Stellenanzeigen sind schwarze Schafe

picture_SchafVon Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide

Man kann der BILD Zeitung vieles vorwerfen. Doch gelegentlich bemüht sich die Redaktion auch um Volksaufklärung. Nun haben die Redakteure sogar das Themengebiet „Jobbörsen“ entdeckt und bemühen sich – offensichtlich nach bestem Wissen und Gewissen – Bewerbern und Recruitern zu erklären, was denn nun eine Jobbörse sei. „Was kann man unter Jobbörse verstehen?“  lautet der überzeugende und einprägsame Titel.

 

Was dann folgt, würde textlich und inhaltlich von den Dozenten der Henri-Nannen-Journalistenschule schon nach wenigen Sekunden total verrissen werden.

 

Der Artikel entpuppt sich auch als plumpe SEO-Masche, wenn im Text explizit darauf hingewiesen wird: „Die bekanntesten (Jobbörsen) sind hier wohl die Agentur für Arbeit, JobScout, Monster.de, StepStone und natürlich viele andere Portale, auf denen täglich neue Jobs angeboten werden.“ Pikant dabei ist die Verlinkung des Texts auf die Agentur für Arbeit und – Sie haben es sofort erkannt – auf StepStone, das Flagschiff in der Digital Classifieds Division des Springer-Verlags. Weshalb Monster.de oder JobScout nicht verlinkt wird? Ein Schelm wer böses dabei denkt.

Der krude Höhepunkt erreicht der BILD-Artikel dann,  als es um die „schwarzen Schafe“ geht:

Natürlich gibt es auf den Seiten der Jobbörsen auch die schwarzen Schafe. Das sind Anzeigen, wo keine reelle Firma dahintersteht, sondern oftmals nur eine Briefkastenfirma. Also sollte man vorsichtig sein, wenn man erst mal für Informationen eine bestimmte Summe auf ein Konto überweisen soll.

Nun ja, die Jobbörsen sind nicht die schwarzen Schafe, sondern die nicht existierenden Arbeitgeber (im Duktus des Artikel die „reelle Firma“) – die Arbeitsagentur kann von diesem Problem ein Lied singen. Und über den Cash-Flow herrschen dem Artikel zufolge abenteuerliche Vorstellungen. In der Praxis zahlt der Arbeitgeber einen  Preis für die Veröffentlichung von Stellenanzeigen. Die Jobbörse publiziert und freut sich über den Zahlungseingang. Wo liegt dann bitteschön das Problem? Dazu hüllt sich der Autor in Schweigen.

 

Henri-Nannen-Schule

 

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.