HR BarCamp 2016: „Was hat das Marketing, was HR nicht hat?“

200 Personaler aus Konzernen, Mittelständlern und Start-Ups, HR-Dienstleister und nicht zuletzt HR-Blogger trafen sich am 25. und 26. Februar zum fünften HR BarCamp (http://www.hrbarcamp.de ) in Berlin. Was waren die Top-Themen, was liegt im Trend, was ist nicht mehr angesagt? Helge Weinberg, Journalist aus Hamburg, war dabei. Der RETHINK-Blog (http://www.rethink-blog.de) von StepStone Deutschland hatte am 2. März ein Interview mit ihm veröffentlicht (http://www.rethink-blog.de/uncategorized/hr-barcamp-2016-was-hat-das-marketing-was-hr-nicht-hat/), in einer leicht gekürzten Fassung. Hier bringen wir das Gespräch in voller Länge.

Das HR Barcamp: Shopping für neue Inspirationen
Das HR Barcamp: Shopping für neue Inspirationen (Foto: Janek Coppenhagen)

RETHINK-Blog: Welche Eindrücke nehmen Sie aus Berlin mit?

Sehr viele. Momentan bin ich dabei, die Anregungen und Denkanstöße zu sortieren. Als Journalist schätze ich vielfältige Impulse und Ideen aus unterschiedlichen Bereichen der HR. Auf dem BarCamp konnte ich in kurzer Zeit mit sehr vielen Menschen in Gespräch kommen. Alle Teilnehmer waren per Du. Das gehört dort zum guten Ton. Egal, ob es sich um die Leiterin Employer Branding aus einem DAX-Konzern, den Leiter Personalmanagement eines Verbandes oder um die HR-Einzelkämpferin bei einem Mittelständler handelt. Alle können Einfluss auf das Programm nehmen. Austausch und Vernetzen gehören beim BarCamp dazu und neue Eindrücke natürlich auch.

RETHINK-Blog: Was war denn das Hauptthema auf dem BarCamp?

Dazu habe ich selber viele Teilnehmer befragt. Die Antwort war fast immer: Ein Hauptthema gab es nicht. Da bin ich anderer Ansicht. Ich habe mir einmal angeschaut, für welche Themen sich die Teilnehmer besonders interessiert hatten. Das war leicht zu erkennen, denn die hatten die meisten Abstimmungspunkte erhalten. Zudem gab es erstmals in diesem Jahr sogenannte „Recall“-Sessions. Die Teilnehmer konnten per WhatsApp-Link an einer Abstimmung über die besten Veranstaltungen des ersten Tages abstimmen. Die Top-Drei der Sessions wurden wiederholt: „Big Data und Algorithmen“, „HR Rock Stars“ und „Storytelling in HR“. Big Data, das ist nicht wirklich ein neues Thema. Aber die HR Rock Stars, das fand ich einen neuen Ansatz, HR im Unternehmen mehr Geltung zu verschaffen. Das Hauptthema auf dem HR BarCamp war für mich HR.

HR BARCAMP 2016: Die Qual der Session-Auswahl
HR BARCAMP 2016: Die Qual der Session-Auswahl (Foto: Janek Coppenhagen)

RETHINK-Blog: HR als Hauptthema – was ist denn daran so spektakulär?

„Was hat das Marketing, was HR noch nicht hat?“ So lautete die Eingangsfrage zu der HR Rock Stars-Session. Das ist Meilen entfernt von dem alten Ansatz, sich über fehlenden Einfluss zu beschweren. Es ist auch nicht so komplex und fordernd wie der Anspruch, stets Business Partner sein zu wollen. Es ist der ganz pragmatische Blick über den Tellerrand, um zu schauen, wie es denn die anderen geschafft haben, sich mehr Einfluss im Unternehmen zu sichern. Für mich zeigt das Offenheit und die Bereitschaft, sich zu verändern.

RETHINK-Blog: Was kann denn HR vom Marketing lernen?

Sehr viel, das meinten zumindest die Teilnehmer der Session. „Marketing verkauft sich besser als HR“, „vernetzt sich“, „spricht auf Augenhöhe mit dem Management“, „versteht mehr von Zielgruppen“, „entwickelt sich schnell weiter“ und liefert die richtigen KPIs – das waren einige der Faktoren, die genannt wurden. Bei dem Brainstorming in den Arbeitsgruppen der Session entstanden Ideen, die ich von HR bisher so nicht gehört hatte. Zum Beispiel: „HR als Beisitzer in Marketing und Sales“ oder gar „im Marketing hospitieren“. HR und Sales, das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Also raus aus der Rolle der zuverlässigen und zurückhaltenden Verwalter, ran an die Rampensäue im Unternehmen. Die Rede war gar von einer „Symbiose von HR mit Marketing“. „Lösungsversprechen“ soll HR geben. Das ist ein Handlungsansatz, den CEOs immer gerne von ihren Abteilungen hätten. So eine Denkweise bringt HR weiter, finde ich.

Natürlich wurden auch der HR Business Partner und die strategische Beratung erwähnt. Aber das Spektakuläre war aus meiner Sicht die schlichte Forderung, vom Marketing zu lernen. Dazu zählte auch die Idee, „Stellenanzeigen vom Marketing bewerten zu lassen“ oder „Werbung in Stellenanzeigen aus Zielgruppensicht zu schreiben“. Zehn Prozent des Budgets für Experimente bereit zu stellen, auch dies habe ich von HR bisher nicht gehört. Also, als ein Grenzgänger zwischen HR und PR bin ich begeistert. „Mutiger, proaktiver und unkonventioneller“ werden, ja bitte. Das könnte der PR ganz nebenbei auch mal gut tun. Denn die hat in den Unternehmen mit ähnlichen Imageproblemen wie HR zu kämpfen.

RETHINK-Blog: Mutiger und proaktiver: Das ist das Rezept für mehr Ansehen in der Geschäftsführung?

Nein, das würde nicht reichen. Die Teilnehmer waren sich einig, dass das Management überwiegend zahlengetrieben ist. Diese Zahlen muss HR liefern. In der Diskussion ging es unter darum, die richtigen KPIs zu definieren. Umsatzerfolge mit HR-Maßnahmen begründen, das wäre schon einmal ein Weg. Die Kosten nicht besetzter Stellen darlegen. Dieser Vorschlag kam auch in einer anderen Session. Die Leistungen von HR zielgruppengerecht aufbereitet dem Management zu präsentieren, um diesem das Gefühl der Sicherheit zu geben, wie es ein Teilnehmer formulierte.

Allerdings ist es schon schwer, den direkten Bezug von einem richtig gut geführten Facebook-Account zur Wertschöpfung im Unternehmen herzustellen. Das war auch ein Problem, über das wir diskutiert hatten. Hausintern zielgruppenorientiert zu denken, das wäre sicher ein guter Ansatz. Eng im Recruiting mit den Fachabteilungen zu kooperieren, dieser Vorschlag kam dann auch. Vernetzen ist für HR immer eine gute Idee.

RETHINK-Blog: Woran ließ sich denn noch festmachen, dass das Hauptthema die Rolle von HR im Unternehmen selber war?

Es gab eine Veranstaltung mit dem kämpferischen Titel „Fight für your right“. Gemeint war, den Stellenwert von HR im Unternehmen zu festigen. Verbündete zu gewinnen, das war auch hier eine Forderung. „Reden, reden, reden“ – und Netzwerken, Unterstützer suchen. Sich langfristig ausrichten und die Entscheider in diesem Prozess mit an Bord holen.

„Welchen Medienmix braucht ein Personaler heute?“ So lautete der Titel einer gutbesuchten Session, wo es um die Frage ging, wie und wo sich Personaler heute informieren sollen. Es gab eine Session zur zweiten Karrierestufe für Personaler. Der Weg geht weg von der Selbstfindung und Nabelschau zu einem Verändern wollen – und zwar ganz konkret.

RETHINK-Blog: Was hat sich denn gegenüber den früheren BarCamps verändert?

Das BarCamp ist eine große Veranstaltung geworden, die ohne Probleme ihre Teilnehmerzahl verdoppeln könnte. Zum Glück scheint das nicht das Ziel der Veranstalter zu sein, so die Aussage von Christoph Athanas. Inhaltlich hat sich das BarCamp gewandelt von einem starken Recruiting-Bezug zu einer Veranstaltung für alle Personaler. Die Veranstalter hatten mehrfach in Moderationen auf die neue Vielfalt hingewiesen. Jetzt gab es Sessions zu Wissensmanagement oder zu der Frage, wie Weiterbildungen evaluiert werden könnten. Und dann gab es diese Session zur Netto-Entgeltoptimierung. Das ist HR-Kernbusiness. Anderseits wurde mit „HR gegen Rechts“ ein außergewöhnliches, aber leider sehr aktuelles Thema auf die Tagesordnung gesetzt.

RETHINK-Blog: Wo wir bei den Hypes sind – was war denn in diesem Jahr nicht mehr angesagt?

Die Antwort lautet ganz eindeutig „Candidate Experience“. Das war eines der Buzzwords auf den letzten BarCamps. Jetzt war es einfach verschwunden. Natürlich nur als Hype-Thema. Denn es spielte auf dem BarCamp immer wieder eine Rolle, im Rahmen anderer Themen. Verschwunden war auch Mobile Recruiting. Zumindest in meinen Gesprächen spielte es keine Rolle. Active Sourcing hingegen hält sich wacker und war sowohl Diskussionsthema als auch Gegenstand von Sessions. Aber der Hype ist auch hier beendet. Mein Eindruck war, dass sich HR auf die Praxis konzentriert. Da ist für Begeisterungsausbrüche kein Platz mehr.

RETHINK-Blog: Was würden Sie sich von dem nächsten BarCamp wünschen?

Dass es so bleibt, wie es ist. Dass es Trends aufgreift, Lösungen erarbeitet. Letzteres kam mir gelegentlich etwas zu kurz. Weder Selbstfindung noch kollegiale Beratung kommen auf die Dauer gut an. Selbstdarstellung erst recht nicht. Das BarCamp sollte noch stärker an Lösungen arbeiten, andererseits aber auch Visionen entwerfen. Zugegeben, das ist ein recht hoher Anspruch.

Hinweis:

Das HR BarCamp wurde in weiten Teilen dokumentiert. Den Sessionplan und Mitschriften finden Sie hier: http://hrbarcamp.tumblr.com/

Über den Interviewpartner:

Helge Weinberg ist Berater und Journalist aus Hamburg. Seine Agentur Strategie & Kommunikation ist spezialisiert auf Arbeitgeberkommunikation und Employer Branding. Über diese Themen schreibt er in seinem Blog (http://blog.helge-weinberg.de). Er ist Mitglied der Redaktionen des „PR-Journals“, „DPRG Journals“ und des „Crosswater Job Guide“. Zudem schreibt er als Freelancer in diversen technischen Fachzeitschriften über Arbeitgeberkommunikation, Employer Branding und Personalmarketing.

 

1 Kommentar zu „HR BarCamp 2016: „Was hat das Marketing, was HR nicht hat?““

  1. Pingback: HR BarCamp 2016: Berichte und Interviews | Helge Weinbergs Blog

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.