Studie zur Kandidatenansprache über Social Media: An der Zielgruppe vorbei?

Prof.Dr. Thorsten Petry
Prof.Dr. Thorsten Petry

Bereits zum vierten Mal vergleicht die Social Media Personalmarketing Studie Kandidaten- und Unternehmensseite. Die Ergebnisse zeigen, dass Studenten und Absolventen diese Kanäle weit weniger nutzen als Fach- und Führungskräfte. Und die Unternehmen sind aktiver, als die Kandidaten selbst. Dennoch zeigt die Candidate Experience – die Erfahrungen, die Kandidaten während ihres gesamten Bewerbungsprozesses sammeln – viel Optimierungspotenzial.


Entgegen der weit verbreiteten Meinung, dass Arbeitgeber Social Media unbedingt nutzen müssen, um die junge Generation Y bei der Kandidatenansprache zu erreichen, zeigt die Studie, dass Studenten und Absolventen diese Kanäle weniger häufig als Fach- und Führungskräfte für die Jobsuche nutzen. Auch die Pflege von Social Media-Profilen ist Fach- und Führungskräften deutlich wichtiger. Durchaus überraschend: Die untersuchten Unternehmen nutzen mehr Kanäle und sind in Summe aktiver, als die Kandidaten selbst.

 

Dies ergab die von Prof. Dr. Thorsten Petry der Hochschule RheinMain und der Unternehmensberatung embrander sowie dem HR-Blog personalmarketing2null  durchgeführte „Social Media Personalmarketing Studie 2016“. Die Studie, die nach 2010 nun zum vierten Mal durchgeführt wurde, untersucht sowohl die Arbeitgeber- als auch die Kandidaten-Perspektive und vergleicht diese. 2016 haben an der Studie 487 Personen teilgenommen.

 

Viele Bemühungen der Unternehmen gehen an der Zielgruppe vorbei. Während bspw. 58% der Unternehmen auf Arbeitgeberbewertungsportalen präsent sind, ist die Nutzung der Kandidaten eher gering (5% der Studenten und Absolventen sowie 23% der Fach- und Führungskräfte nutzen diese). Positiver Aspekt für Arbeitgeber: Auch schlecht bewertete Unternehmen haben eine Chance – allerdings nur, wenn diese ernsthaft auf die Bewertungen eingehen und Stellung beziehen.

 

chart_social_media_studie_petry_2016
Fragen: „Auf welchen Social Media Kanälen sind Sie aktiv?“ (n = 78 in 2014 und n = 110 in 2016; Mehrfachnennung möglich)

 

Die Studie zeigt bei der Kandidatenansprache deutliches Optimierungspotenzial. Obwohl 87% der befragten Unternehmen einer konsistenten und ganzheitlichen Bewerbererfahrung („Candidate Experience“) an allen Kontaktpunkten eine sehr große Bedeutung beimessen, sind die Aktivitäten – nach Aussage der Kandidaten und Unternehmen selbst – nur bei knapp jedem dritten Unternehmen auch tatsächlich auf diesen Idealzustandabgestimmt.

 

Eine aktive Ansprache über berufliche Soziale Netzwerke wird mehrheitlich von den Kandidaten begrüßt. Allerdings hapert es an einer professionellen Kontaktaufnahme seitens der Unternehmen. Zunehmender Beliebtheit bei Studenten erfreut sich das Business-Netzwerk Linkedin. Während dessen Nutzung um 40% gestiegen ist, ging diese bei XING um 18% zurück. Dieweil eine Ansprache via XING und Linkedin auf Zustimmung stößt, lehnen 47% der Kandidaten diese über privat genutzte Social Media Kanäle ab.

 

Trotz einer unvermittelt anhaltenden Social Media Nutzung auf beiden Seiten, sind aber auch 2016 Karriere-Website und Jobbörsen die favorisierten Kanäle. 90% der Kandidaten suchen auf Karriere-Websites nach Informationen über den Arbeitgeber. Umgekehrt sind es 85% der Unternehmen, die auf diesen Kanal setzen.

 

Zusammenfassend zeigt ein Vergleich der Studienergebnisse nach einem deutlichen Anstieg des Reifegrades von 2010 bis 2014 eine weitgehende Stagnation auf dem erreichten Niveau. Auch wenn der Social Media Hype im Personalmarketing endgültig vorbei ist, heißt dies keinesfalls, diese Kanäle zu ignorieren. Viel mehr gilt es, diese sinnvoll in den Personalmarketing-Mix zu integrieren und zielgruppenspezifisch und konsistent im Sinne einer positiven Candidate Experience mit wirklich relevanten Inhalten zu bespielen.

 

Die Social Media Personalmarketing Studie 2016 ergänzt um sechs relevante Erfolgsfaktoren im Personalmarketing kann zum Preis von 199 Euro netto unter social-mediapersonalmarketing.de erworben werden. Ein kostenloser, stark gekürzter Ergebnisbericht steht dort ebenfalls zum Download bereit.

 

Kontaktdaten
embrander – branding conversations
Florian Schreckenbach
Tel.: 0611 13 71 72 40
E-Mail: presse@embrander.de

Prof. Dr. Thorsten Petry
Lehrstuhl für Organisation & Personalmanagement
Wiesbaden Business School / Hochschule RheinMain
E-Mail: thorsten.petry@hs-rm.de

 

.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.