Candidate Profiling: Wo Stellenanzeigen auf die richtigen Kandidaten treffen
Von Gerhard Kenk, Crosswater Job Guide
Bauchgefühl, Rabattkönig oder einfach nur smartes Recruiting: Viele Wege führen zur Platzierung einer Stellenanzeige in den zahlreichen Jobbörsen des Landes – und genau so viele unterschiedliche Lösungsansätze werden von Arbeitgebern verfolgt. Recruiter mit Bauchgefühl sind die Lieblinge der Jobbörsen-Marketingexperten, denn sie verlassen sich auf den emotionalen Einsatz, den die sozialen Medien, das klassische lineare Fernsehen oder Branding-Anzeigen vermitteln.
Rabattkönige sind Controller, die sich durch die vermeintlich vorteilhaften Anzeigenpakete überzeugen lassen. Angeboten werden klassische Jobbörsen sowie einige „Sättigungsbeilagen“ – Beiwerk für viele Recruiting-Kampagnen.
Smarte Recruiter hingegen verlassen sich eher auf die Ergebnisse empirischer Fakten – bitteschön kein Voodoo.
Beim Candidate Profiling geht es in erster Linie darum, Bewerber zu identifizieren und zu erreichen. Nicht in der Theorie, sondern im wirklichen Leben. Bernhard Schelenz und Oliver Gerrits haben diese Herausforderung näher analysiert.
Weil Recruiter oft dieselben Studien lesen, kommen sie in der Regel zu denselben Ergebnissen und handeln auf die gleiche Weise. Wir finden, das ist weder genug noch der Aufgabe Personalgewinnung angemessen. Deshalb haben wir uns auch außerhalb der HR-Profession umgeschaut, ob man vielleicht aus anderen Bereichen etwas abgucken kann, was unserer Aufgabe nützt. So sind wir auf die Möglichkeiten der Predictive Analytics gekommen.
Dabei sollte man die Touchpoints kennen, also die statistisch wahrscheinlichen Kontakpunkte.
Empirische Fakten statt Voodoo
Die von Crosswater Job Guide initiierte Umfrage „Jobbörsen-Kompass“ setzt sich genau das Ziel, die Einschätzungen von Jobsuchenden zu den von ihnen genutzten Jobbörsen zu erheben und zu analysieren. Mit über 41.000 Bewertungen liegen nun umfangreiche empirische Fakten vor, um die Touchpoints der Kandidaten zu erkennen. Recruiter können auf dieser Basis ihre Stellenanzeigen für ihre Wunschkandidaten in solchen Jobbörsen platzieren, wie diese nach Karrierechancen suchen.
So wählen Recruiter die besten Jobbörsen für Anzeigenschaltungen aus
Candidate Profile
Die Definition des richtigen Kandidaten erfolgt nach wichtigen Kriterien wie z.B.:
Alter
Geschlecht
Wohnort (Postleitzahl)
Umzugsbereitschaft / Mobilität
Schulbildung
Akademisches Studiengebiet
Berufsfeld
Wunschbranche
Jahresgehalt
Der Jobbörsen-Kompass-Umfrage stellt Online-Tools zur Verfügung, um solche Analysen durchzuführen:
Ein praktisches Beispiel: Welche Jobbörsen erzielen gute Bewertungen von Jobsuchenden mit akademischem Studium der Bio-Wissenschaften? (Mindestens 20 Bewertungen)
Jobbörse
Zufriedenheit
Suchqualitaet
Bewertungen
jobvector
6,32
6,16
377
T5-KarrierePortal
6,09
6,02
94
Staufenbiel Institut
5,74
5,41
69
Indeed.de
5,17
5,10
41
UNICUM Karrierezentrum
5,06
4,85
34
StepStone Deutschland
4,99
4,98
94
ResearchGate
4,29
4,32
34
Xing Stellenmarkt
4,09
3,94
35
LinkedIn
4,08
3,52
25
chemie.de
3,83
3,83
24
Pharmajobs.com
3,67
3,62
22
Monster Deutschland
3,62
3,62
34
Arbeitsagentur
2,75
2,29
24
Anzahl: 13
Durchschnitt:
4,59
Durchschnitt:
4,44
Total:
907
Bei Akademikern mit Studiengebiet Chemie/Pharmazie ergibt sich folgendes Bild:
Jobbörse
Zufriedenheit
Suchqualitaet
Bewertungen
T5-KarrierePortal
6,63
6,44
72
jobvector
6,49
6,46
181
UNICUM Karrierezentrum
5,57
5,31
42
Staufenbiel Institut
5,33
4,93
27
StepStone Deutschland
5,29
5,12
65
Indeed.de
5,19
5,05
43
chemie.de
4,40
4,31
42
Xing Stellenmarkt
4,31
4,25
36
Monster Deutschland
3,94
3,74
31
Anzahl: 9
Durchschnitt:
5,24
Durchschnitt:
5,07
Total:
539
Einige bekannte Jobbörsen, wie z.B. Stellenanzeigen.de, Kalaydo, Yourfirm.de oder Jobware fehlen in dieser Liste, weil sie nicht die Mindestanzahl an Bewertungen für diese spezifischen Kandidatenprofile vorweisen. Bei der Jobbörsen-Kompass-Umfrage können Bewerber bis zu 5 Jobbörsen bewerten, die nach „ungestütztem Bekanntheitsgrad“ ausgewählt werden.
Bekanntheit gestützt und ungestützt Fragen nach der Bekanntheit eines Produktes, bei der die Marke genannt wird, bezeichnet man als „gestützt“. Beispiel: Kennen Sie die Eiscreme Marke Langnese? Bei der ungestützten Bekanntheit wird allgemein gefragt. Beispiel: Welche Eiscremesorten kennen Sie?
Ausblick
Die Ergebnisse der aktuellen Jobbörsen-Kompass-Umfrage mit den besten Jobbörsen des Jahres 2019 werden auf der TALENTpro Messe am 13. März 2019 in München bekannt gegeben und mit einem Gütesiegel ausgezeichnet.
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