Candidate Experience: Aus der Praxis des Bewerberhelfers Gerhard Winkler

Chat-Mitschnitt 4. August 2015

Gerhard Winkler, www.jova-nova.com
Gerhard Winkler, www.jova-nova.com

Gerhard Winkler: Hallo, ich freue mich, dass Sie heute trotz > 30 Grad mit mir über Bewerbung, Job, Karriere chatten!

Sabine: Hallo Herr Winkler, vielen Dank im Voraus für die Beantwortung meiner Frage. Bisher habe ich nur Absagen auf meine Bewerbungen bekommen, noch nicht einmal für eine Einladung zu einem Jobinterview hat es gereicht. Die Selbstzweifel sind da nicht weit … Wie sinnvoll halten Sie die Möglichkeit, von den Jobanbietern ein Feedback über die erfolglose Bewerbung zu erbitten und bringt einen das im Bewerbungsprozess weiter? Meine bisherige Erfahrung zeigt, dass man den standardisierten Absagetext wiederholt oder angibt aus rechtlichen Gründen keine Aussage über die Ablehnung der Bewerbung geben zu können. Vielleicht habe ich nicht die richtige Fragetechnik, aber für mich wäre eine Rückmeldung des Jobanbieters wichtig, um zu wissen, ob die Absagegründe in der Form meiner Bewerbung oder in meiner fachlichen Qualifikation zu suchen sind.

Gerhard Winkler: Liebe Sabine, manchmal ahnt man es im Nachhinein, weshalb man nicht in Frage kam, manchmal wusste man es sogar schon im Voraus.

Jeder weiß auch, dass Absage und offene Auskunft so gut zusammen passen wie Eis und Feuer. Ein Jobanbieter müsste schon sehr gut mit ihnen bekannt sein oder Sie ungemein schätzen oder ein besonders liebenswürdiger Zeitgenosse sein, um Sie offen und ehrlich zu informieren.

In der Regel ist dies nicht der Fall. Warum sollte man sich für einen unbekannten Bewerber Arbeitszeit nehmen? Zudem zwingt die notorisch arbeitnehmerfreundliche Gesetzeslage die Jobanbieter heute dazu, eisern die Klappe zu halten.

Was können Sie demnach tun? 1. Checken, ob Ihre Bewerbung faktisch ausreichend aufgeladen war, das heißt, ob Sie die für eine positive Entscheidung notwendigen Proargumente auch vorgebracht haben.

2. Prüfen, ob Sie in Ihrem Lebenslauf oder Anschreiben irgendwelche Stinkbomben versteck haben. (Das sind Äußerungen, die gegen Sie sprechen und jeden Jobanbieter misstrauisch machen oder abstoßen.

3. Rufen Sie an. Mailen Sie niemals. Zählen Sie Ihre hauptsächlichen Proargumente noch einmal auf und fragen Sie, was gefehlt hat, um eingeladen zu werden, und ob man Ihnen einen Tipp für Ihre nächste Bewerbung geben kann.

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Zwischendurch kommt Winklers Kurz-UMFRAGE

SOCIAL MEDIA, DIGITAL MEDIA

5 Fragen an Sie:

1. XING, LinkedIn etc.: wo hat man mit seinem Online-Profil die besten Jobchancen?

2. Sollte man sein Online-Profil zusätzlich mit Schlüsselwörtern anreichern?

3. Wo in einer Online-Community sollte man unbedingt präsent sein, wenn man beruflich weiterkommen will?

4. Falls Sie schon einmal ein Video-Jobinterview hatten: Wie bewerten Sie dieses Verfahren?

5. Telefonieren, mailen, SMS verschicken – doch wie unterstützt das Smartphone einen noch im Bewerbungsprozess?

Ich freue mich über Ihr Feedback per Mail oder im Chat und revanchiere mich mit einem Auszug aus meinem Entwurf zur  neuen Handreichung «Von selbst zum Job».

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Gentlewoman: Guten Abend Herr Winkler, viele Grüße in die Hauptstadt aus dem Süden der Republik. Ich habe eine Frage wegen einem Bewerbungsgespräch, welches ich in Kürze führen darf.

In kurzen Worten die Vorgeschichte: ich arbeite seit September 2014 in einer tollen Firma, in welcher es mir sehr gut gefällt. Der Haken ist, daß die Arbeitsstelle vorerst auf 2 Jahre befristet ist und würde im August 2016 dort (vielleicht?) enden. Darum schaue ich mich immer auf dem Arbeitsmarkt um und habe es tatsächlich geschafft, zu einem Gespräch eingeladen zu werden; ich bin mir ganz sicher, daß die Frage: „ja, warum wollen Sie wechseln, Sie arbeiten erst seit kurzer Zeit, noch nicht mal ein Jahr, in der neuen Firma“ kommen wird. Das ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Dazu bräuchte ich einen guten Rat und eine tolle Antwort. Klar ist, daß ich mich wegen der Befristung auf die neue Stelle beworben habe, aber das darf man niemanden so sagen. Deswegen wende ich mich ratsuchend an Sie. Sie haben bereits mit meinem Mann und meiner Tochter gechattet und beide waren von Ihren Antworten begeistert und daher hoffe ich, daß Sie hier unterstützend wirken können.

Erst einmal Glückwunsch zum Jobinterview!

Bewerben in Deutschland
Du bist Deutschland

Gerhard Winkler: Geben Sie den wichtigsten Grund Ihrer Bewerbung zuerst an: Ihre aktuelle Stelle ist befristet. Nennen Sie dann einen konkreten Umstand (Zuständigkeiten, erweiterte Verantwortung etc.), den Sie aus der Stelle selbst ableiten. (Und nicht etwa aus der Reputation und Attraktivität des Unternehmens).

Gentlewoman: na ja, schon, aber ich möchte das nicht vermasseln …

Gerhard Winkler: Sie können kein Interview vermasseln, wenn Sie gute faktische Gründe angeben, warum ein Job bei B Ihnen mehr Vorteile bringt als ein Job bei A.

Gentlewoman: und gerade die Frage: „warum wechseln Sie jetzt, nachdem Sie erst kurze Zeit in der Firma sind“, die macht mir richtig Kopfzerbrechen

Gerhard Winkler: Nein, die Antwort ist doch klar: 2-Jahres-Vertrag, ein Jahr ist schon um, alle lieben Sie dort, aber keiner kann sagen, ob man nach 24 Monaten noch Platz für Sie hat. Es gibt keinen stärken Bewerbungsrund als die Sicherung der eigenen Beschäftigung.

Gentlewoman: okay, also doch die Eröffnung mit der Befristung beginnen; das klingt logisch; werde es so versuchen. Vielen Dank und Grüße nach Berlin!

Gerhard Winkler: Viele Grüße, auch an Ihre Familie!

wolle: Guten Abend, ich will den Job wechseln und hatte mittlerweile 4 Vorstellungsgespräche bei 12 Bewerbungen. Im Vorstellungsgespräch versage ich aber offenbar. Ich habe zwar jedes Mal den Eindruck, dass alles gut läuft, aber dann kommt die Absage. Ich habe mich immer umfassend über das jeweilige Unternehmen informiert und konnte alle gestellten Fragen beantworten. Auch die Fachfragen habe ich relativ problemlos beantwortet. Meine eigenen Fragen habe ich so eingebracht, dass sie nach Möglichkeit auf dem Gesagten des Personalers aufbauen. Das längste Gespräch hat drei Stunden gedauert und war, wie ich fand, sehr angeregt. Können Sie mir einen Rat geben, wo ich hier ansetzen könnte? Vielen Dank!

Gerhard Winkler: Lieber Wolle, vier Gespräche bei 12 Bewerbungen, das ist nicht übel!

Die wichtigsten Fragen, wenn mehrere Gespräch hintereinander floppen: Was hatten diese Jobinterviews gemeinsam? Auf welchen Sachverhalten haben alle Gesprächspartner herumgeritten? Was im Lebenslauf haben alle genauer wissen wollen? Woran haben alle gezweifelt?  Gab es etwas in Ihrem Lebenslauf oder in Ihren Begründungen, das die Personaler misstrauisch gemacht hat? Waren Sie zu teuer? Konnten Sie einer Kern-Anforderung nicht gut entsprechen? Waren Sie nicht kompromissbereit? Haben Sie negative Selbstaussagen gemacht? Haben Sie andere schlecht geredet? Haben Sie polarisierende Bemerkungen gemacht? Haben Sie den Jobanbieter irgendwie kritisiert? Irgendetwas bei ihm nicht gut gefunden? Waren Sie ausreichend  höflich, emphatisch, anteilnehmend? Wirkten Sie ausreichend interessiert? Oder gaben Sie sich herablassend?

 

Lesen Sie den ganzen Chat-Mitschnitt hier:

http://www.jova-nova.com/service/bewerber-chat/chat-mitschnitt-4-august-2015/

 

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