Interview mit Ulrike Poley zum Relaunch der Jobsuchmaschine Jobanova

Ulrike Poley

Der Jobportal-Markt in Deutschland ist in Bewegung. Die Gründungswelle bei Spezial- und Nischenjobbörsen scheint kein Ende zu nehmen und die Geschäftsmodelle der Jobsuchmaschinen entwickeln sich in Richtung Hybrid-Betreiber. So punktet besipielsweise Kimeta.de mit neuen Twitter-Jobsuchmaschinen (sorry, damit ist nicht der Kurznachrichtendienst gleichen Namens gemeint – moderne Stellenanzeigen kommen in der Regel noch nicht mit 140 Zeichen aus), nämlich dem Hybrid-Modell Jobbörse plus Jobsuchmaschine. Andere Jobsuchmaschinen wie beispielsweise iCjobs.de punkten mit der immens großen Anzahl von Stellenanzeigen, die deren Crawler bei Jobbörsen und Arbeitgeber-Karrierewebseiten findet. Nun haben auch führende Generalisten der Jobbörsen-Branche den „Stillen Charme der Bourgeoisie“, die Lieblinge der Stellensuchenden, entdeckt. Bei Jobsuchenden stehen insbesondere Jobsuchmaschinen in Hinsicht auf Nutzer-Zufriedenheit und Suchqualität in hohem Ansehen – wird dies ein Vorbild für Jobbörsen werden?

In den USAwurde die Jobsuchmaschine Indeed.com  – trotz stärkster Konkurrenz von Careerbuilder, Monster, LinkedIn, Facebook & Co – in einer Studie von Silkroad als „größter Lieferant von Bewerber-Interviews“ identifiziert. Ob das auch in Deutschland sich so entwickelt, bleibt abzuwarten. Nicht länger abwarten mochte StepStone, die vor geraumer Zeit die Münchner Jobsuchmaschine Jobanova übernommen hat und nun nach einer Generalüberholung einen Relaunch realisiert hat. Crosswater Job Guide wollte einige Fragen mit Ulrike Poley, Head of Jobanova klären. Das hat sie in folgendem Interview getan.

1.  StepStone hat nachhaltig bewiesen, dass ihr Karriereportal seit Jahren eine führende Position in Deutschland einnimmt. Vor einiger Zeit (Februar 2011) hat StepStone die Münchener Jobsuchmaschine Jobanova gekauft und lanciert damit nun eine neue Plattform für Recruiter und Stellensuchende. Hat das klassische Jobbörsen-Modell ausgedient? Weshalb sollte ausgerechnet Jobanova in die Strategie von StepStone passen?

Jobanova bietet, wie alle Metasuchmaschinen, ein großes und breit gefächertes Angebot für jeden Arbeitnehmer in Deutschland, in welchem Stellenanzeigen von allen möglichen Quellen aggregiert werden. Hauptlieferanten sind Jobbörsen und Personaldienstleister, für die Jobanova als Verlängerung der eigenen Reichweite dient. So liegt der Fokus der Nutzung von Jobanova auf der Belieferung von zusätzlichen Kandidaten der vorgenannten Partner.

Als Technik-getriebenes Unternehmen hält StepStone ständig Ausschau nach innovativen und leistungsfähigen Technologien und ist so auf die Suchtechnologie von Jobanova, die in Zusammenarbeit mit dem CIS Institut an der LMU München unter wissenschaftlicher Aufsicht entwickelt wurde, aufmerksam geworden. Gleich nach dem Erwerb vor zwei Jahren kam diese Suchtechnologie mit Erweiterungen unter dem Namen StepMatch zum Einsatz. Die dazugehörigen Plattform www.jobanova.de verwendete die ursprüngliche Suchtechnologie. Mittlerweile wurde Jobanova von StepStone überarbeitet, mit StepMatch-Funktionalitäten sowie einem frischen Layout und Design versehen.

StepStone wird als große und bekannte Jobbörse für Fach- und Führungskräfte ganz gezielt und dauerhaft von Kandidaten für die qualifizierte Jobsuche genutzt. Das wissen auch die Recruiter, die von dem starken Markenauftritt profitieren und StepStone nicht nur zum E-Recruiting nutzen, sondern auch als Employer-Branding-Tool, um passende Kandidaten zu finden. Mit der zusätzlichen Publizierung der StepStone-Stellenanzeigen auf Jobanova profitieren Unternehmen bei einer Anzeigenschaltung also einerseits durch den starken Markenauftritt und den fast 10 Millionen StepStone-Besuchen pro Monat. Andererseits erhalten die Unternehmen durch die Partnerschaft mit Jobanova zusätzliche Bewerbungen.

2. Wie positioniert sich Jobanova gegenüber dem Wettbewerb in Deutschland?

Neben der wissenschaftlich entwickelten Suchtechnologie zeichnet sich Jobanova vor allem durch einen im Jobsuchmaschinen-Segment einzigartig umfassenden Service aus. So können Partner von Jobanova ihre Vielzahl von Stellenanzeigen über eine Schnittstelle direkt veröffentlichen, Statistiken einsehen, einzelne Anzeigengruppen auf Wunsch durch zusätzliche Promotions noch besser präsentieren und den Reichweitenerfolg eigenständig und jederzeit nachverfolgen. Schon in der kurzen Zeit seit unserem Relaunch haben wir von unseren Partnern außergewöhnlich viel Lob für diese Services erhalten – das freut uns natürlich!

Wie alle Metasuchmaschinen ist Jobanova Traffic-Lieferant und funktioniert auf CPC-Basis: Wer den höchsten Preis pro Klick für sein Anzeigen-Feed zahlt, findet seine Stellenanzeigen oben in der Ergebnisliste. Unsere Kundenzielgruppe sind Anbieter von Stellenportalen, Personaldienstleister und auch einzelne Unternehmen.

3. Wird Jobanova schwerpunktmässig den Recruiting-Markt in Deutschland abdecken oder ist eine Internationalisierung – zumindest in Europa – vorgesehen?

Im Fokus steht für uns im Moment die deutsche Seite, die wir im nächsten Schritt mit zusätzlichen Features noch weiter verbessern werden. Erst danach werden wir Jobanova auf das deutschsprachige Ausland übertragen. Erst wenn das erfolgreich gelingt, denken wir weiter in diese Richtung. Eine Internationalisierung von Jobanova ist aber keinesfalls ausgeschlossen.

4. Besteht bei einem erfolgreichen Jobanova -Geschäftsmodell nicht die Gefahr, das klassische Jobbörsen-Geschäft von StepStone zu kannibalisieren?

Nein, Jobanova ist wie andere Metasuchmaschinen und seit mehreren Jahren existierende Aggregatoren eine Ergänzung der Jobbörsen und kein Wettbewerber.

Jobanova

 

5. Welches sind die wichtigsten Erfolgsfaktoren für Jobanova?

Durch unseren neutralen und unabhängigen Marktauftritt sowie die komfortable Nutzung der Funktionalitäten ist Jobanova die Akzeptanz von Stellenportalen sicher. Besonderes Augenmerk liegt zudem auf dem Thema Traffic: Zusätzlich zum Top-Service werden wir mithilfe von SEO-optimierter Technologie schon bald unseren bestehenden Traffic noch weiter ausbauen.

6. Jobsuchmaschinen setzen auf das Geschäftsmodell „Pay-per-Click“, während die klassischen Jobbörsen eher das Modell „Publish and Pay“ verfolgen. Welche Variante wird sich auf Dauer durchsetzen?

Die Einen nutzen die Anderen: Eine Metasuchmaschine wird von Jobbörsen ähnlich genutzt wie die allgemeine Suchmaschine Google (Stichwort „ Clicks for Costs) und bietet abgesehen von der Nennung der Anzeigenquelle kein Branding.

7.  Alle Recruiting-Plattformen haben eines gemeinsam: Der Arbeitgeber bezahlt für die Veröffentlichung von Stellenanzeigen oder für die Reichweite (Pay per Click), erhält im Gegenzug aber keinerlei Zusagen über den Erfolg, die richtigen Kandidaten zu finden. Es bleibt also nach wie vor dem Recruiter überlassen, die Effektivität der Jobportale selbst zu beurteilen. Welche Empfehlungen können Sie in diesem Zusammenhang den Recruitern geben, damit die Kandidatensuche nicht mehr eine Glückslotterie bleibt?

Für alle Aggregatoren wie auch Jobanova gilt: Es wird viel Traffic generiert, der aber mit sehr vielen Stellenangeboten geteilt werden muss. So trifft die einzelne Stellenanzeige auf eine relativ kleine Zielgruppe, was zu einer geringeren Anzahl der Klicks pro Anzeige führt. Das kann gerade im umkämpften Markt der Fach- und Führungskräfte oder für schwer zu besetzende Stellen, wie z.B. in der IT oder im Ingenieurwesen, zu wirtschaftlichen Einbußen bei den Unternehmen führen. Hier ist es ganz wichtig, auf bewährte Jobbörsen zu vertrauen, um vakante Stellen zu besetzen. Wer also nicht auf sein Glück vertrauen will, sollte StepStone nutzen. StepStone liefert doppelt so viele Kandidaten wie der nächstbeste Anbieter im Markt. Für eine breite Streuung und damit zusätzliche Nutzung, meist über eine Jobbörse oder Personaldienstleister, eignet sich eine Metasuchmaschine wie Jobanova.

Vielen Dank, Frau Poley, für dieses Interview!

 

 Kurz-Biografie Ulrike Poley

Ulrike Poley ist ausgebildete Medien- und Marketing Fachwirtin und arbeitete jahrelang im Hamburger Verlagswesen, bevor sie vor 13 Jahren zu der damals noch kleinen, aber aufstrebenden Online-Jobbörse www.stepstone.de wechselte. Es folgten 13 Jahre gemeinsame Erfolgsgeschichte: Ulrike Poley zog beim heutigen Marktführer unter den deutschen Online-Jobbörsen im Bereich Marketing und strategische Kooperationen die Fäden. Als Strategic Alliances Managerin ist sie bestens mit Jobsuchmaschinen und anderen Reichweitenpartnern vertraut – zeichnete sie doch in den letzten Jahren für deren Zusammenarbeit mit StepStone verantwortlich. Heute ist Ulrike Poley Head of Jobanova.

Mehr Informationen: www.jobanova.de und hier

 

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