Ingenieur 4.0 – Diese Skills braucht der Experte von morgen

Ein Gastbeitrag von David Franz

New Work: In der neuen Arbeitswelt stehen eigenverantwortliches und flexibles Arbeiten sowie agile Teams an der Tagesordnung.

Wer in der heutigen Arbeitswelt Karriere machen möchte, muss mehr als „nur“ ein Fachexperte sein. Worauf es für die erfolgreiche berufliche Laufbahn ankommt, wissen die Personalexperten Timo Lehne und Tobias Biesenbach, Geschäftsführer und Key Account Manager der international tätigen Personalberatung SThree.

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Timo Lehne

Karriere 360°: Worin liegt es Ihrer Meinung nach begründet, dass Soft Skills inzwischen einen höheren Stellenwert haben als noch vor ein paar Jahren?

Timo Lehne: Durch die Digitalisierung und die Globalisierung hat sich die Arbeitswelt radikal verändert. Neue Märkte entwickeln sich sehr schnell und oft an der Grenze verschiedener Branchen, das Innovationstempo ist enorm und Produktlebenszyklen werden immer kürzer. Auch die Arbeitsweise und Formen der Zusammenarbeit haben sich geändert. Zu Zeiten von New Work stehen eigenverantwortliches und flexibles Arbeiten sowie agile Teams an der Tagesordnung. Für die Mitarbeiter bedeutet das: Sie arbeiten in einem dynamischen, immer komplexer werdenden Markt zunehmend vernetzter und internationaler. Um auch diesen zwischenmenschlichen Anforderungen gerecht zu werden, sollten Fach- und Führungskräfte neben Spezialwissen auch Soft Skills mitbringen.

Auf welche „weichen Faktoren“ kommt es besonders an?

Timo Lehne: Auch wenn sich die Frage nach den wichtigsten Soft Skills schwierig verallgemeinern lässt, so gibt es sicherlich ein paar „typische“ Fähigkeiten, auf die es ankommt. Hierzu zählen Kommunikations- und Teamfähigkeit. Denn diese Eigenschaften sind tatsächlich mehr als bloße Floskeln. So ist es längst nicht mehr so, dass ein Ingenieur als visionärer Kopf im Elfenbeinturm sitzt und allein an der Erfindung von morgen tüftelt. Vielmehr ist für die Arbeit an (neuen) Produkten, Technologien und bei Dienstleistungen ein ständiger Austausch, teils auch abteilungsübergreifend, mit Kollegen und Kunden erforderlich. Zudem sind Empathie und Flexibilität weitere wichtige Soft Skills für modernes Arbeiten.

Ein Tipp für alle Ingenieure: Schon beim Bewerbungsgespräch geht es heutzutage nicht mehr nur um harte Fakten. Wer hier neben seiner fachlichen Kompetenz, auch seine Charakterstärken kennt, überzeugt.

Im internationalen Arbeitsumfeld spielen auch Sprachen eine immer größere Rolle – auf welche kommt es an?

Tobias Biesenbach: Nach wie vor ist Englisch die verbreitetste Projektsprache. In der Regel stellt das auch die wenigsten vor Herausforderungen – die Jüngeren lernen es ohnehin in der Schule. Zudem zahlt sich auch die Berufserfahrung aus: Ein Ingenieur, der über Jahre im Business Englisch spricht und schreibt, lernt es sozusagen „on the job“. Eine Fremdsprache, die in der Zukunft sicher immer wichtiger werden wird, ist Chinesisch. Das gilt für Ingenieure genauso wie für alle anderen Berufsgruppen.

Auf welche weiteren Schlüsselqualifikationen kommt es für die Arbeit in internationalen Teams an?

Tobias Biesenbach: Neben den sprachlichen Kenntnissen ist vor allem interkulturelles Know-how wichtig. Denn in anderen Kulturen gibt es oft unterschiedliche Vorstellungen zur Arbeitsweise und auch einen anderen Umgang unter Vorgesetzten und Kollegen. So schätzt man beispielsweise in Japan traditionell eine klare Hierarchie, während in den USA häufig ein sehr lockerer Umgangston herrscht. Da kann man schnell anecken, wenn man die Regeln nicht kennt. Doch wer offen für andere Kulturen ist und diese respektiert, bewegt sich meist sicher auf dem internationalen Parkett. Hierfür braucht es Empathie und auch mal die Bereitschaft, eigene Konventionen über Board zu werfen.

Generalist oder Spezialist – wer ist bei den Unternehmen gefragter?

Tobias Biesenbach: Das hängt sehr stark von der jeweiligen Situation ab, aber allgemein lässt sich sagen: Bis zur mittleren Managementebene sind tendenziell eher Spezialisten gefragt. Mit steigender Position kommt es auf einen ganzheitlichen Blick und breites Fachwissen an. Schließlich werden in Managementpositionen strategische Entscheidungen getroffen, bei denen verschiedene Aspekte wie Unternehmensentwicklung, Marktwissen und Finance-Know-how berücksichtigt werden müssen. Meist sind das aber auch Spezialisten in einem bestimmten Bereich – sie sind nur eben in anderen Bereichen auch sehr gut.

Foto: VDI

Stichwort Innovationsfähigkeit: Welches Mindset braucht ein Ingenieur, um zukunftsweisende Produkte zu entwickeln?

Timo Lehne: Für innovative Produktenentwicklung braucht es Neugierde, Leidenschaft, Kreativität und Mut. Man muss bereit sein, „out of the box“ zu denken und darf sich nicht schnell entmutigen lassen, wenn etwas nicht auf Anhieb gelingt. Eine weitere wichtige Einstellung ist es, Veränderungen offen gegenüberzustehen. Zudem hilft Überzeugungskraft dabei, Neuerungen und Ideen erfolgreich an Geschäftsführer, Kunden und Kollegen zu vermitteln. Dieses Mindset kombiniert mit einer Unternehmenskultur, in der ein offener Umgang mit Fehlern herrscht, fordert die Innovationsfähigkeit.

Welche neuen Bereiche/Branchen entstehen für das Berufsfeld des Ingenieurs?

Tobias Biesenbach: Zukunftsfähige Branchen und Themen sind diejenigen, die sich an aktuellen Bedürfnissen und Problemen orientieren. Dazu zählen beispielsweise alternative Energien und Nachhaltigkeit. Eine Nische mit viel Potenzial ist sicher auch die Akkutechnik, schließlich wollen wir mit schnell aufladbaren Autos mit hoher Reichweite fahren. Doch grundsätzlich würde ich jedem empfehlen, sich bei der Auswahl eines Studiengangs oder Berufes nicht allzu stark am Markt zu orientieren, sondern vorwiegend daran, was einen selbst interessiert. Dann wird man automatisch gut in dem, was man tut, und so auch erfolgreich.

Über den Autor

Timo Lehne ist seit Juni 2014 Geschäftsführer der international tätigen Personalberatung SThree GmbH und seit 2017 Managing Director der DACH-Region mit über 800 Mitarbeitern. In seiner Verantwortung liegen neben den Bereichen Festanstellung, Projektanstellung und Arbeitnehmerüberlassung in der DACH-Region auch die strategische und operative Führung des Unternehmens. 2006 begann Lehne seine Karriere bei SThree und war unter anderem für den Ausbau des IT-Sektors und die Einführung weiterer Spezialisierungen, wie z.B. dem Ingenieurssektor und dem pharmazeutischen Bereich, verantwortlich.

 

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