-Statistiken sind verfügbar
Clickstream (Statistiken über up-stream und down-stream bzw. vorher/nachher besuchte URLs Nein Ja
Charts / URL-Vergleichbarkeit Nein Ja, flexible Vergleiche auf Domain-Ebene verfügbar (Online, realtime)
Betreiber IVW – Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. Alexa, Tochtergesellschaft von Amazon Inc. (USA)
Granularität der Messzahlen Basis-Zahlen Hoher Detaillierungsgrad der Messzahlen
Aktualisierungsfrequenz Monatlich Täglich
Mediengattungen Presse, Funk, Online, Kino und Außenwerbung Online
Anzahl Webseiten (URLs) 1.091 Ca. 25 Millionen

Grau, mein lieber Freund, ist alle Theorie

Die zweite – und entscheidende – Frage beim Vergleich der beiden Messverfahren ist die Frage nach den Ergebnissen. Liefern beide Messverfahren ähnliche Ergebnisse oder stark abweichende Zahlen?

Die Reichweitenzahlen von IVW und Alexa sind öffentlich und können von jedermann eingesehen werden. Für die Jobportale Monster.de, StepStone.de, Stellen-Online.de und Jobanova.de wurden die Besucherzahlen von IVW für den Monat April 2011 ermittelt und dem Traffic-Rank von Alexa gegenüber gestellt. Der Alexa-Traffic-Rank repräsentiert keine absoluten Besucherzahlen (Visits) wie IVW, sondern wird als 3-Monats-Durchschnitt des Webtraffics im relativen Vergleich mit weltweit 25 Millionen anderen Webseiten dargestellt. Je niedriger der Traffic-Rank desto stärker wird die betreffende Webseite frequentiert.

Um die beiden grundlegend unterschiedlichen Zahlen vergleichbar zu machen, wurden die für StepStone.de erzielten Werte sowohl bei IVW als auch bei Alexa als Referenzwert (=100%) angenommen. Weiter wurde berechnet, um wieviel Prozent die beiden Messwerte (IVW und Alexa) bei Monster.de und anderen Karrierportalen abweichen. Der Grad der Abweichung wurde dann als Prozentwert berechnet, um die Zahlenreihen vergleichbar zu machen. Die Bounce-Rate (Besucher-Abbruch-Quote) wurde bei Alexa nicht berücksichtigt, da dieser Wert in den IVW-Zahlen nicht gesondert ausgewiesen sind. Beide Zahlen (IVW und Alexa) stellen also Brutto-Werte dar. Die IVW-Zahlen sind von April 2011, die Alexa-Ranking Zahlen basieren auf einem 3-Monats-Durchschnitt vom Mai 2011.

Reichweiten-Favorit StepStone

In beiden Traffic-Statistiken liegt Stepstone.de mit 5.9 Mio Besuchern klar vor Monster.de, die auf 4.3 Mio Besuchern bzw. 72% im Vergleich mit StepStone (=100%) kommen. Beim Alexa-Rank liegt StepStone.de auf einem Ranglistenplatz von 3.347 weltweit (100%), Monster.de erreicht hier mit einem Ranglistenplatz von 4.974 lediglich 67,3% im Vergleich zu StepStone. Insgesamt liefern die Messergebnisse von IVW und Alexa verblüffend ähnliche Werte, sie liegen relativ gesehen lediglich um 4,7 Prozentpunkte auseinander. Dies ist als statistischer Streuwert durchaus akzeptabel.

Jobportal IVW Visits Prozent Alexa-Ranking Prozent
StepStone.de 5.974.970 100,0 3.347 100,0
Monster.de 4.300.884 72,0 4.974 67,3
Jobanova 416.038 7,0 77.747 4,3
jobpilot 400.555 6,7 47.890 7,0
Stellen-Online 36.097 0,6 515.781 0,6

Allerdings sind diese Zahlen eine reine Momentaufnahme eines einzelnen Vergleichsmonats und es bleibt abzuwarten, ob zukünfte Vergleiche  ähnliche geringfügige Abweichungen aufweisen.

Reichweiten (in %) im Vergleich (Stand: April 2011)

Lesebeispiel: Im April erzielte Monster.de gemäss IVW-Statistiken eine Reichweite (Gesamt-Besucher) von 72% gegenüber StepStone (=100%). Das Alexa-Traffic-Ranking zeigt auf, dass Monster.de auf einen Traffic-Rang von 67.3% kommt gegenüber StepStone (=100%). IVW-Zahlen und Alexa-Ranking liegen lediglich 4.7 Prozentpunkte auseinander.

Woher – Wohin? Die Click-Stream Analyse

Alexa liefert seit 2008 einen umfangreichen Zahlenkranz zum Thema Reichweite. Für die „Wanderungsanalyse“ liefert die sogenannte Click-Stream-Analyse wertvolle Hinweise. Hier wird dargestellt, von welcher Webseite die Besucher kommen – und welche andere Webseite sie nach dem Verlassen aufrufen. Woher – Wohin: Diese Click-Stream-Zahlen vermitteln einen guten Einblick in das Fahrtenbuch der Besucher.

Von welcher besuchten Webseite verzweigen die Surfer auf Monster.de bzw. StepStone.de? (Angaben in % der Gesamt-Visitors)

Upstream Site Monster.de StepStone.de
google.de 21,07 19,50
stepstone.de 7,83
google.com 5,90 6,03
facebook.com 5,20 4,77
jobrapido.de 4,66 4,87
xing.com 2,81 2,38
indeed.de 2,55
jobworld.de 2,47
spiegel.de 1,90
yahoo.com 1,88
monster.de 5,80
gmx.net 3,37
web.de 2,56
backinjob.de 2,13
kimeta.de 1,88
Summe (Stand Mai 2011)
Alle Zahlen in % 
56,27 53,29

Beide Jobbörsen weisen einen relativ hohen Anteil an Besuchern aus, die über die Suchmaschine Google.de auf Monster (21,07%) bzw. StepStone.,de (19.5%) landen. Dies ist das Ergebnis eines zielgerichteten SEM (Search Engine Marketing), das heute zu den unabdingbaren Hausaufgaben jeder grossen Jobbörse gehört. Interessant ist auch die Wirkung der Reziprozität: Wieviele Besucher clicken zum Wettbewerber? Besucher des Monster-Karriereportals rufen Wettbewerber StepStone zu 7.83% auf, der umgekehrte Weg (StepStone-Besucher verzweigen zu Monster.de) liegt nur bei 5,8%. Ausschlaggebend für den Besuch mehrere Jobportale ist die Erwartung, auf dem Karriereportal des Wettbewerbers vielleicht auch noch interessante Stellenangebote zu finden.

Social Media Portale spielen als Besucher-Lieferant mittlerweile eine wichtige Rolle – allerdings stehen sie zahlenmässig noch weit hinter den Suchmaschinen zurück. Facebook.com lieferte Monster.de 5,2% aller Besucher, StepStone.de hingegen 4,77%. Xing lieferte weniger als die Hälfte der Besucher im Vergleich zu Facebook. Ein ebenfalls interessanter Aspekt ist der Einfluss der Jobsuchmaschinen auf die Zusammensetzung des Besucher-Volumens. Bei Monster kommen die meisten Besucher von Jobsuchmaschinen wie Jobrapido.de, Indeed.de oder Jobworld.de, bei StepStone hingegen kommen auch wesentliche Besucherströme von den Jobsuchmaschinen backinjob.de oder Kimeta.de. Stepstone hat darüberhinaus auch einen guten Mix an Traffic-Partnerrn von den grossen e-Mail-Portalen GMX.de und Web.de.

Monsters Medienkooperation mit Spiegel-Online fand in der Branche eine hohe Aufmerksamkeit – denn die relativ hohen Zugriffszahlen dieses Medienportals und die Zusammensetzung der Leserschaft (Fach- und Führungskräfte) machen die Medienkooperation mit einem solchen Portal sehr interessant – und entsprechend teuer. Der Besucheranteil, die durch Monsters Medienkooperation mit Spiegel-Online generiert wird, liegt mit 1,9% eher auf der bescheidenen Seite. Weiterhin auffallend ist, dass seitens StepStone die Medienportale des Axel-Springer-Verlags (noch) keine nennenswerte Rolle spielen.

 

Click-Stream Mai 2011: Herkunft der Besucher (Quelle: Alexa.com)

Fazit

Endlich haben sich zwei führende Jobportale dem IVW-Reichweiten-Messverfahren angeschlossen und ermöglichen damit, mehr Transparenz und Vergleichbarkeit in die Besucherzahlen zu bringen. Der Vergleich der Besucherzahlen nach IVW-Messungen und dem Alexa-Ranking offenbart eine relativ hohe Übereinstimmung, basiert aber zunächst nur auf einer einzigen Stichprobe aus dem Monat April 2011. Die Analyse der beiden Messverfahren zeigt auf, dass sowohl IVW als auch Alexa noch Handlungsbedarf haben: Bei IVW nehmen lediglich eine Handvoll Jobbörsen am Messverfahren teil, Alexa hält sich noch sehr bedeckt was die Datenquellen der Zugriffszahlen betrifft. Bei IVW offenbart sich ein konzeptioneller Nachteil, weil bei Hybrid-Portalen bzw. Medienportalen wie Kalaydo oder FAZ die Zugriffszahlen auf Stellenanzeigen mit anderen Anzeigenrubriken vermischt unter „e-Commerce“ ausgewiesen werden. Deshalb sind die Zahlen der Hybrid-Portalen nur bedingt nützlich.

Bei IVW zeigt sich ebenfalls ein Geburtsfehler: die Gesamtkonzeption des Messverfahrens richtet sich nach den Belangen der deutschen Werbewirtschaft. Die IVW wurde im Jahre 1949 als Tochterorganisation des Zentralverbandes der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) gegründet und 1955 als eingetragener Verein rechtlich verselbstständigt. Die enge Anbindung an den ZAW blieb jedoch erhalten. Das Publikations- und Reichweitenkonzept im e-Recruiting basiert jedoch zusehends auf einer vernetzten Publikation von Stellenanzeigen: Die gleiche Stellenanzeigen erscheint auf multiplen Kanälen, sei es die Karriereseite des Arbeitgebers, eine generische Suchmaschine wie Google, eine Jobsuchmaschine wie Kimeta oder eine Jobbörse. Auf jedem dieser Publikationskanäle generiert die gleiche Stellenanzeigen die entsprechenden Besucher-Aufrufe (Clicks). Der Königsweg der Reichweitenmessung im Recruiting besteht nicht in der Messung der Reichweite auf URL- bzw. Domain-Ebene (zum Beispiel eine Jobbörse), sondern auf Ebene der einzelnen Stellenanzeige – unabhängig auf welchem Publishing-Kanal sie veröffentlicht wurde.Daraus folgt, daß die einzelnen Reichweitenzahlen der unterschiedlichen Medienportalen konsolidiert und integriert werden müssen. Davon sind die gängigen Reichweiten-Messverfahren aber noch um einiges entfernt.

Hinzu kommt, dass zahlreiche Kooperationen der Jobbörsen die sekundäre Publikation in zielgruppen-affine Medienportale zum Ziel haben. Insbesondere die auf Fach- und Führungskräfte spezialisierte Jobbörse Jobware, die zur Verlagsgruppe Medien-Union gehört, macht intensiven Gebrauch von solchen Medienkooperationen.

Und genau hier zeigen sich die Grenzen der URL- bzw. Webseiten-basierten Traffic-Messung – denn der durch Kooperationspartner erzeugte Besucherstrom kann weder durch IVW noch Alexa zugeordnet werden. Doch bei allen Nachteilen bleibt dem Recruiter die Gewissheit, dass er dank öffentlich verfügbarer Informationen von IVW oder Alexa sich nicht ausschliesslich auf die Reichweiten-Zahlen seines Jobbörsen-Key-Accounters als Grundlage für die Stellenanzeigen-Medienplanung verlassen muss.

 

Weiterführende Links

IVW Verfahren zur Reichweitenbestimmung: Arbeitgeber haben endlich mehr Transparanz bei der Auswahl der passenden Jobbörse

Die Relevanz der Reichweite im Recruiting (Teil 3): Monsters Massnahmen zur Messung der Reichweite machen Mut


3 Kommentare zu „Reichweitenwettbewerb: StepStone führt klar vor Monster“

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